Aufsatz 
Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der phanerogamen Blüthe / Karl Schenck
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

ſtehende mit ganz denſelben Stellen wie von Anfang an mit einander in Berührung bleiben. Die endliche Folge davon muß aber die ſein, daß die Antheren der hinteren Staubgefäße direct über die der vorderen zu ſtehen kommen und ebenfalls ihre Gipfel ſich einander zukehren. Dieſe letzte Stellung, die nun auch unverändert bleibt bis zur Blüthenentfaltung, haben die Antheren übrigens erſt erreicht in Knoſpen, deren Kelchlänge etwa 9 mm beträgt, ſo daß wir alſo über die Entwickelungsſtufe, von der wir bei dieſen Vorgängen ausgingen, ſchon weit hinaus gekommen ſind. Die Fadenkrümmungen laſſen ſich nun raſch beſchreiben. Die vorderen Fäden fangen zuerſt an, ſich zu krümmen und bilden einen Bogen, deſſen Convexität nach hinten gerichtet iſt. Indem ſich dann die u ntere Fadenhälfte wieder mehr in die Höhe ſtreckt biegt ſich die obere immer mehr herab, bis zuletzt beide Hälften faſt parallel nebeneinander liegen, und die gekrümmte Mitte gerade nach oben gerichtet iſt. Dadurch aber, daß während deſſen das äußerſte Ende des Fadens ſich wieder etwas einwärts biegt, wird der Gipfel der Anthere nicht nach unten, ſondern nach der Seite gerichtet. Die hinteren Fäden beginnen ihre Krümmung etwas ſpäter, bleiben aber dann ſtets unmittelbar an der convexen Seite der vor ihnen ſtehenden. So kommt es, daß ſie zuletzt nicht in dem Maße gekrümmt ſein können, als die vorderen, und daß, da ſie außerdem kürzer ſind, als dieſe, ihr Ende mit den Antheren höher zu ſtehen kommt, als das der vorderen. Wie bei den vorderen, ſo richtet ſich auch das äußerſte Ende der hinteren nach einwärts, woraus dann die beſchriebene Stellung der An⸗ theren ſich leicht ergiebt. Uebrigens iſt bei dieſen Krümmungen ſtets feſtzuhalten, daß ſie wäh⸗ rend des fortwährenden Wachsth ums und eigentlich in Folge der beſonderen Wachsthumsrich⸗ tung der einzelnen Zellen entſtehen. Da die Antheren die ſo erlangte Stellung bis zur Blü⸗ thenentfaltung beibehalten, ſo ſind ſie bis dahin ſtets vor der Ablöſungsſtelle der Fäden im Schlunde der Krone zu ſuchen. Bei den Knoſpen von 56 mm beſteht die kolbige Gruppe im Connective ſchon aus zahlreichen Spiralgefäßen, die ſämmtlich auch hier endigen, ohne in die Antherenhälften einzutreten. Die Antheren haben ihre grüne Farbe verloren und er⸗ ſcheinen jetzt gelbbraun durch einen ſich auf die innere Zellenwandſeite der äußeren Schicht abſetzenden Farbſtoff, der ſpäter immer dunkler wird. Die Federbogen der inneren Schicht ſind vollkommen deutlich entwickelt. Die Pollenkörner, die an Größe noch immer zunehmen, haben jetzt eine dunklere Farbe und einen ebenfalls dunkleren, dichteren, körnigen Inhalt mit einem centralen Kerne. In dem zwiſchen denſelben noch immer vorhandenen, ebenfalls dunkler gewordenen Inhalte finden ſich jetzt auch zahlreiche größere und kleinere Oeltröpfchen von brauner Farbe. Noch eine in dieſe Periode fallende, wichtige Aenderung im Inneren der An⸗ theren iſt zu erwähnen, die aber nicht auf Neubildung oder Vergrößerung vorhandener Zellen beruht, ſondern auf Zerſtörung längſt gebildeter. Bei einer Kelchlänge von circa 6 mm be⸗ ginnen die Scheidewände in den Antheren von drei Stellen her, nehmlich da, wo ſie an der Rima feſtſitzen, und an den Spitzen der ſeitlichen Leiſten ſich zu bräunen, und werden dann durch Reſorption allmälig immer kleiner, ſo daß ſie nach einer Vergrößerung der Knoſpe um etwa 2 ½ mm bis auf eine niedrige braune Leiſte an der Innenſeite des Connectivs ſich reducirt haben. Von dem Augenblicke an, wo die Scheidewände außer Zuſammenhang mit der Rima getreten ſind, iſt die Anthere nicht mehr vier⸗, ſondern nur zweifächerig, und es iſt alſo von da an, zumal bei der offenen Blüthe, nicht richtig, wie es zuweilen geſchieht, von einer vierfächerigen Anthere zu ſprechen. An der Gynobaſis, dem das Piſtill tragenden Axengliede, iſt die Symmetrie des Baues jetzt zur vollen Durchführung gekommen. Die Aus⸗ bildung derſelben iſt ſchon faſt die nehmliche, wie bei der entfalteten Blüthe, nur wird ſie an