Aufsatz 
Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der phanerogamen Blüthe / Karl Schenck
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Beiträge zur Entwikelungsgeſchiihte der phanerogamen Vlthe).

Die Grundorgane der Pflanze.

Da das richtige Verſtändniß einer phanerogamen Blüthe und ihrer Entwickelungsgeſchichte ohne die Bekanntſchaft mit der durch die neuere Wiſſenſchaft gewonnenen Anſchauung von den Beziehungen ſämmtlicher Pflanzenorgane zu einander nicht möglich iſt, ſo wollen wir uns im Folgenden zunächſt mit den ſogenannten Grundorganen der Pflanze bekannt machen.

Trotz der außerordentlichen Mannigfaltigkeit in Struktur, Geſtalt und Farbe, wodurch die Organe der phanerogamen Pflanze ausgezeichnet ſind, giebt es an derſelben doch nur zwei weſentlich von einander verſchiedene Entwickelungsproceſſe und daraus abgeleitet zwei oberſte Begriffsverſchiedenheiten, zwei Grundorgane, nehmlich Aren⸗ und Blatt⸗ oder centrale und peripheriſche Organe. 5

Axenorgane ſind alle diejenigen, welche nur am Ende entwickelungs⸗ und fortpflan⸗ zungsfähige Zellen beſitzen. Indem ſich die neuen Zellen hier theils den älteren ſeitlich an⸗ lagern und ſo die nachher zu beſchreibenden peripheriſchen oder Blattorgane bilden, theils in der äußerſten Spitze den Zellenvermehrungsproeeß fortſetzen, iſt alſo das Wachsthum der Axen⸗ organe ſtets vom Grunde nach der Spitze gerichtet und die jüngſten Zellen liegen in dem aus dieſem Bildungsproceſſe hervorgehenden Producte immer in der Spitze, dem ſogenannten Vege⸗ tationskegel. Hier iſt demnach eine der Idee nach unbegrenzte Fortbildung möglich.

Den directen Gegenſatz zu den Axenorganen bilden nun bezüglich ihrer Entwickelungs⸗ weiſe die Blattorgane. Wie ſchon erwähnt, bleiben nicht alle an der Spitze der Axe gebil⸗ deten Zellen innerhalb der für die Axe ſelbſt gegebenen Begrenzung, ſondern es werden auch von Zeit zu Zeit neue Zellen über dieſelbe hinausgeſchoben, ſeitlich angelagert und von immer

*) Zu der vorliegenden Arbeit ſind eigene Unterſuchungen am Lamium album benutzt worden, die ſich auf die Entwickelungsgeſchichte der ganzen Pflanze beziehen und die hauptſächlich den Zweck haben, die vollſtändige Ent⸗ wickelung vom erſten Beginn an durch Zeichnungen vor Augen zu führen. Da dieſes wichtige Hülfsmittel hier wegfällt, ſo war es, um einigen Erſatz dafür zu bieten, nöthig, ſehr Vieles, beſonders Größenverhältniſſe, die ſich durch eine Zeichnung ſofort überſchauen laſſen, mit genaueren Maßangaben zu verſehen.

Die mikroskoviſchen Unterſuchungen ſind angeſtellt mit dem Plößl'ſchen Inſtrumente des hieſigen Gym⸗ naſiums und den Objectivſyſtemen No. 8 und 9(Immerſionsſyſtem) von Leitz in Wetzlar.

Die direkten Meſſungen ſind mittelſt eines Schraubenmikrometers, welcher 0,00001 wien. angibt. ausgeführt, die nachträglich wegen Wegfalls der Zeichnungen nöthig gewordenen Maßangaben dagegen ſind durch Vergleichung derſelben mit gleich ſtark vergrößerten Zeichnungen eines Glasmikrometers mit ⅛0 wien. gewonnen, aber der Gleichmäßigkeit wegen ebenfalls in Decimalbrüchen ausgedrückt und zum Unterſchied von den erſteren mit dem Zeichen verſehen.(1 wien.= 26,343 mm).

1 1