Aufsatz 
Über die Mitwirkung der Aeltern zur sittlich-religiösen Bildung ihrer den öffentlichen Schulen anvertrauten Kinder
Entstehung
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Tugenden das Siegel aufgedruͤckt ſieht. Welches ehren⸗ volle Zeugniß kann ich hier fuͤr ſo viele der hieſigen Ael⸗ tern aus hohen und niederen Staͤnden ablegen! Wie viele redliche Vaͤter und Muͤtter habe ich ſeit der drei⸗ zehnjaͤhrigen Fuͤhrung meines hieſigen Schulamtes ken⸗ nen lernen, die mit wahrem Feuereifer das Erziehungs⸗ geſchaͤft verfolgten, und durch ihre aͤlterliche Sorgfalt und Treue unſerer Friedrichsſchule den ſichtbarſten Nutzen verſchafften!

Gott, wenn alle Vaͤter und Muͤtter ſo dichten und handelten! Welches Amt in der Welt waͤre dann rei⸗ cher an Freuden, als das Schulamt? Aber welch ein Widerſpruch, wenn man mit dem ruhmvollen Beſtre⸗ ben jener achtungswuͤrdigen Aeltern die unglaubliche Nachlaͤſſigkeit ſo mancher andern vergleicht! Wie wird da oft dem Lehrer bei allem, was er fuͤr die Sittlich⸗ keit ſeiner Zoͤglinge thut, geradezu entgegen gearbei⸗ tet, als wenn man es gefliſſentlich darauf anlegte, ſie den Gefahren entgegen zu fuͤhren! Sind mir doch Bei⸗ ſpiele bekannt, daß Aeltern ihre Kinder in Geſellſchaß ten fuͤhrten, in welchen man es, ohne auf die Unſchuld derſelben die mindeſte Ruͤckſicht zu nehmen, mit den Regeln des Wohlſtandes und der Sittſamkeit ſo genau nicht nahm!

Die Soͤhne und Toͤchter vor 2fteren Zerſtreuungen zu bewahren, iſt keine der ge⸗