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„„Der Wunder Höchſtes iſt, Daß uns die wahren, äͤchten Wunder ſo Alltäglich werden konnen, werden ſollen.““ Leſſing.
Führet daher, liebe Aeltern und Lehrer, euren Zögling früh hinaus in dieſen Tempel der höchſten Kunſt! Hier werdet ihr die lebendigen Grund⸗ formen der Muſterwerke der alten Kunſt, die ihr noch in ihren ehrwürdigen Trüm⸗ mern bewundert, wiederfinden. Nicht bloß die berühmteſten Künſtler des Alterthums ſchöpften aus dieſem nie verſiegenden Quelle der lebendigen Schönheit und Wahrheit, den ſinnlichen Stoff mit urbildlichem Geiſte auffaſſend und geſtaltend; ſonderu auch die Schöpfer der neueren Kunſt mußten zu einer Zeit, wo die herrlichſten Denkmäler aus grauer Vorzeit noch unter dem Schutte von Jahrhunderten begraben lagen, mit kindlicher Liebe und Treue wieder zu der Natur zurückkehren, um mit ihrem leben⸗ digen Geiſte die tief herabgeſunkene Kunſt von neuem zu beſeelen.“—„Schon das zarte Alter findet in dem erhabenen Gotteshauſe der Natur, von lie⸗ bender und weiſer Hand geleitet, bald ſeine Heimath. Wie geeignet der traute Umgang mit der Natur gerade für das bildſame Jugendleben ſei, ergibt ſich auch aus der gewaltigen Kraft, welche die Eindrücke deſſelben noch auf die ſpäteren Lebensjahre ausüben. Sehnt ſich nicht der rohe Zögling der Natur aus der glänzenden Pracht eines künſtlichen Lebens in ſeine Heimath zurück? Und ſchöpft nicht noch der Greis ſeine liebſten Unterhaltungen aus der Zauberwelt der Jugend, wo die lebensvolle Natur durch alle Seelenthore in das offene Herz einſtrömte? Es wäre naturwidrig, die Jahre, wo die Empfänglichkeit des Gemüthes am größten und die Kraft der äußeren Eindrücke am ſtärkſten iſt, nicht auch zur Entwicklung der Kunſtbildung durch das Schöne in der Natur benutzen zu wollen.“
Wie ſehr alſo die Befreundung mit der Pflanzenwelt geeignet iſt, dem Geiſte und Gemüthe eines jeden Gebildeten Genüſſe der edelſten Art zu bereiten, und wie ſehr die Botanik den Namen einer Humanitätswiſſenſchaft verdient, möchte ſchon durch das Beiſpiel und Zeugniß eines Herder und Niemeyer hinlänglich bewieſen ſein. Allein nur zu begründet ſind die Klagen Klumpps, wenn er in dem oben ange⸗ führten Werke ſagt:„Und nun dieſe ſo tief wiſſenſchaftliche Begründung(nämlich der Naturkunde), in welch' ausgezeichnet ſchönen, für die Jugend doppelt anſprechenden und bildenden Darſtellungen erſcheint ſie uns nicht in ſo manchen Schriften neuerer Naturkundiger, die aber nur von den Wenigſten gekannt und genoſſen werden. Wir erinnern nur an die wahrhaft erhabene Natur⸗Anſchauung eines Alexander von Humboldt, an die meiſterhaften glänzenden Schilderungen der berühmten Baieriſchen Reiſenden(Martius und Spir) in Braſilien u. a. m.; welch' ein ächt klaſſiſcher Geiſt ſpricht ſich in der edelſten Form z. B. in dem kleinen Schriftchen Humboldts„Anſichten der Natur“ aus! Hätten uns die Alten auch aus dieſem Gebiete der Wiſſenſchaft etwas ſo Herrliches geboten, wie begierig wür— den wir es ergreifen und commentiren, wie dringend unſrer Jugend
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