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zu einer gewiſſen Zeit des Jahres(Schwärmzeit) und nur einige Wochen lang in den Neſtern vor; ungeflügelte, eierlegende W. aber, welche ihre Flügel nach der Befruchtunng verloren haben, finden ſich zu jeder Zeit, entweder eines oder mehrere. Auch die A. ſind eigent⸗ lich W., wie bei den geſelligen Bienen und Wespen, aber in der Regel wegen Verkümmerung der Cierſtöcke unfruchtbar; jedoch können ſie unter gewiſſen Umſtänden, wie bei allen geſelligen Hymenopteren, namentlich auch unſerer Hausbiene, fruchtbar werden, dann aber nur Män nchen erzeugen*J. Sie ſind in der Regel die kleinſten Individuen einer Colonie, oft mehrmal kleiner, als die geflügelten Geſchlechter, z. B. bei Tetramorium caespitum und Diplorhoptrum fugax zwergartig gegen die W. und M., oder mehrmal kleiner als die W., aber den M. ungefähr gleich, wie bei dem Genus Lasius, oder auch von beiden wenig verſchieden, wie bei Formica und Myrmica. Jedoch findet oft zwiſchen den A. deſſelben Neſtes ein bedeutender Größen⸗ unterſchied Statt, ſo daß die kleinſten und größten um das Doppelte oder noch mehr diffe⸗ riren, wie bei Camponotus ligniperdus, unſerer größten Ameiſenart(der großen Baumameiſe). Dabei zeichnen ſich die größten A. noch durch unverhältnißmäßig große Köpfe aus, am auf⸗ fallendſten bei dem Genus Atta. Zuweilen iſt bei den kleinſten A. die Farbe dunkler, z. B. bei Formica congerens, sanguinea und truncicola. Bei manchen Arten iſt überhaupt die Farbe der A. ſehr veränderlich, wie bei Tetramorium caespitum, jedoch die A. des nämlichen Neſtes in der Regel von derſelben Farbe. Solche verſchieden gefärbte A. der nämlichen Art hat man nicht ſelten für beſondere Arten gehalten. Zuweilen finden ſich in einer Colonie einzelne A., welche ſich in Größe und Farbe den W. nähern. So fand ich in einer Colonie des Lasius flavus mit kleinen hellgelben A. einen A. von mehr als doppelter Größe und braungelber Farbe, von einer Menge der kleinen gelben A. dicht umdrängt. Der Thoragx iſt bei den A. anders gebaut, als bei den geflügelten Geſchlechtern. Das Pro⸗ und Metauotum iſt bei jenen viel größer, und Schildchen nebſt Hinterſchildchen fehlen. Das Pronotum hilft oben einen großen Theil des Thorax bedecken, und das Metanotum hat in der Regel einen großen Baſaltheil. Oft fehlen die Nebenaugen oder ſind undeutlich. Die Fühler ſind gebrochen, der Schaft lang, die Geißel oft keulenförmig, die Oberkiefer faſt immer durch Größe und Stärke ausge⸗ zeichnet, die Beine kräftiger, als bei den geflügelten Geſchlechtern.
Die Weibchen ſind in der Regel die groͤßten Individuen, bei manchen Arten jedoch an Größe kaum von den A. und M. verſchieden. In der Farbe weichen ſie oft ſehr von den A. ab, z. B. bei den Arten mit gelben A. ſind ſie braun. In Geſtalt gleichen ſie den A, aber der Thorax hat einen anderen Bau; das Pronotum iſt ſehr klein, einem ſenkrecht auf der Kante ſtehenden Ringe ähnlich, daher von oben geſehen ſehr ſchmal, tiefer liegend, als das Meſonotum, oft von dieſem überwölbt, nichts beitragend zur oberen Decke des Thorax; die eine Fläche dem Kopfe, die andere dem Meſonotum zugekehrt, eine ſchmale Kante nach oben gerichtet. Das
1] Bei den Ameiſen kommt ohne Zweifel auch die Art der Fortpflanzung vor, welche man Parthenogeneſis nennt; bei der Honigbiene kannte dieſe ſchon Ariſtotelee. Es legen nämlich auch unbefruchtete Weibchen frucht⸗ bare Cier, aus welchen ſich aber nur Männchen, bei der Honigbiene Drohnen genannt, entwickeln. Vergl.: die Bienen des Herzogthums Naſſau, von A. Schenck(aus den Jahrb. des Vereins f. Naturkunde des Herzogth. Naſſau, H. XIV, 1861) S. 96 und 106, und die Schriften über Parthenogeneſis von Siebold(Leipzig 1856 und München 1862) und Leuckart(Frankfurt 1858); ferner Hartig, über die Familie der Gallwespen, in„Germar's Zeitſchrift für die Entomologie“, Bd. II, III, IV, wo er Bd. IV, S. 396 u. ff. dieſe bei den Gallwespen ſehr häufige Erſcheinung beſpricht. Bei dieſer Gelegenheit erinnere ich an einen Ausſpruch des Ariſtoteles:„Man muß der Beobachtung mehr Glauben ſchenken als der Theorie, und dieſer letzteren nur dann, wenn ſie zu den gleichen Reſultaten führt wie die Erfahrungen.“
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