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richtig iſt Magers Bemerkung in Rückſicht auf den Stoff der Deutſchen Stylübungen: „Wenn Arbeiten über Gegenſtände des äußeren und inneren Lebens gegeben werden ſollen, ſo habe ich ſolche Gegenſtände im Auge, über welche die Jugend im hiſtori⸗ ſchen, geo⸗ und ethnographiſchen, im naturkundlichen Unterrichte u. ſ. w. Belehrung empfangen hat, und über die ſie ſchreiben kann.“ 46).
Ungeachtet ihrer Wichtigkeit für die Schule und das Leben wird indeſſen die Ausbildung des Anſchauungsvermögens auf niederen und höheren Schulen, ja ſelbſt auf den Elementarſchulen, wo ſie doch am nothwendigſten iſt, nicht ſelten ſehr wenig beachtet, und der Unterricht in denjenigen Wiſſenſchaften und Fertigkeiten, welche vorzugsweiſe zur Erreichung dieſes Zieles hinführen, nur zu häufig auf eine der Geiſtesbildung und Geiſtesrichtung der Jugend höchſt nachtheilige Weiſe vernach⸗ läſſiget**). Nicht mit Unrecht heißt es in einem Aufſatze der Schulzeitung(1843, I.):
und Gedankenkreis des Schülers erweitern helfen.(Der deutſche Unterricht auf Gymnaſien. Leipzig 1842.) Ganz verkehrt und ſelbſt verderblich für die Geiſtesrichtung der Jugend ſind die Grundſätze, von welchen Andere in der Auswahl der Leſeſtücke ausgehen. So enthält z. B. der 1. Curſus des Lehrbuchs von N. Bach, für Knaben von 10 bis 12 Jahren beſtimmt, in ſeinem proſaiſchen Theile nur Mährchen und Mythen. Vergleiche über das Nachtheilige ſolcher Lectüre, wenn ſie überwiegend iſt, Schwarz„Lehrbuch der Erziehung und des Unterrichts 4. Auflage von Curtmann Zr. Theil. 1813, dagegen über ihren Nutzen, wenn ſie in gehörigen Schranken gehalten wird, Niemeyer„Grundſatze der Erziehung und des Unterrichts“ 1r. Theil S. 121. Ueber den Inhalt deutſcher Leſebücher vergl. ferner Kapp nder wiſſeſchaftliche Schulunterricht als ein Ganzes“ S. 45 und 46, und über das Ineinandergreifen des Sprachlichen und Realen: Curtmann„die Schule und das Leben.“ S. 189.— Bei weitem nicht immer wird beachtet Dieſterwegs ſehr richtige Bemerkung(praktiſches Lehrbuch für den Unterricht in der deutſchen Sprache“ 1r. Thl. S. 225,) nach einer Beſchreibung eines Sonnenaufgangs:„Kindern ſolche Be⸗ ſchreibungen aufzugeben, wenn ſie ſelbſt die zu beſchreibenden Gegenſtände, Erſcheinungen u. ſ. w. noch nicht erlebt, nicht mit aufmerkſamen Sinnen betrachtet haben, iſt Unſinn.“ Viel Richtiges über den Mißbrauch, der mit Deutſchen Stylübungen getrieben wird, enthält, freilich neben manchen paradoxen Behauptungen, Günthers oben angeführte Schrift.
*) Hierin liegt einer der vielen Gründe für die Zweckmäßigkeit des Claſſenſyſtems, zumal auf den unteren Stufen. Vergl. ein Programm Eichhoffs vom J. 1815:„Beiträge zur Wür⸗ digung verſchiedener Einrichtungen und Lehrweiſen in den Gymnaſien. Ueber die Nachtheile des Fachlehrerſyſtems für die Jugend ſpricht E. Krüger, Rector zu Emden, in einem Aufſatze„über die Arbeiten der Jugend“ in Magers pädagogiſcher Revüe, 3r. Jahrg. Juliheft; ferner Curt⸗ mann„Schule und Leben“ S. 21.
.**) Sehr beachtungswerthe Vorſchläge enthalten: Ch. Döll zur Beurtheilung der Zeitbe⸗ dürfniſſe der deutſchen Gelehrtenſchulen, 1840; das oben angefuhrte Werk von Klumpp; R. Heine über einige Grundmängel des jetzigen Elementar⸗Unterrichts. 1843. Daneben ſtelle man den Vortrag des Abgeordneten Baſſermann in der Badiſchen Ständeverſammlung vom 28. März 1844.(Ein Auszug daraus findet ſich:„Schulzeitung 1844, 4. S. 446). Vergl. die leſenswerthe Abhandlung Dieſterwegs:„Jeder Schullehrer ein Naturkenner, jeder Landſchul⸗ lehrer ein Naturforſcher⸗ in den Rheiniſchen Blättern 26r. Bd., 2. Heft. Anderwärts ſagt der⸗ ſelbe:„Die Bildung der Schulllehrer iſt zu litterariſch, zu buchmäßig; man macht Halb⸗Theologen, Halb⸗Grammatiker u. ſ. w. aus ihnen, daß ſie mehr in Büchern, als in der Unmittelbarkeit leben, und das benimmt die Freude an der Natur und die Fähigkeit ſich mit ihr zu beſchäftigen.“


