Aufsatz 
Die Goldwespen : mit Bestimmungstabellen der nassauischen und kurzer Beschreibung der übrigen deutschen Arten / Adolph Schenck
Entstehung
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gnn§. 5. Sexual⸗Unterſchiede. Die beiden Geſchlechter ſind bei den Goldwespen oft kaum von einander zu unterſcheiden, während bei den übrigen Hymenopteren in der Regel dieſe Unterſcheidung ſehr leicht iſt, ja häufig eine ſo große Verſchiedenheit zwiſchen Männchen und Weibchen ſtattfindet, daß man wohl auf zwei verſchiedene Arten ſchließen könnte. Die Glieder⸗ zahl der Fühler iſt bei beiden Geſchlechtern immer dieſelbe, während ſie bei faſt allen anderen Hymenopteren verſchieden iſt. Ebenſo iſt, mit Ausnahme der Gattungen Parnopes und Cleptes, auch rückſichtlich der Zahl der Hinterleibsſegmente kein Unterſchied, ebenfalls abweichend von den meiſten übrigen Hymenopteren. Das Männchen iſt in der Regel kleiner und ſchlanker, zuweilen mehr oder weniger in der Farbe abweichend; oft iſt in der Punktirung, der Behaarung und der Geſtalt des Endſegments ein Unterſchied. Nur bei Parnopes und Cleptes macht die Zahl der Hinterleibsſegmente einen Unterſchied(§. 3). Das ſicherſte Kennzeichen des Weibchens iſt der Legeſtachel(§. 2). Das Männchen hat ein ähnliches Organ, welches die Geſchlechts⸗ organe enthält; dasſelbe iſt aber kurz und breit und kommt ſelten hervor, hat auch keinen Stachel am Ende. In der Schrift:Déscription des Chrysides du bassin du Léman par Fr. Chévrier, Genève 1862 ſind bei den meiſten der hier beſchriebenen Arten die Unter⸗ ſcheidungsmerkmale des Männchens und Weibchens genau angegeben.

§. 6. Lebensweiſe. Die Goldwespen ſind Schmarotzer(Paraſiten), wie es deren unter den Hymenopteren faſt in allen Familien gibt; ja die umfangreichſte, die der Schlupf⸗ wespen, beſteht nur aus ſolchen. Indeſſen iſt der Paraſitismus der Goldwespen von dem der Schlupfwespen ſehr verſchieden. Die Larven der letzteren leben in anderen Inſekten, deren Larven, Puppen oder Ciern; bei den Goldwespen führt dieſe Lebensweiſe nur die Gattung Gleptes. Die übrigen Goldwespen legen ihre Eier in die Zellen anderer Hyme⸗ nopteren, namentlich der einſamen Bienen, der einſamen Faltenwespen und der Grabwespen, ſelten in die Neſter geſelliger Wespen. Die Zellen jener einſamen Hyme⸗ nopteren finden ſich in Mauerlöchern, Lehmwänden, morſchen Baumſtämmen, alten Planken, Pfoſten und Latten, in Brombeerſtengeln, in der Erde, in Gallen und ſelbſt in Schnecken⸗ häuſern, ſelten auswendig an Mauern, Hauswänden und Felſen. An ſolchen Orten ſieht man daher die Goldwespen häufig herumfliegen. Die weibliche Goldwespe lauert in der Näͤhe einer Zelle auf den Augenblick, wo deren Erbauerin ſich entfernt, um Larvenfutter zu holen, und legt während ihrer Abweſenheit ein Ei hinein, wenn ſie nicht ſchon mit einem Ei einer anderen Goldwespe beſetzt iſt. Wird ſie dabei von jener Hymenoptere überraſcht, ſo iſt ſie durch die Fähigkeit, ſich zuſammenzukugeln und ihre harte Haut gegen deren Stich geſchützt. Vielleicht dient die lebhafte Farbe und der intenſive Metallglanz dazu, die Feindin zu erſchrecken und ſo der Goldwespe Zeit zum Wegfliegen zu geſtatten. Es kommt indeſſen auch vor, daß die Goldwespe von ihrer Feindin angegriffen wird. So ertappte eine Mörtelbiene(Chalicodoma muraria) in einer ihrer Zellen, welche ſie an Hauswänden aus Sand und Mörtelſtückchen verfertigt, eine Goldwespe. Dieſe kugelte ſich zuſammen, worauf die Biene ihr die Flügel hart an der Baſis abbiß. Die Goldwespe ließ ſich auf die Erde hinabfallen, lief nach Entfernung der Biene an der Wand hinauf zur Zelle und legte ein Ei hinein. Von der Bienen⸗Gattung Halictus(Furchenbiene) niſten oft viele Weibchen nahe bei einander in Erdlöchern. Erſcheint hier eine Goldwespe, ſo erſcheinen nach und nach viele ſolcher Bienen und verſcheuchen ſie.

Die Larve der Goldwespe nährt ſich von der Larve der Zellenerbauerin. Sie ſchlüpft erſt aus dem. Ei, wenn letztere bereits eine bedeutende Größe erreicht hat, legt ſich auf deren Rücken und ſaugt ſie allmählig aus, ſo daß ihr Tod nicht ſchnell, ſondern erſt dann erfolgt,