Aufsatz 
Anleitung zur Bestimmung der im Herzogthum Nassau und dessen Umgebung wildwachsenden Pflanzen-Gattungen, nebst pädagogisch-didaktischen Vorerinnerungen / von A. Schenck, Prorector und Professor
Entstehung
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Bei Anführung einer Stelle:Asperula copiose non procul hinc nascitur in sylvula petraea, Steinernberg dicta, ad quam quotannis aliquoties studiosos medicinae et alios herbatum ducimus cum voluptate bemerkt Fuchs:das alios gefällt mir. Nicht nur die studiosi medicinae, ſondern auch die übrigen ſollten ſich wenigſtens ein Elementarbuch der Naturgeſchichte erklären laſſen. Wenn ich den ungeheuren Schwall Bücher, der jährlich über dieſes wiſſenſchaftliche De⸗ partement herauskommt, und die unverantwortliche Unkunde der Natur beim höhe⸗ ren und niedrigen Pöbel betrachte; ſo möchte ich, wie der Cardinal Bagni, da er die 37 ungeheuren Bücherbände der Concilien⸗Sammlungen ſah, die 1644 in dem Louvre zu Paris gedruckt waren, ſprach:mich wundert, daß es in Frank⸗ reich noch Kätzer geben kann, auch ſprechen:mich wundert, daß bei ſo vieler Naturforſchung es noch ſo viel phyſikaliſche Ignoranten, ſo viel altvetteliſche Mähr⸗ chen unter den Menſchen geben kann*). Nachdem er die Schriften der inländiſchen Botaniker ſeiner Zeit, Leers und Dörrien, geſchildert, fährt er fort:Wann ich von den peinlichen Geſetzbüchern der alten Grammatiker, von der Scribelerei der Etymo⸗ logien-⸗Drechsler, Phraſesjäger, Notenmacher und Variantenſammler ermüdet zurück⸗ komme; wann ich von der Menſchengeſchichte, die eine lange Iliade von dem Kampf der Geduld gegen frevelnde Bosheit, der Barbarei gegen die Cultur, der Wahrheit gegen die Lügen iſt, bekümmert zurückſehe ſo nehme ich dieſe Naſſauiſchen Pflan⸗ zengeſchichtſchreiber in die Hand; welch göttlich Gefühl durchſtrömt dann mein Herz, wann ich ſitze mitten unter dem guten Geiſte der Natur, in dem Hauch des Allmächtigen, und jene Beſchreibungen mit der Urkunde der Natur vergleiche). Ich weiß nicht, ob ein Land auf Gottes allweiter Erde ſeie, wo es verſchiedenere Pflanzen in einem ſo kleinen Umfange gebe, als bier; welche botaniſche Sce⸗

von Fuchs. Schon Roſenbach empſiehlt im Jahre 1626 die Naturgeſchichte den Theologen, weil er ohne dieſelbe die Bibel nicht verſtehen könne; dem Politiker, um von Gewerben und Manu⸗ facturen, von dem Handlungsweſen und der Landwirthſchaft deſto beſſer zu urtheilen; dem Arzte, um ſo viele zur Heilkunde gehörigen Simplicia deſto beſſer zu verſtehen.

*) Geſchrieben 1779! Möchten dieſe Worte auf unſere Zeit keine Anwendung finden! Wenn man die Natur als Lehrerin und die armen Menſchen als Zuhörer betrachtet, ſo iſt man geneigt, einer ganz ſonderbaren Idee vom menſchlichen Geſchlechte Raum zu geben. Wir ſitzen alleaaumt in einem Collegium, haben die Principien, die nöthig ſind, es zu verſtehen und zu faſſen, horchen aber immer mehr auf die Plaudereien unſrer Mitſchüler, als auf den Vortrag unſrer Lehrerin. Lichtenberg.

*.J. Rouſſeau, überdrüſſig des einförmigen und leidenſchaftlichen Weltgetümmels, flüchtete ſich auf die einſame Petersinſel in das friedliche Reich der Pflanzen, und Linné's sys- tema naturae blieb ſein einziges Buch. In ſchwärmeriſcher Begeiſterung ſank er einſt vor einem ſchönen Sinngrün nieder, die Weisheit des Schöpfers preiſend. Wie ſchön ſpricht er ſeine enthu⸗ ſiaſtiſche Liebe zur Botanik in folgenden Worten aus: Tant que jherborise, je ne suis pas malheureux, et je vous reponds, que si l'on me laissait faire, je ne cesserais tout le reste de ma vie d'herboriser du matin au soin. Pherboriserais jusqu' à la mort et audelà; car s'il F a des fleurs aux champs Elysées, j'en formerais des couronnes pour les hommes vrais, francs et tels, qu'assurément j'avais méritè d'en trouver sur la terre.