Aufsatz 
Naturgeschichte der Ameisen und Anleitung zur Bestimmung der nassauischen Arten : 1. Theil / Schenck
Entstehung
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Die meiſten Arten niſten unter der Erde, viele unter einer natürlichen, gegen Näſſe ſchüͤtzenden Decke, unter Steinen, dichter Raſen⸗ oder Moosdecke; manche thürmen die ausgegrabene Erde über dem Neſte zu einem höohen Haufen auf, welcher ſich mit der Zeit begraſt und verhärtet, wie man dergleichen in Menge auf Wieſen und in Wäldern ſieht. Andere bedecken das unter⸗ irdiſche Neſt mit einem Haufen aus zuſammengetragenen kleinen Körperchen, Coniferen⸗Nadeln, Knospenſchuppen, Holzſtückchen, Halmſtückchen, Moosſtückchen, Erdklümpchen, Steinchen, ſo z. B. die bekannte Formica rufa, deren Neſter man häufig in Nadelwäldern ſieht. Manche Arten wenden immer nur eines dieſer Mittel an, um ihr Neſt gegen Näſſe zu ſchützen, andere je nach der Localität bald dieſes, bald jenes. Auch in Felsſpalten, die mit Erde ausgefüllt ſind, legen viele Ameifen gerne ihre Neſter an, ebenſo in den Spalten alter Mauern. Viele niſten in alten Baumſtämmen oder Baumſtrünken, entweder im Holze ſelbſt oder unter der Rinde oder dem Mooſe derſelben. Ein Ameiſenneſt beſteht aus zahlloſen über und neben einander befindlichen rundlichen Zellen und labyrinthiſchen Gängen zur Verbindung derſelben; andere gekrümmte Gänge führen nach den zum Ein⸗ und Ausgang dienenden Oeffnungen an der Oberfläche. Die ein Neſt bedeckenden Haufen ſind ebenfalls von ſolchen Gängen nach allen Richtungen durch⸗ zogen und an der Oberfläche mit Oeffnungen verſehen, welche bei manchen Arten, z. B. Form. rufa, des Abends geſchloſſen, des Morgens geöffnet und ſorgfältig bewacht werden. Die in Baumſtämmen niſtenden nagen die Zellen und Gänge in dem morſchen Holze mit den Ober⸗ kiefern aus, und tragen mit denſelben die abgenagten Holztheilchen heraus, ſo daß ſich dieſelben vor dem Eingange des Neſtes oder am Fuße des Stammes oder Strunkes wie ein Haufen Sägemehl anſammeln. Bei manchen Ameiſen hat das Neſt mehrere, bei anderen nur eine Oeffnung nach Außen, wie bei den unter der Erde niſtenden Atta sructor, mit der ausge⸗ grabenen Erde wie mit einem Walle umgeben. Die unterirdiſchen Neſter haben oft eine ſehr weite Ausdehnung, z. B. bei dem ſehr gemeinen Tetramorium caespitum. In den Tropen⸗ ländern Amerika's hat das unterirdiſche Neſt der Oecodoma cephalotes, der Zug⸗ oder Viſiten⸗ ameiſe, eine ungeheuere Ausdehnung und Tiefe, bei einer Tiefe von 9 Fuß oft eine Ausdehnung von 20 Quadratfuß. In tropiſchen Gegenden errichten manche Ameiſen, wie viele Termiten, 8 11 Fuß hohe kegelförmige Hügel von thoniger Erde, welche nach und nach einen hoh en Grad von Härte annehmen. Selten kommt der Fall vor, daß Ameiſen in Baumhöhlen oder anderen hohlen Räumen die Wände der Zellen und Gänge aus abgenagten Holztheilchen und anderen eingemiſchten Pflanzenfragmenten und kleinen Steinchen zuſammenſetzen, indem ſie die Holztheilchen zerkauen und mittelſt ihres Speichels in eine teigige, verhaͤrtende Maſſe, verwan⸗ deln. Solche, höchſt kunſtvolle Neſter baut zuweilen Lasius fuliginosus, die glänzend ſchwarze Baumameiſe. Zuweilen niſten bei uns Ameiſen in dem Gebälke oder den Wänden eines Hauſes, ſo daß ſich das Neſt nach dem Innern des Hauſes, nach Küchen, Vorrathskammern und Stuben öffnet. Dieſes thut beſonders Lasius niger und brunneus und Tetramorium caespitum(ſiehe §. 17 bei L. brunneus und Atta structor). In heißen Ländern und ſchon in Südeuropa iſt dieſes ganz gewöhnlich(ſ.§. 11.). Solche in Häuſern niſtende Ameiſen haben ſich aus tropiſchen Gegenden auch zu uns mit Waaren oder Pflanzen verbreitet und ſich auch hier in Häuſern angeſiedelt(ſ.§. 14). Auch in Gewächshäuſer in verſchiedenen Theilen Deutſchlands ſind exotiſche Ameiſen mit Gewächſen verpflanzt worden und niſten hier in den Kübeln der Gewächſe(ſ.§. 14). In tropiſchen Gegendeu gibt es Ameiſen, welche, abweichend von allen unſeren Ameiſenarten, ihre Neſter, wie Wespenneſter, außen an Blätter, Baumſtämme oder Zweige befeſtigen. Solche haben, wie die Wespenneſter, eine papier⸗ oder filzartige, meiſt