Aufsatz 
Die Goldwespen : mit Bestimmungstabellen der nassauischen und kurzer Beschreibung der übrigen deutschen Arten / Adolph Schenck
Entstehung
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wann die Goldwespen⸗Larve faſt ihr Wachsthum vollendet hat. Die Entwicklung zur Puppe geht ſchnell vor ſich; aber der Puppenzuſtand dauert länger. Viele Puppen überwintern; manche Arten haben eine doppelte Generation. Das Verpuppen geſchieht in der Zelle ohne Anfertigung eines Cocons oder in einem ſolchen. Die Larven ſind weiß und fußlos, die Puppen gleichen den Bienen⸗Puppen(Mumien⸗Puppen).

Eine Ausnahme in der Lebensweiſe macht die Gattung Cleptes. Dieſe legt ihre Eier in eine auf Stachelbeerſträuchern lebende Blattwespen⸗Larve(Nematus Ribesii). Die Larven der Goldwespe leben in derſelben, nähren ſich von deren Säften, ohne daß die Larve ſtirbt; erſt, wenn ſie zum Verpuppen in der Erde ſich herausbohren, verurſachen ſie deren Tod.

Die Chryſiden⸗Arten legen ihre Eier nicht immer in die Zellen einer beſtimmten Hymenopteren⸗Art, ſondern oft in die Zellen verſchiedener Arten, ſelbſt verſchiedener Gat⸗ tungen, ja verſchiedener Familien. So legt z. B. die gemeinſte Chryſiden⸗Art, Chrysis ignita, die Eier in die Zellen ſehr verſchiedener Hymenopteren, der einſamen Faltenwespen Odynerus parietinus, Antilope, murarius, bifasciatus und spinipes, und Eumenes pomiformis, der geſelligen Wespe Vespa rufa, der einſamen Biene Chelostoma florisomne, der Grab⸗ wespen Philanthus Triangulum und Cerceris ornata. Da dieſe Hymenopteren von ſehr verſchiedener Größe ſind, ſo iſt dieſer Umſtand wohl die Urſache davon, daß viele Arten in der Größe ſo bedeutend variiren.

Die Goldwespen gehören zu den lebhafteſten und beweglichſten Inſekten. Man findet ſie vom Frühjahr an bis in den Anfang des Herbſtes, am häufigſten im Juli und Auguſt. Sie zeigen ſich faſt nur im heißeſten Sonnenſchein, tummeln ſich mit fortwährend ſchnell vibrirenden Fühlern fliegend und laufend an ſolchen Orten herum, wo ſich zum Cierlegen geeignete Hymenopteren⸗Zellen finden, an alten Mauern, Lehmwänden, Planken, Latten, Pfoſten, Baumſtämmen. Ihre Nahrung beſteht in ſüßem Blumenſaft. Beſonders beſuchen ſie Schirm⸗ pflanzen, vorzüglich Heracleum Spondylium(Bärenklau) und Daucus Carotta(wilde Möhre); unter den Compoſiten faſt nur Achillea millefolium(Schafgarbe). Wegen ihrer Flüchtigkeit und ihres ſcharfen Geſichts ſind ſie ſchwer zu fangen. In der Angſt kugeln ſie ſich zuſammen, bleiben eine Zeitlang wie todt liegen und fliegen dann ſchnell davon. Die Weibchen ſuchen auch zu ſtechen*).

§. 7. Syſtematiſche Eintheilung. Die deutſchen Chryſiden theilt man am zweckmäßigſten in folgende acht Gattungen: Chrysis, Stilbum, Hedychrum, Holopyga, Ellampus(Omalus und Elampus Dhlb. nebſt Notozus Foe.), Euchrocus, Parnopes, Cleptes. Von dieſen kommen Stilbum, Euchroeus und Parnopes in Naſſau nicht vor. Zur Unterſcheidung der Gattungen dient folgende Tabelle, worin aber nur die augenfälligſten Merkmale hervorgehoben ſind.

Beſtimmungstabelle der deutſchen Gattungen. Anmerk. Zur Größenbeſtimmung iſt das naſſauiſche Maß angewendet, 1= 3 mm. W. bedeutet Weibchen, M. Männchen. A. Hinterleib am Endrande ungezahnt, oder höchſtens mit 6 Zähnen. a. Hinterleib bei W. und M. mit 3 Segmenten. aa. Segment 3. mit einer grubigen Querfalte.

*) Ich ſelbſt habe noch nie die Erfahrung gemacht, daß ihr Stachel die Haut durchdringt; andere Beobachter aber behaupten dieſes.