Aufsatz 
Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der phanerogamen Blüthe / Karl Schenck
Entstehung
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oben geſehen, nicht mehr, wie vorher, kreisförmig, ſondern fünfeckig erſcheint. Innerhalb dieſes Fünfecks aber zeigt ſich der Vegetationskegel mit kreisförmigem Umfange.

Höhe der Knoſpe. 0,00625, ganze Breite 0,00688, Durchmeſſer des Vegetationskegels 0,00612,

Länge eines Kelchblattes, d. h. Höhe des kleinen Kegels 0,00122.

In dieſer Periode beſteht alſo der erſte Blattkreis noch aus fünf von einander vollſtändig getrennten Blättern, an denen auch von der ſpäteren Unregelmäßigkeit oder Symmetrie noch nichts zu bemerken iſt. Der Kelch iſt alſo jetzt noch ein getrenntblätteriger, regel⸗ mäßiger(Calyx dialysepalus, regularis). So bleibt er allerdings nur ſehr kurze Zeit. Da aber die Abweichung von der regelmäßigen Geſtalt beim erwachſenen Kelche überhaupt nur unbedeutend iſt, ſo ſoll im Folgenden auf die Veränderung deſſelben in dieſer Beziehung weiter keine Rückſicht genommen werden. Sie zeigt ſich ſchon ſehr hald, wenigſtens bei auf⸗ merkſamer Betrachtung, angedeutet und nimmt dann ſehr allmälig und deßhalb unmerklich zu.

Dagegen ändert ſich der Kelch in anderer Beziehung ſehr bald in auffallender Weiſe. Seine Blattelemente wachſen nur ſehr kurze Zeit getrennt hervor, dann werden ſie als ein zuſammenhängendes, rings geſchloſſenes Ganzes, als Kelchröhre, aus der Axe hervorge⸗ ſchoben, und der Kelch iſt alſo dann zum verwachſenblätterigen(Calyx gamosepalus) geworden. Die vorher getrennten oberen Theile bleiben dabei ſtets getrennt, und der Ausdruck verwachſenblätterig ſoll alſo keineswegs eine Verwachſung vorher getrennter Theile bedeuten, die überhaupt bei der Pflanze nur in wenigen Fällen vorkommt, ſondern das ungetrennte Hervorwachſen der unteren Theile mehrerer Blattorgane, deren obere Theile getrennt aufge⸗ treten ſind und es auch bleiben.

Nach der älteren Auffaſſung iſt ein Kelch, wie derjenige von L a. nur aus einem ein⸗ zigen Blatte gebildet, welches die Geſtalt einer geſchloſſenen Röhre hat und an ſeinem freien Saume fünf Zähne oder Zipfel trägt, denen kaum eine höhere morphologiſche Bedeutung bei⸗ gelegt wird, als den Sägezähnen eines Laubblattes. Auch noch jetzt verſieht gar manche beſchreibende Botanik unſere Pflanze mit einem einblätterigen Kelche. Das Studium der Ent⸗ wickelungsgeſchichte hat die Unrichtigkeit dieſer Auffaſſung dargethan.

Das Nächſte, was wir an der ſich weiter entwickelnden Blüthenknoſpe bemerken, iſt die Entſtehung des zweiten Blattkreiſes, der Krone. Es erſcheinen unmittelbar über dem Kelche, genau alternirend mit den Blättern deſſelben, fünf weitere Blattanlagen, in nichts von den erſten Anlagen der Kelchblätter verſchieden und untereinander vollſtändig gleichgroß. Die Krone iſt demnach bei ihrem erſten Auftreten getrenntblätterig und regelmäßig(Corolla dialypetala, regularis), wie der Kelch.

Um dieſe Zeit wenden ſich die freien Theile der Kelchblätter nach einwärts und ihre Spitzen nähern ſich mehr und mehr dem Centrum des Vegetationskegels. Bei einer Breite der Knoſpe von 0,01092 laſſen ſie von letzterem noch einen fünfeckigen Stern unbedeckt, der ohne die Zacken nur etwa ein Drittel von der ganzen Breite einnimmt, mit denſelben zwei Drittel.

Wie der Kelch, ſo behält auch die Krone ihre urſprüngliche Beſchaffenheit nur ſehr kurze Zeit bei. Schon bei dem eben beſchriebenen Entwickelungsſtadium des Kelches iſt eine ſehr ‚auffallende Aenderung an der Krone zu bemerken. Die beiden hinteren Blattanlagen wachſen nicht mehr getrennt, ſondern miteinander verbunden aus der Axe hervor und übertreffen die