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V. Der Hinterleib beſteht ohne das Stielchen, wenn dieſes eingliedrig iſt, bei den W. und A. aus fünf, wenn daſſelbe aber zweigliedrig iſt, nur aus vier Segmenten, bei den M. in jenem Falle aus ſechs, in dieſem aus fünf. Jedes Segment iſt aus einem oberen und einem unteren Halbringe zuſammengeſetzt, die oberen Halbringe mit ihrem Nande über die unteren hinausreichend und ſich noch auf die Bauchſeite fortſetzend. Die Segmente ſind horn⸗ artig, nur an der Baſis, wo ſie ſich miteinander verbinden, häutig und hier von weißlicher oder gelblicher Farbe, ſich dachziegelförmig deckend, die weiche Bindehaut eines jeden Segments unter dem hornartigen Theile des folgenden liegend. Bei ſtark angeſchwollenem Hinterleibe, wie bei den eierlegenden W., kommen dieſe Häute zum Vorſchein. Die obere Seite des Hinterleibs heißt der Rücken, die untere der Bauch; man unterſcheidet daher Rücken⸗ und Bauch⸗ ſegmente, An den Seiten der Rückenſegmenle liegt jederſeits ein kleines Luftloch(Stigma), aber bedeckt von dem vorhergehenden Segmente, ein ſolches auch neben zwiſchen Pro⸗ und Meſothorax und neben am Metathorax, ſehr wichtige Organe, weil ſie zum Athmen dienen]J.— Die Baſis des zweigliedrigen Stielchens iſt meiſtens ſehr verdünnt, das Ende des erſten Gliedes und das zweite Glied knotenförmig verdickt; nur bei einer einheimiſchen Art, Myrmecina Latreillii, beſteht das ganze erſte Glied aus einem länglichen Knoten ohne verdünnte Baſis. Das ein⸗ gliedrige Stielchen iſt bei unſeren Ameiſen immer mit einem von vorn nach hinten zuſammen⸗ gedrückten Plättchen(Schuppe) beſetzt, faſt bei allen Gattungen aufrecht ſtehend, nur bei zwei naſſauiſchen Arten auf dem Stielchen liegend oder mit ihm verwachſen, ſo daß die Schuppe zu fehlen ſcheint, neben aber an einer Fuge erkennbar. Bei ausländiſchen Gatrungen kommt auch das eingliedrige Stielchen mit einem Knoten vor.— Bei einer naſſauiſchen Art, Ponera con- tracta, mit eingliedrigem Stielchen iſt das erſte Segment des eigentlichen Hinterleibs durch eine Zuſammenſchnürung am Ende vom zweiten abgeſetzt, ebenſo bei vielen ausländiſchen Ameiſen.— Im Ende des Hinterleibs liegt bei den W. und A. vieler Gattungen eine Gift⸗ drüſe, aus welcher ſie eine flüſſige Säure(Ameiſenſäure) zur Vertheidigung ausſpritzen, ſo bei allen unſeren Ameiſen, deren Stielchen eine Schuppe hat, mit Ausnahme des Genus Polyergus und Ponera; bei dieſen zwei und bei allen mit 2 Knoten auf dem Stielchen verſehenen Gattungen haben die W. und A. im Hinterleibe einen vorſtreckbaren Giftſtachel, wie bei allen Aculeaten aus einer Rinne und 2 darin liegenden feinen Stechborſten zuſammengeſetzt und mit einer Giftdrüſe in Verbindung ſtehend, ſo daß ſich beim Stechen die in derſelben ent⸗ haltene Säure durch die Rinne in die Wunde ergießt. Viele ausländiſche Ameiſen, und darunter auch ſehr große, ſind mit einem Stachel bewaffnet, welcher empfindlichen Schmerz und gefähr⸗ liche Wunden verurſachen kann. Den M. fehlt immer die Giftdrüſe und der Stachel; dagegen haben ſie am Ende des Hinterleibs drei Paar hornige Klappen, Genitalklappen genannt.
§. 3. Die verſchiedenen Geſchlechter. Alle unſere einheimiſchen Ameiſenarten beſtehen aus drei Geſchlechtern(Ständen, Formen), Weibchen, Männchen und Arbei⸗ tern, durch Größe und Geſtalt, oft auch durch Farbe verſchieden, nicht ſelten ſo ſehr, daß nur das Auffinden in demſelben Neſte die Identität der Art beweiſt. Die Arbeiter ſind immer ungeflügelt, machen die bei weitem größte Zahl der Bewohner aus und finden ſich zu jeder Zeit des Jahres im Neſte. Die Weibchen und Männchen ſind geflügelt und kommen nur
1] Kein Inſekt athmet durch den Mund, ſondern alle durch Luftlöcher an den Seiten des Körpers, aus welchen ſich Luftröhren in zahlloſen Verzweigungen durch den ganzen Körper erſtrecken; bei Larven und Puppen, welche im Waſſer leben, finden ſich oft Kiemen. Vergl. Burmeiſter, S. 169— 194; Samuelſon, S. 70— 74.


