Aufsatz 
Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der phanerogamen Blüthe / Karl Schenck
Entstehung
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ſchied zwiſchen entwickelten und unentwickelten Axengliedern. In ſehr vielen Fällen nehmlich bleiben die jungen Axenglieder nicht ſo kurz, wie ſie bei ihrer Anlage ſind, ſondern dehnen ſich deſto mehr in die Länge aus, je älter ſie werden. So ſehen wir bei einem gewöhn⸗ lichen Laubzweige in der Regel die einzelnen Glieder von oben nach unten immer größer werden. In vielen anderen Fällen aber geſchieht die Ausdehnung nicht in die Länge, ſondern mehr oder weniger in die Breite, ſo daß die daſſelbe begrenzenden Blätter faſt unmittelbar übereinander ſtehen bleiben. Die letzteren ſind die unentwickelten, die erſteren die entwickelten Axenglieder.

Die Organe der Blüthe.

Wie überhaupt alle Organe der Pflanze ſich auf eines der beiden Grundorgane zurück⸗ führen laſſen, ſo ſind insbeſondere auch diejenigen der Blüthe auf jeder Stufe der Entwicke⸗ lung, ſo verſchieden in morphologiſcher wie phyſiologiſcher Beziehung dieſelben auch ſein mögen, doch nichts anderes, als beſondere Arten, Modiſicationen oder Erſcheinungsweiſen theils von Axen⸗, theils von Blattorganen.

Im gewöhnlichen Leben bezeichnet man als Blätter in der Regel bloß die meiſt grünen und flächenförmig ausgedehnten, dem Vegetationsproceſſe dienenden Blattorgane, die Laub⸗ blätter, während man ſämmtliche Blüthentheile als von den Blättern gänzlich verſchiedene Organe anſieht. Die Wiſſenſchaft aber rechnet beinahe alle Theile der Blüthe zu den Blatt⸗ organen. Sie unterſcheidet nur zwiſchen verſchiedenen Modificationen von Blattorganen, und zwar nimmt ſie zwei Hauptmodificationen derſelben an:

1) vegetative, gewöhnliche oder Laubblätter im weiteren Sinne, wozu die Keimblätter, Laubblätter im engeren Sinne, Nebenblätter und Knoſpenſchuppen gehören, und die theils für die Ernährung und das Wachsthum des Geſammtorganismus thätig ſind, theils zum Schutze junger vegetativer Theile dienen;

2) Blüthenblätter, zu denen alle Blattorgane der Blüthe, nehmlich Kelchblätter, Blumenblätter, Nebenblumenblätter, Staubblätter und Fruchtblätter gehören, und die für die Reproduction der Pflanzenart entweder ſelbſt thätig ſind(Staubblätter, Frucht⸗ blätter als Griffel und Narbe), oder dieſen erſteren und anderen Blüthenorganen als ſchützende Hülle dienen(Kelch, Krone, Fruchtblätter als Fruchtknoten).

Zwiſchen beiden Hauptarten von Blattorganen gibt es denn noch verbindende Ueber⸗ gangsformen, Folia transitoria, nehmlich die Deckblätter, Hüllblätter, Spreublätter und Blüthenſcheiden.

Da nun ein Blattorgan ſich nirgends anders, als an einem Axenorgane entwickeln kann, ſo wird die Blüthe zu Trägern ihrer Blattorgane ſtets auch ein Axenorgan haben müſſen, und dieſes letztere wird, da die Blattorgane der Blüthen in mehrere übereinanderſtehende Kreiſe geordnet ſind, immer aus mehreren Arxengliedern, Internodien, beſtehen müſſen. Das nächſte Axenglied unter dem unterſten Blattkreiſe der Blüthe heißt Blüthenſtiel(Pedicellus), und die Axenglieder zwiſchen den einzelnen Blattkreiſen bilden zuſammen den Thalamus oder Blüthenboden. Es iſt nun für die Blüthe charakteriſtiſch, daß die Glieder des Thalamus in der allergrößten Mehrzahl der Fälle unentwickelte Axenglieder ſind, und daß in Folge deſſen die Blattkreiſe der Blüthe immer dicht aufeinander gedrängt erſcheinen. Das unterſte Axenglied dagegen, der Blattſtiel, iſt in ſehr vielen Fällen entwickelt, d. h. in die Länge aus⸗

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