Aufsatz 
Naturgeschichte der Ameisen und Anleitung zur Bestimmung der nassauischen Arten : 1. Theil / Schenck
Entstehung
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Zeit der Entwicklung beträgt wohl 4 Wochen, oder nach Beſchaffenheit der Witterung auch länger oder kürzer..

§. 6. Schwärmen. Junge M. und W. gibt es nur einmal im Jahr zu einer be⸗ ſtimmten, nach den Arten verſchiedenen Zeit, junge A. aber vom Frühjahr bis in den Herbſt. Die Zahl der M. iſt immer beträchtlicher, als die der W. Beide bleiben mehrere Wochen lang im Neſte, bis ihre Flügel und Generationsorgane die gehoͤrige Ausbildung erlangt haben, und werden von den A. während dieſer Zeit, wie die ungeflügelten eierlegenden W., ſorgfältig gefüttert. Die geflügelten W. legen während dieſer Zeit keine Eier. Bei warmer Witterung, beſonders gegen Abend, begeben ſich die geflügelten Geſchlechter öfter an die Oberfläche des Neſtes, oder bei ſolchen, welche in Mauern, Baumſtämmen oder den Wänden eines Hauſes niſten, zeigen ſie ſich außerhalb des Neſtes in den Spalten der Mauer, auf der Oberfläche des Baumſtammes, an benachbarten Fenſtern, aber immer von A. begleitet, welche ſie, ſobald ſie Miene machen fortzufliegen oder ſich zu weit zu entfernen, mit den Kiefern ergreifen und in das Neſt zurückziehen. Iſt aber die geeignete Zeit gekommen und die Witterung günſtig, die Luft warm und windſtill, ſo verlaſſen ſämmtliche W. und M. auf einmal das Neſt, ohne weiter von den A. gehindert zu werden, umgeben die Ausgänge in dichten Schaaren, erſteigen Grasſtengel und andere das Neſt umgebende Gegenſtände, erſcheinen in Maſſe an dem Baum⸗ ſtamme, der Mauer, der Wand, worin ſich das Neſt befindet, und erheben ſich plötzlich, wie eine Rauchſäule, in die Luft. Zu dieſer Zeit verlaſſen auch die A. in Maſſe das Neſt und verbreiten ſich um daſſelbe. Dieſes Schwärmen geſchieht gewöhnlich vor Sonnenuntergang an einem warmen, heiteren, windſtillen Abend. Doch ſcheinen manche Arten Morgens früh zu ſchwärmen, wie ich bei Lasius brunneus beobachtet habe. Die geflügelten Geſchlechter ſchwärmen nun eine Zeitlang in der Nähe des Neſtes hoch in der Luft, und hier findet die Vereinigung der zwei Geſchlechter ſtatt, wie bei der Hausbiene. Darauf zerſtreuen ſich die Schwärme. Diejenigen W., welche ſich in der Nähe des Neſtes zur Erde niederlaſſen, werden von A. er⸗ griffen und in das Neſt zurückgetragen. Sie ſind beſtimmt, durch Eierlegen für die Erhaltung der Colonie zu ſorgen, und nur damit beſchäftigt, verlaſſen ſie das Neſt nie wieder. Unter dieſen Umſtänden ſind ihnen die Flügel überflüſſig, ja ſie würden ihnen ſogar hinderlich ſein; deßhalb ſind ſie ſehr ſchwach eingelenkt und fallen ihnen nach dem Schwärmen ſehr bald ab, oder ſie knicken ſich dieſelben mit ihren Beinen ſelbſt ab, oder ſie werden ihnen von den A. abgebiſſen. Diejenigen W., welche ſich weiter vom Neſt entfernen, fliegen kurze Zeit auf Blüthen, Blättern, im Graſe, an Mauern, Baumſtämmen oder auf der Erde herum, verlieren aber ebenfalls bald ihre Flügel und ſuchen dann einen paſſenden Ort auf, um ein neues Neſt und eine neue Colonie zu gründen. Haben ſie einen ſolchen gefunden, ſo machen ſie eine kleine Höhlung und legen hier Eier. Eine Zeitlang müſſen ſie nun zur Pflege der Brut alle die Geſchäfte verrichten, welche ſonſt den A. allein obliegen. Geraume Zeit hindurch entwickeln ſich aus den Eiern nur A., welche ſogleich das Neſt erweitern und die Pflege der Brut beſorgen helfen, ſobald ſie aber in hinreichender Zahl vorhanden ſind, ausſchließlich alle zur Erhaltung der Colonie nothwendigen Geſchäfte übernehmen. Nach Lepeletier's Beobachtung geſellen ſich zu einem ſolchen, eine neue Colonie begründenden W. auch wohl A. aus einem benachbarten Neſte, um das W. bei der Anlage des Neſtes und in der Pflege der Brut zu unterſtützen. Viele W. gehen jedoch zu Grunde, werden insbeſondere eine Beute der Vögel. Die M. kehren nicht zum Neſte zurück, ſondern zerſtreuen ſich und werden meiſtens von den Vögeln gefreſſen; die überlebenden fliegen eine Zeitlang auf Blüthen, Blättern oder im Graſe herum,