Aufsatz 
Anleitung zur Bestimmung der im Herzogthum Nassau und dessen Umgebung wildwachsenden Pflanzen-Gattungen, nebst pädagogisch-didaktischen Vorerinnerungen / von A. Schenck, Prorector und Professor
Entstehung
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eſ Ulgemeinen; nie fange er mit Definitionen oder Regeln an, ſondern Veſendeene zum d Warffen uud Reln lege er concrete Erſcheinungen, einzelne Thatſachen zu Grunde, und wo es nur immer, möglich iſt, laſſe der Lehrer das Auge der Schüler ihrem Verſtande und Gedächtniſſe erleichternd zu Hülfe kommen*). Nur wenn ihn dieſes Princip der Anſchaulichkeit beherrſcht, kann der Unterricht heuriſtiſch⸗genetiſch mithin bildend ertheilt werden, kann er den Schüler zur Selbſt⸗ thätigkeit im Beobachten, Denken und Sprechen führen, kann er klare und deutliche Vorſtellungen und Begriffe, mithin wahres, lebendiges und bleibendes Wiſſen in ſeiner Scele erzeugen, und durch daſſelbe auch auf die gemüthliche Seite der Seelenthätigkeit, auf das Gefühls⸗ und Willensvermögen, einen wohlthätigen und dauernden Einfluß ausüben. Wo aber dem Unterrichte die Anſchaulichkeit mangelt, da herrſcht kein Leben in ihm, da artet er aus in geiſtloſen Mechanismus, in Abrichtung und Dreſſur, und kann nur leeres Scheinwiſſen und todtes Gedächtnißwerk zur Folge haben. Eine tüchtige Ausbildung des Anſchauungsvermögens i*ſt aber nicht blos durch den Entwicklungsgang der menſchlichen Seele und nicht allein auf der Stufe des Knabenalters geboten; ſondern die enge und organiſche Verbindung und Wechſelwirkung,

*)Wie die Morgenröthe dem Mittag, und Frühling dem Sommer vorangeht, wie mit der Jugend, dem Frühling des Lebens, zuerſt die Blüthe der Seele, Sinne und finnliche Kennt⸗ niſſe erwachen: ſo hat die Erziehung, die der Natur folgen ſoll, dieſe auch zuförderſt zu ordnen. Herder.Sinne und ſinnliche Kenntniſſe ſind das Erſte, was in unſrer Seele aufwacht; der Verſtand kommt ſpäter, und die Tugend, wenn ſie uns nicht durch ſinnliche Uebungen einge⸗ pflanzt wird, gemeiniglich noch ſpäter. Alſo iſt mit der Jugend jugendlich anzufangen; unſere ſinnlichen Kräfte ſind ſinnlich zu behandeln und zu bilden. Derſelbe.Zu frühe Anſprüche an die Aufmerkſamkeit auf das Ueberſinnliche und Abſtracte ſind das ſicherſte Mittel, die innere Thätigkeit zu unterdrücken. Niemeyer.Vor Allem erzieht das Deutſche Auge, das ſoweit dem deutſchen Ohre nachbleibt. J. Paul. Man vergl. Klumppdie gelehrten Schulen nach den(brnidſäben des wahren Humanismus und den Anforderungen der Zeit. 1r. Theil S. 58 über den Anſchauungsunterricht, ſeine Wichtigkeit und ſeine Hülfsmittel.In den unteren Klaſſen iſt das Anſchauungselement in der vorſtellenden Thätigkeit das Ueberwiegende; daher haben dieſe vorwiegend einen empiriſchen Charakter. Dein hardt.Für den Jugendunterricht iſt der Anſchauungsunterricht der ſicherſte und erfolgreichſte Unterricht, durch welchen man jeden Lehrgegenſtand am leichteſten und klarſten in die Seele des Kindes bringt und diejenige Deut⸗ lichkeit, Beſtimmtheit und Feſtigkeit in der Erkenntniß erzielt, welche das Erlernen allmählich mit größter Sicherheit zur abſtracten Auffaſſung hinaufzuführen erlaubt. Jahrb. von Jahn und Klotz 36. Bd., 4. Heft.Man ſollte die Jugend nicht mit Reflexionen vollpfropfen, ſie ohne Noth nicht aufſcheuchen aus der Welt ihrer concreten Anſchauungsweiſe. Günther in ſeiner Schriftüber den deutſchen Unterricht auf Gymnaſien.Es iſt Aufgabe aller ächten Jünger Peſtalozzis, durch geeignete Anſchauungsmittel eine ſolche Anſchauung fur jedes Aufzunehmende möglich zu machen, daß es vom Kinde ſelbſt als Wahrheit, nicht als Schein und Nachbeterei gefunden und eingeübt werde.Das Kind, das freudig und anhaltend lernen, ja von Innen heraus gereizt ſein ſoll, muß ſo geführt werden, daß es jede Wahrheit, in räumlichen Dingen zumal, ſelbſt zu ſehen, zu finden, zu verarbeiten und darzuſtellen vermag. Tobler in einem Aufſatzeüber die Anſchauungslehre der mathemathiſchen Erdkunde, vermittelt durch einen wan⸗ delnden Globus⸗ in Magers pädag. Revüe. 1842.