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für eine jede Bildungsſtufe geboten iſt⸗).„Wir Schulleute durch die Bank, meine verehrten und gelehrten Herren Collegen, die auf dem Katheder ſitzen, und der Herr Amtsbruder an der Ofenbank der Dorſſchulſtube(den ich ſo gut und ſo ganz ohne Spaß als Collegen begrüße, wie nur irgend einen Profeſſor) müſſen uns gerade jetzt mehr, als je, daran gelegen ſein laſſen, nicht auf die Dummheit los zu erziehen.“ So ruft nicht ohne Grund Weber in der oben angeführten Abhandlung allen Schul⸗ männern unſeres Vaterlandes zu, in einer Zeit, wo auf der einen Seite der finſterſte Aberglaube, auf der andern der frivolſte Unglaube die Menſchheit in ihren Fortſchritten auf der Bahn der geiſtigen Ausbildung und ſittlichen Veredelung aufzuhalten drohet. Dieſen Ausgeburten des Zeitgeiſtes können keinefeſteren Schutzdämme entgegengeſtellt werden, als die Schriften des klaſſiſchen Alterthums und die verſchiedenen Zweige der Natur⸗ kunde; ſie ſind die kräftigſten Waffen, welche den Freunden des Lichtes in dem Kampfe mit ihren Gegnern zu Gebote ſtehen, die wirkſamſten Mittel, um die Europäiſche Menſchheit vor dem Zurückſinken in die Geiſtesnacht früherer Jahrhunderte zu bewahren.
Die Rieſenſchritte, womit alle Theile der Naturkunde in unſeren Tagen auf der Bahn der Vervollkommnung fortſchreiten, und die vielfachen Anwendungen der⸗ ſelben auf die wichtigſten Zweige menſchlicher Thätigkeit, wie auf Induſtrie und Landwirthſchaft, auf die verſchiedenen Communications⸗ und Transportmittel zu Waſſer und zu Lande und ſelbſt auf die Kriegskunſt, haben auf das Leben der Völker, die Verhältniſſe der Staaten und die Veredelung des Menſchengeſchlechts einen ſo mäch⸗ tigen und ſo wohlthätigen Einfluß ausgeübt, und werden ihn in immer höherem Grade ausüben, daß ſie in der Hand der Vorſehung als ein ebenſo wirkſames Mittel zur Erziehung des Menſchengeſchlechtes erſcheinen, als es das Wiederaufleben der Literatur der Griechen und Römer zur Verdrängung der Barbarei des Mittel⸗ alters war. Wie wäre es alſo möglich, daß ein Gebildeter irgend eines Standes und Berufes auf dieſem weiten und fruchtbaren Gebiete des menſchlichen Wiſſens ferner noch ein Fremdling bleiben dürfte? Mit Recht ſagt Mager in der päda⸗ gogiſchen Repüe:„Unſere heutige Bildung beruht auf der antik⸗chriſtlichen Wiſſenſchaft
betrat:„Welche herrliche Predigt dieſe Wälder!“ und in folgenden Worten Gibbons am Schluſſe der Beſchreibung der Sophienkirche:„Aber wie gering iſt alle dieſe Kunſt, wie unbedeutend die Arbeit, in Vergleich mit der Conſtruction des geringſten Inſektes, welches an dieſem Tempel kriecht.“
*) Vergl. Dieſterweg Rh. Bl. XXVIII, 1. 1843„Bildung für das Leben.“ Einige Stellen aus dieſer Abhandlung:„Von einem Abſchluſſe vom Leben kann unter uns nicht mehr die Rede ſein; die Schule ſoll dem veränderten Geiſte der Zeit folgen.“„Den Menſchen unſrer Zeit wohnt das Beſtreben ein, ſich mehr und mehr auf der Erde einzubürgen, ſie nach Möglich⸗ keit zu beherrſchen und ihre Kräfte dem Willen des Menſchen dienſtbar zu machen.“—„Von der Entwicklung der Induſtrie und der Vervollkommnung des Maſchinenweſens iſt keine Gefahr für den Geiſt zu fürchten; im Gegentheil verkünden dieſe Fort⸗ ſchritte den Sieg des Geiſtes über die Materie.“—„Unſre Jugend iſt für ihre Gegen⸗ wart und Zukunft zu erziehen.“ 1
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