Aufsatz 
Monographie der geselligen Wespen mit besonderer Berücksichtigung der Nassauischen Species
Entstehung
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mehr fliegen, und in kurzer Zeit kommen ſie alle, mit Ausnahme der ſich verkriechenden Weibchen, vor Kälte und aus Mangel an Nahrung um. Vorher aber reißen die Arbeiter alle noch vorfind⸗ lichen Larven aus ihren Zellen und tragen ſie aus dem Neſte. Mit dem Neſte eingeſperrt, füͤttern ſie die Larven wohl eine Zeit lang, jedoch zuletzt ziehen ſie dieſelben aus den Zellen und verzehren ſie ſogar. Wenn vor Entwickelung junger Weibchen und Männchen das Weibchen eines Neſtes umkommt, ſo verlaſſen die Arbeiter das Neſt und zerſtreuen ſich. Bei lange anhaltendem Regen⸗ wetter und bei Ueberſchwemmungen gehen viele Neſter zu Grunde; in Jahren, wo dieſe Erſchei⸗ nungen vorkommen, ſieht man daher ſpaͤter ſehr wenige Wespen, wenn auch im Frühjahre eine Menge Weibchen herumgeflogen ſind. So war es z. B. im Jahr 181 6. Allein warme und trockene Sommer ſind der Vermehrung der Wespen ſehr günſtig, beſonders in obſtreichen Jahren. Außerordentlich viele gab es im Jahr 1842 und 1846.

Die Nahrung der Wespen iſt ſehr mannigfaltig. Gleich den Bienen ſaugen ſie mit ihrer Zunge den Nektarſaft der Blüthen und andere ſüße Säfte, z. B. den aus Eichſtämmen quellenden Saft, welchem beſonders Vespa Crabro ſehr nachſtrebt, den ſüßen Saft der Blattläuſe, welcher, von denſelben ausgeſpritzt, die Blätter der Gewächſe, worauf ſie leben, ja ſelbſt benachbarte, unter dem Namen Honigthau überzieht, Bienenhonig, ſüße Obſtſäfte. Sie nehmen aber auch mit Hilfe ihrer Oberkiefer feſte Nahrungsmittel zu ſich, z. B. ſüßes Obſt, beſonders Trauben und ſüße Pflaumen, auch Aepfel und Birnen, die ſie oft ganz aushöhlen, ſodaß man ſolche nicht ſelten ganz mit Wespen angefüllt findet; auch beißen ſie Fleiſch und Speck auf Metzgerläden ab, fangen und verzehren andere Inſekten, beſonders Bienen und Fliegen, und dringen in die Stuben und Vor⸗ rathskammern, um die menſchlichen Nahrungsmittel zu verzehren. In Jahren, wo ſie ſich ſehr ſtark vermehren, werden ſie auf dieſe Weiſe nicht nur laͤſtig und durch ihre Stiche gefäͤhrlich, ſondern richten in Obſtgärten und Weinbergen arge Verheerungen an, ſo z. B. im Jahr 1842, wo ſie in den Weinländern zu einer wahren Plage wurden, und auch die Menſchen in den Häuſern nicht wenig beläſtigten. Die Wespen ſind leicht zum Stechen zu reizen, weit leichter, als die Bienen; ungereizt aber ſind ſie friedlich. Allerdings darf man ſich ihrem Neſte nicht zu ſehr nahen; und ſehr gefährlich iſt es, dasſelbe zu zerſtören, da ſie in dieſem Falle in Menge ihren Feind an⸗ fallen und ſelbſt weit verfolgen. Sie machen es in dieſem Falle ganz anders, als die Hummeln, deren Neſt man ausgraben kann, ohne Gefahr zu laufen, von ihnen geſtochen zu werden, da ſie ihren Feind nur ſummend umſchwärmen, nie aber ſich an ihn ſetzen, und nur ſtechen, wenn man ſie berührt. Die Poliſtesarten ſind jedoch weit friedlicher, als die Vespaarten, ſo daß man ſelbſt ihr Neſt berühren kann, ohne geſtochen zu werden.

Die Eier der Wespen ſind milchweiß, weich, eiförmig, mit dem ſpitzen Ende in die Zelle befeſtigt. Die Larve iſt weißlich, weich und fußlos, madenartig, in der Mitte am dickſten, zwölf⸗ ringelig, der Kopf hornartig. Auf dem Rücken hat ſie warzige Querfalten, auf dem Bauche warzige Wülſte und am Ende zwei divergirende Warzen. Dieſer Körperbau dient zum Feſthalten in den Zellen, da ſie ſich hier in einer ſenkrechten, mit dem Kopfe nach unten gekehrten Stellung befinden. Am Kopfe haben ſie 2 kleine Augen, 1 ausgerandete Oberlippe, 2 gezähnte Oberkiefer und eine dreilappige Unterlippe, deren mittelſter Lappen etwas ausgehöhlt iſt zur Aufnahme des Nahrungsſaftes, welcher ihnen von ihren Ernährerinnen eingeflößt wird. Sie verlaſſen die Zellen nie, drehen ſich aber darin im Kreiſe herum und ſchaben mit ihren aufgeſperrten Oberkiefern an den Wänden. Die Arbeiter gehen beſtändig von Zelle zu Zelle und träufeln den Larven, welche