Aufsatz 
Anleitung zur Bestimmung der im Herzogthum Nassau und dessen Umgebung wildwachsenden Pflanzen-Gattungen, nebst pädagogisch-didaktischen Vorerinnerungen / von A. Schenck, Prorector und Professor
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ie Entwicklung der Pflanzen nach den Jahreszeiten, ihre Fort⸗

Nacae igre Vertheilung nach den Zonen und dem Boden, ihre nützlichen und gefährlichen Eigenſchaften u. ſ. w. Am Schluſſe dieſes Hymnus ſagt Herder:Auf Wieſen und Auen, in Gärten und Feldern blühet der Menſchen Geſundheit, Nahrung und Glück, da erholet, da erquickt ſich die Seele. Realis hat Recht:Luſt zu Naturſachen iſt ein Merkmal der Großmüthigkeit. Naturkünſte machen aufrichtig, Schulkünſte ſtolz und grauſam. Ich bin überzeugt, daß durch das Studium und den Geſang der Natur der menſchliche Geiſt erweitert, das menſch⸗ liche Herz unſchuldiger, ruhiger, wohlthätiger werde. Unbezweifelt iſt es, daß durch das Studium und durch den Geſang der Natur das menſchliche Gemüth milder werde. Wer uns eine botaniſche Philoſophie in einem ſchönen Lehrge⸗ dichte gäbe, welchen Reichthum hätte er von ſich! Ihm ſtände die geſammte Mythologie, die äſopiſche Fabel, die Idyllen der Alten, und von den Neueren Reiſe⸗ beſchreibungen, Geſchichte, Philoſophie, endlich die Naturwiſſenſchaft ſelbſt zur Seite. Was haben die Alten in ihren Georgicis geſucht, als unter mancherlei Einkleidungen den Menſchen menſchlicher zu machen, und ihn allmählich zur Beobachtung der Natur, zu Ordnung, Fleiß und Wohlſein zu erheben?

Auch an vielen andern Stellen ſpricht Herder in Gedichten, deren Stoff dem Reiche der Natur entnommen iſt, ſowie in proſaiſchen Aufſätzen ſein tiefes und zartes Naturgefühl aus, und ſucht ſeine Leſer für das Schöne und Große in der Natur zu begeiſtern*).

Pracht der Blumen, pflanzung, ihre weiſe

*) In Herders Werken liegt überhaupt ein reicher Schatz tiefer pädagogiſcher Weisheit, in die ſchönſte klaſſiſche Sprache gekleidet. Einige Stellen mögen dieſes beweiſen:Wahre Kenner der Alten hat es immer nur wenige gegeben. Selten ſtudiren wir in den Alten ſie ſelbſt, noch ſeltner in ihnen ihr Höchſtes, das*νον zeνάν der Griechen⸗ und Römerwelt, ihre Regel des Geſchmacks im Wahren, Guten und Schönen. Statt an ihnen gehen zu lernen, verlieren manche durch ſie den geſunden Brauch ihrer eigenen Glieder.Die ſchöne Lateiniſche und Griechiſche Sprache waren als Werkzeuge des Schönen in der Wiſſeenſchaft freilich viel; was ſind aber Werkzeuge, ſobald ſie ſelbſt Zweck werden? Ueber der Nachahmung der Alten ohne ihre Gedanken und Sitten iſt nichts möglich, als todte Gelehrſamkeit, Buchſtabenkram, Akroſtichon und Anagramm.BZloße Gelehrſamkeit zerſtreuet und ermüdet; Alles macht ſie zu nacktem, vielleicht unnützem Wiſſen von Worten, Stellen, Gebräuchen.Sobald die Erklärung eines Autors, oder der Autor ſelbſt, der Jugend nichts, als Worte und mechaniſchen Styl zu lernen gibt; ſobald die Methode des Lehrers oder die Materie der aufgegebenen Uebungen auch nur zum Hauptzwecke hat, die Wahl und Stellung der Worte grammatiſch genau einzuprägen; und wenn ſogar in dem ganzen Plane einer Schule oder einer Unterweiſung ein gewiſſer Lateiniſcher Geiſt berrſcht, der auf der andern Seite die größten Mängel nach ſich ziehen muß; ſo opfert man der Lateiniſchen Sprache, ſie ſei ſo ſchön und nützlich, als ſie wolle, zu viel auf. Seufzen muß der Menſchenfreund, wenn er ſieht, wie in den Schulen, die mit dem Namen Lateiniſche Schulen prangen, die erſte junge Luſt ermüdet, die erſte friſche Kraft zurückgehalten, das Talent in Staub vergraben, das Genie aufgehalten wird, bis es, wie eine gar zu lange zurückgehaltene Feder ſeine Kraft verliert. Unterdrückte Genies! Märtyrer einer bloß Lateiniſchen