Aufsatz 
Anleitung zur Bestimmung der im Herzogthum Nassau und dessen Umgebung wildwachsenden Pflanzen-Gattungen, nebst pädagogisch-didaktischen Vorerinnerungen / von A. Schenck, Prorector und Professor
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

1 Gymnaſiums zu Wertheim) Anſichten über Erziehung und Unterricht. DDitaeions arehh uſun Menſchenbildung durch das Schöne ſagt derſelbe:Die Pflanzenkunde führt die Jugend in die Werkſtätte eines göttlichen Geiſtes, welcher das unüberſehbare Reich des Schönen aus unendlich verſchie⸗ denen Bildungen geſtaltet, und jede mit eigenthümlichen Reizen ſchmückt. Nur bleibe dieſe Wiſſenſchaft kein ſtarres Namenverzeichniß und einſeitige Gedächt⸗ nißübung; ſondern ſie deute die unbegrenzte Mannichfaltigkeit ſchöner Formen durch den Reichthum des inwohnenden Geiſtes, welcher, überall von einfachen Grundbil⸗ dungen ausgehend, zu immer neuen Geſtaltungen aufſteigt, und durch ſtete Verwand⸗ lungen des Einen in Allem ſich in das Unendliche verherrlicht. Sie zeige, wie der allgemeine Bildungstrieb der Natur in den kleinſten, wie in den erhabenſten Gebilden, bei aller Aehnlichkeit der Geſchlechter und Arten nach eigenthümlicher Geſtaltung binſtrebt, in jedem Weſen eine neue Anlage entwickelt, nichts Kleines und Großes an ſich anerkennt, ſondern ſich überall in wundervoller Selbſtſtändigkeit offenbart; ſie mache es klar, wie die Natur mit unbegrenzter Freiheit unbedingte Nothwendigkeit verbindet, und bei der unendlichen Mannichfaltigkeit im Einzelnen, im Ganzen als eine erhabene Einheit des Geiſtes erſcheint; wie ſie nicht nach Bewunderung und Beifall, ſondern in beſcheidener Stille nur nach Selbſtgeſtaltung ringt, und in der Schönheit bloß die göttlichen Urbilder einer geiſtigen Welt verſinnlicht. So wird ſich dem kindlichen Gemüthe das Geheimniß der Schönheit im Gefühle des Himmliſchen offenbaren, und es zu dem Verſuche begeiſtern, die Gottesgabe des eigenen Weſens in urbildlicher Selbſtgeſtaltung zu verherrlichen, um in die allgemeine Harmonie der Natur zum Lobe des Schöpfers einzuſtimmen.Jedes Blatt, jeder Baum, alle Gebilde der verſchiedenen Naturreiche in der Nähe und in der Ferne, als Einzelweſen oder als Theil eines ſchönen Ganzen betrachtet, bieten dem bildſamen Auge ein reiches Feld der Betrachtung und Uebung dar. Von dem zarteſten Mooſe und Grashalme bis zur kräftigen Eiche, welche Jahrhun⸗ derte zählt; von dem geringſten Berggewächſe bis zu dem himmelanſtrebenden Felſen⸗ gebirge; von dem zarten Schmetterlinge, welcher, im milden Strahle ſich ſonnend, aus Blumenkelchen Honig ſaugt, bis zur erhabenen Pracht einer geſtirnten Nacht, iſt Alles, ja Alles ein Gegenſtand tiefer Betrachtung, hoher Bewunderung und gött⸗ licher Verehrung.

unſerem Geſchlechte wandeln mitten unter den ſchönen Geſtalten der Schöpfung und der Kunſtwelt, ohne dabei etwas zu empfinden, ohne es auch nur zu ahnden, wie ſehr ſie dadurch den Genuß ihres Daſeins erhohen könnten. Man vergl. W. Prange, Natur und Menſchenleben, als nothwendige Bildungs⸗Gegenſtände der Jugend. Für gebildete Leſer, beſonders für Eltern, Lehrer und Erzieher. 1. Abtheilung. Ueber bildende Naturbetrachtung. 1842. Ferner: Sandberger über die Bedeutung eines reinen Naturſinnes, und deſſen Einfluß auf Geiſt und Herz der Ju⸗ gend. Programm vom Jahre 1822, undde excolendis sensibus inprimis de pulchri ac decori sensu, Programm vom Jahre 1829.