Aufsatz 
Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der phanerogamen Blüthe / Karl Schenck
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

richtung des Kornes verlaufenden und für die ganze Familie charakteriſtiſchen Furchen. Die Wand der Pollenkörner beſteht, wie immer, aus einer inneren Haut, der Intine, welche aus den inneren Verdickungsſchichten, und einer äußeren Haut, der Exine, welche aus den chemiſch um⸗ gewandelten äußeren Verdickungsſchichten hervorgegangen iſt, nicht aus der primären Membran der Pollenzelle, die in der Mutterzelle ſchon reſorbirt wird, und auch nicht aus dem Auf⸗ löſungsprodukt der Mutterzelle ſelbſt, weßhalb der Name Cuticula, der noch zuweilen für die äußere Pollenhaut gebraucht wird, nicht richtig gewählt iſt. Die drei Furchen, ſtatt deren ſich bei vielen anderen Pflanzen Poren, ſeltener mit beſonderen Deckeln verſchloſſene Löcher in ver⸗ ſchiedener, aber für jede Pflanze beſtimmter Zahl und Stellung finden, ſind nichts anderes, als verdünnte Stellen der Exine, unter denen die Intine ſtets ſtarke Verdickungen zeigt. Sie haben eine beſondere Bedeutung dadurch, daß bei den zur Zeit der Blüthenentfaltung aus⸗ geſtreuten und auf die Narbe gelangten Pollenkörnern gerade an dieſen verdünnten Stellen der Austritt der aus den Verdickungen der Intine hervorgehendeu Pollenſchläuche erfolgt.

Durchmeſſer einer der noch vorhandenen Mutterzellen 0,00091, einer anderen 0,00122, Dicke einer der darin enthaltenen Pollenzellen 0,00037, Länge eines frei gewordenen Pollenkornes 0,00084, Dicke deſſelben 0,00057, wogegen die Länge eines reifen Pallenkornes 0,00134 0,00141, die Dicke eines reifen Pollenkornes 0,00075 0,00096, Wanddicke eines jungen Pollenkornes 0,00007, Durchmeſſer des centralen Kernes eines ſolchen 0,00016.

In Antheren dieſer Entwickelungsſtufe und auch noch in weiter entwickelten finden wir außer den Pollenkörnern zwiſchen denſelben das Auflöſungsprodukt der Mutterzellen in Form einer graulichen, granulöſen, ſchleimigen Maſſe, die den Pollenkörnern zur Nahrung dient.

Bei einer Kelchlänge von 4 bis 5 mm wird die Krone durch ihre ſtarke Ausdehnung ſchon in den Winkeln der auseinandergedrückten Kelchzipfel ſichtbar, wenn auch letztere nach oben noch convergiren und mit ihren Spitzen noch unmittelbar an einander liegen. Zwiſchen den mit farbloſem Inhalte erfüllten Zellen der Krone haben ſich im Verlauf der Entwickelung große Intercellularräume gebildet. Dadurch iſt die frühere grüne Farbe der Krone allmälig verſchwunden und durch den Wechſel der lufterfüllten Intercellularräume mit den farbloſen Zellen, nicht durch einen beſonderen Farbſtoff, erſcheint dieſelbe jetzt weiß aus den⸗ ſelben optiſchen Gründen, die auch dem Schaume farbloſer Flüſſigkeiten die weiße Farbe er⸗ theilen. In Waſſer dagegen zeigt ſich die Krone unter dem Mikroſkope vor dem Eindringen des erſteren durch Lichtbrechung faſt ſchwarz, während ſie, von Waſſer durchdrungen, in hohem Grade durchſichtig iſt. Von der urſprünglichen Spitze am Mittellappen der Unterlippe iſt jetzt keine Spur mehr zu entdecken. Die Ausbildung der Gefäßbündel der Krone hat keine merk⸗ lichen Fortſchritte gemacht. Um dieſe Zeit zeigen ſich in den Zellen der zweiten oder inneren Schicht der Antherenwandung Gebilde, welche wegen ihrer eigenthümlichen Mitwirkung

zur Erreichung des letzten Zieles der Blüthe, nehmlich der Erzeugung einer jungen Keim⸗

pflanze, von einer beſonderen Bedeutung ſind. Dieſelben finden ſich bei allen Phanerogamen

mit wenigen Ausnahmen und zwar, wenn die Antherenwandung aus zwei Schichten beſteht,

zuweilen in der äußeren, meiſt aber in der innern. Sie beſtehen aus Verdickungsfaſern 3