Aufsatz 
Anleitung zur Bestimmung der im Herzogthum Nassau und dessen Umgebung wildwachsenden Pflanzen-Gattungen, nebst pädagogisch-didaktischen Vorerinnerungen / von A. Schenck, Prorector und Professor
Entstehung
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i icht um Herborn und Dillenburg; welch botaniſches Elyſium ſind nich ſin TSunn zu Erdbach und der Breitſcheider Wald! Möchten nur durch jenen Fleiß mehrere Patrioten gereizt werden, ſich um das inländiſche Natur⸗ ſtudium recht zu intereſſiren; die Nachwelt wird ſchon ihre Namen in den Naſſauiſchen Literär⸗Annalen mit Ruhm leſen und laut ſagen: dieſer Mann gehört wegen ſeiner Verdienſte in das Muſcum und Prytaneum des Vaterlandes! Am Schluſſe ſagt er:Wenn ein Pädagoge die Naturgeſchichte ſo lehren ſoll, daß er den Zögling in dem Mineralreich auf den Mechanismus der Natur, in dem Pflanzenreich auf die Geſetze der Organiſation, in dem Thierreich auf den Inſtinct, in der Menſchheits⸗ geſchichte auf die Geſetze der Moralität ſtets hinweiſe; wenn er überdem ſo ein Eiferer für die alte Literatur ſein ſoll, wie Roſenbach will; wenn er, ſage ich, dahin ſtreben ſoll, daß er in jenem Fache die Natur ſo einfach mahle, wie Titian; und hier die göttliche Grazie ſo nachbilde, wie Correggio; daß er mit eben der Begeiſterung vor

ſeinem Autor ſtehe, wie Winkelmann vor der Niobe oder dem Laokoon; ſo ſage ich:

ein ſolcher pädagogiſcher Kopf, dies braucht zwar keinen Commentar, aber doch Schwabacher, ich ſage: ein ſolcher Kopf iſt, ungeachtet aller zeitigen Schulreforma⸗ tionswuth, doch theurer, als ein Eſelskopf zur Zeit der Theurung zu Samaria.

Ueber den hohen Werth des Studiums der Botanik und der Beſchäftigung mit der Pflanzenwelt ſpricht ſich ſehr ſch'n Niemeyer aus in ſeiner Deportations⸗ reiſe nach Frankreich:Da(im botaniſchen Garten zu Paris) erwachte recht aufs Neue in mir die alte Liebe zu den botaniſchen Studien. Geweckt war ſie ſchon in meinen Schul⸗ und Univerſitätsjahren durch den Beſitz eines kleinen Gartens und einiger Kenntniß in der Pflanzenkunde. Viele meiner ſchönſten Stunden, vielleicht auch die Bewahrung vor zerſtreuendem Umgange und zeit⸗ tödtenden Vergnügungen verdanke ich dieſen harmloſen Beſchäftigungen. Fühlt ſich doch faſt Jeder von keinem Reiche der Schöpfung in gewiſſem Beträchte ſo angezogen, als von der Pflanzenwelt. Wohl iſt überall Leben in der Natur; aber in dem Stein, in dem Metall regt es ſich ſo unmerklich; Alles ſcheint hier ſtarr und todt, und man muß erſt tiefer in die Wiſſenſchaft des Geologen und Mineralogen eingedrungen ſein, ehe ſie ergötzen kann. In dem Thierreiche bricht zwar die anima⸗ liſche Naturkraft um ſo ſtärker hervor; aber das Leben iſt doch in ſtetem Kampfe mit dem Tode, und man begegnet ebenſo oft dem Schmerze, als der Luſt empfindender Weſen, die ſich gegenſeitig bekriegen und verſchlingen. In dem Pflanzenreich iſt Ruhe und Friede. Ein ſtilles und dennoch ſo reges Leben umgibt den Botaniker. Kein Wunder, daß man auch ſo oft bei eifrigen Garten⸗ und Blumen⸗ freunden eine ruhige und ſtille Sinnesart wahrnimmt.

Wie ſehr der botaniſche Unterricht bei zweckmäßiger Methode die Jugend zur Aufmerkſamkeit und Selbſtthätigkeit im Beobachten, Denken und Sprechen anzufeuern vermag, erkannte der große Philologe Thierſch, als er in Dortmund dem Unter⸗ richte Suffrians, jetzigen Directors der höheren Bürgerſchule zu Siegen, beiwohnte.