Aufsatz 
Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der phanerogamen Blüthe / Karl Schenck
Entstehung
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Größe noch zunehmen. Es iſt eine drüſig fleiſchige Scheibe mit einem vorderen größeren und zwei ſeitlichen kleineren ausgeſchweiften, in eine Spitze auslaufenden Lappen, welche, mit den entſprechenden Fruchtknotenabtheilungen alternirend und an ihrer Außenſeite in die Höhe ge⸗ richtet, die Baſis derſelben bedecken. Der Griffel, welcher längere Zeit vollſtändig gerade war, hat jetzt ungefähr dieſelbe Geſtalt wie in der zum Aufbrechen reifen Knoſpe. Unmittelbar über den Gipfeln der Fruchtknotenabtheilungen biegt er ſich nach hinten und läuft, dem Rücken der Röhre anliegend, auf der Mittellinie deſſelben zwiſchen den beiden hinteren Staubfäden bis zum Schlunde, wo er ſich in der Weiſe nach vorn biegt, daß er gerade mitten zwiſchen den vier Antheren endigt, und der faſt vertikal nach oben gerichtete hintere Aſt zwiſchen die beiden oberen, der vordere, gerade nach unten gewandte zwiſchen die beiden anderen Antheren zu liegen kommt. Beim Griffel hat ſich demnach die urſprünglich reguläre Geſtalt jetzt ebenfalls in die ſymmetriſche verwandelt. Die Spiralgefäße in den beiden Gefäßbündeln deſſelben ſind jetzt kräftig entwickelt und verlaufen in den Aeſten hoch hinauf bis zur Narbengegend, wie bei der offenen Blüthe. Die rundlichen Papillen der Narben haben ſich bedeutend vergrößert und überragen ſehr merklich die umgebende Oberfläche. Auch am Fruchtknoten macht ſich die Symmetrie ſchon deutlich bemerklich, indem die beiden hinteren Abtheilungen die vorderen an Höhe übertreffen. Die Höhe ſämmtlicher Abtheilungen iſt übrigens endlich bedeutender ge⸗ worden als die Breite. Die Gipfel ſind zwar immer noch convexr, doch ſchon in viel gerin⸗ gerem Maße. Die beiden ſeitlichen Ecken ſind ziemlich ſcharf, die vordere Kante iſt zwar vor⸗ handen, aber noch ſtumpf, die ſeitlichen dagegen ſind noch gar nicht angedeutet. Das durch die innere vertikale Kante der Fruchtknotenabtheilungen verlaufende Gefäßbündel iſt ſchon mit Spiralgefäßen verſehen. In den Samenknoſpen hat ſich der Keimſack gebildet und zwar ſchon mit denſelben Theilen und in ähnlicher Form, wie in der offenen Blüthe. Das eine Ende befindet ſich unmittelbar im Knoſpengrunde, mit deſſen Gewebe es in feſtem Zuſammen⸗ hange ſteht. Von hier geht der Keimſack zunächſt in wagrechter Richtung und in Form eines Stieles nach dem Innern der Knoſpe und erweitert ſich daſelbſt zu einem ausgedehnteren Sacke von ellipſoidiſcher Geſtalt, deſſen größere Dimenſion noch in die horizontale Richtung fällt, während er ſich ſpäter bei Entwickelung des Keimes vorwiegend in vertikaler Richtung ausdehnt. Nach unten endigt derſelbe ſchon jetzt mit dem, für den Keimſack aller Labiaten charakteriſtiſchen complicirten Schlauchwerke, welches alſo nicht, wie von Anderen behauptet wird, erſt nach der Einwirkung des Blüthenſtaubes entſteht. Daſſelbe wird von mehreren, unregelmäßig durcheinanderliegenden, mit abgerundetem Ende ſchließenden, ſehr zarten, farb⸗ loſen Schläuchen gebildet. Bei der weiteren Entwickelung der Knoſpe bis zu ihrer Entfaltung bemerken wir in der Form und dem Groͤßenverhältniß der einzelnen Blüthentheile keine beſon⸗ ders erwähnenswerthen Aenderungen mehr, indem jetzt ein gleichförmigeres, aber ſchnelles Wachsthum aller Organe, beſonders beruhend auf der raſchen Ausdehnung der bis dahin ge⸗ bildeten Zellen, eintritt. In dieſe Periode fällt daher auch, zumal bei denjenigen Organen, welche ein beſonders ſtarkes Längenwachsthum zeigen, wie bei der Röhre der Krone, den Staubfäden und dem Griffel, eine ſtärkere Ausdehnung der Zellen in gleicher Richtung. Nur der Kelch bleibt auffallend gegen die übrigen Blattkreiſe zurück; bis zu einer Länge deſſelben von etwa 8 mm war er ſtets gegen den Gipfel der Krone voraus, von da an aber hat dieſer ihn eingeholt, und das Verhältniß iſt von jetzt an umgekehrt, ſo daß bei der zur Entfaltung reifen Knoſpe die Krone etwa um die Hälfte des ganzen Kelches über die Spitzen deſſelben hinausragt.