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taͤt und religioͤſer Gefuͤhle thut, befoͤr⸗ derlich zu ſeyn.— Was Religion des Herzens ſey; wie ſie als reiner und goͤttlicher Ausguß des Gemuͤths allein und maͤchtig zum Kampfe gegen Sinnlichkeit wirkt; wie ſie, wenn ſich auch alles aus ſeinen Fugen reißt, und rundum alles in Schutt und Truͤmmern. zerfaͤllt, und das Herz mit Zweifel und Troſtloſigkeit ringt, durch einen einzigen Gedanken an Vorſehung und Weltregierung Muth und Hoffnung herzuſtrahlt; wie ſelbſt unter den traurigſten Verhaͤltniſſen die großen und ewig bewunderten Menſchen Sokrates, Cicero, Luther, Newton und Leibnitz an dem Sonnenglanze der Religion ſich erquickten und ſtaͤrkten; dieſe Eroͤrterung gehoͤrt nicht zum Zweck dieſer Schrift. Ich will nur
zeigen, was Lehrer und Aeltern in dieſer Hinſicht fuͤr
das junge Menſchengeſchlecht durchaus thun muͤſſen. Unmoͤglich kann der oͤffentliche Lehrer dieſes Mit⸗ tel zur Tugend und Sittlichkeit unbenutzt laſſen. Un⸗
moͤglich! Oder er iſt gewiſſenlos, und man hat ſich, zum unerſetzlichen Schaden der Jugend bei der Wahl
in ihm vergriffen. Was kann ihn entſchuldigen, wenn
er jenes Mittel nicht in Anwendung braͤchte? Weiß er
nicht aus den vielfaͤltigen Erfahrungen, daß religioͤſer Sinn in den Jahren der Jugend geweckt werden muß,
daß der junge Menſch bei der zu geringen Staͤrke die⸗
ſer heiligen Gefuͤhle in das Gebiet des empoͤrendſten


