Aufsatz 
Monographie der geselligen Wespen mit besonderer Berücksichtigung der Nassauischen Species
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

§. 8. Stachel. Die Weibchen und Arbeiter haben im Hinterleib einen zur Vertheidigung und bei jenen auch zum Eierlegen dienenden, vorſtreckbaren Stachel. Der vorſtreckbare Theil iſt wieder aus 3 Theilen zuſammengeſetzt, einer unten ausgehöhlten hornartigen Rinne(Stachel⸗ ſcheide) und 2 hornartigen Fäden, welche in dieſer Rinne neben einander liegen und den eigent⸗ lichen Stachel bilden. An der Baſis iſt die Scheide viel breiter und ſeitlich zuſammengedrückt, ver⸗ ſchmählert ſich aber allmählig und nimmt eine von oben nach unten zuſammengedrückte Geſtalt an. Im Leibe liegt ſie nochmals zwiſchen 2 auswärts behaarten Klappen, und ſteht in Verbindung mit 3 Paar breiten, theilweiſe über einander liegenden hornartigen Blättern, welche denjenigen Muskeln, wodurch die äußerſt ſchnelle und kräftige Bewegung des Stachels bewirkt wird, zur Anlage dienen. Außerdem iſt der Stachel im Leibe verbunden mit einer weißlichen länglichen Blaſe, welche mit einer waſſerhellen, flüſſigen Säure angefüllt iſt. Beim Stechen wird dieſe Blaſe durch die Muskeln gepreßt und ſo ergießt ſich jene Säure in die Stachelrinne und zwiſchen den Fäden durch in die Wunde. Bei allen mit einem Wehrſtachel verſehenen Hymenopteren, wie bei den Bienen, Hummeln, Grabwespen, Mutillen, findet dieſelbe Einrichtung ſtatt, und auch der Legeſtachel der Schlupf⸗, Gall⸗, Blatt⸗ und Holzwespen hat im Weſentlichen denſelben Bau.

Den Männchen fehlt der Stachel, dagegen beſitzen ſie andere, analoge, vorſtreckbare Theile. Zu äußerſt finden ſich 2 breite, hornartige Blätter, jedes in eine Dornſpitze endigend; zwiſchen dieſen liegen 2 pergamentartige, ſchaufelförmige, ſchmählere Klappen, und in der Mitte, von jenen 2 Paar Klappen als Scheiden umgeben, ein hornartiger Stiel, oben rinnenförmig ausgehöhlt, am Ende etwas aufwärts gebogen und löffelförmig erweitert, vor dieſer Erweiterung mit 2 Wider⸗ haken verſehen. Bei den Männchen der Lehmwespen ſind die oben genannten 2 Dornſpitzen ſehr lang und fein, und werden, wenn man das Inſekt fängt, wie 2 Stacheln hervorgeſtreckt.

§. 9. Luftlöcher. Das Athmen der Inſekten geſchieht bekanntlich nicht durch den Mund, ſondern durch Luftlöcher(Stigmen), welche ſie an den Seiten ihres Körpers haben. Es ſind Spalten, von einem wulſtigen Rande umgeben, welche die Inſekten ſchließen und öffnen können. In ihnen münden ſich Luftröhrenſtämme, in zahlloſen Zweigen gleich Adern durch den ganzen Körper verbreitet, um allen Körpertheilen die zur Belebung des Blutes nothwendige atmoſphäriſche Luft zuzuführen. Am Thorar finden ſich, wie bei den übrigen Hymenopteren, 2 Paar, zwiſchen dem Vorder⸗ und Mittelthorax unter der Baſis der Vorderflügel, und hinten an den Seiten des Metathorax. Der Bauch hat noch an den Seiten jedes Segments 1 Paar, in der weichen Binde⸗ haut, von den überragenden Rändern der Rückenſchienen bedeckt. Die hinteren Stigmen des Thorar ſind nach der Meinung mehrerer Naturforſcher z. B. Burmeiſters, zugleich das Organ, durch welches die Wespen, wie andere Hymenopteren, z. B. Hummeln und Bienen, und die Fliegen den ſum⸗ menden Ton hervorbringen. Am Eingange ſollen nämlich feine Blättchen liegen, welche durch das heftige Ein⸗ und Ausſtrömen der Luft bei den raſchen und kräftigen Bewegungen der Flügel in Schwingung verſetzt werden und ſo jenen Ton hervorbringen. Nach Andern aber z. B. Erichſon, wird derſelbe durch knitternde und ſchwingende Bewegung der Häute des Rumpfes hervorgebracht. Das bloße Schwingen der Flügel iſt in keinem Falle die Urſache. Nach der Anſicht einiger Naturforſcher ſind die Ränder der Stigmen, nach Andern die Luftröhren ſelbſt Geruchsorgan.(Nach Burmeiſter die Haut, welche die innere Oberfläͤche des Körpers überzieht.)

§. 10. Sexualunterſchied. Die Papier⸗Wespen ſind wie die Ameiſen, Hummeln und Honigbienen, geſellige Inſekten, und eine jede in einem gemeinſchaftlichen Neſte lebende Geſellſchaft