Aufsatz 
Über die Mitwirkung der Aeltern zur sittlich-religiösen Bildung ihrer den öffentlichen Schulen anvertrauten Kinder
Entstehung
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7 dahin gebildet werden, mit' dem zarteſten Schicklich⸗ keitsgefuͤhle, mit der unbefangenſten Offenherzigkeit, mit der anſpruchloſeſten Beſcheidenheit vor dem Lehrer zu handeln!

So unlaͤngbar indeſſen von dieſer Seite die Ver⸗ pflichtung und Nutzbarkeit des oͤffentlichen Lehrers iſt, ſo wuͤrde man doch ſehr uͤbertriebene Forderungen an ihn thun, wenn man von ihm allein die vollendete Aus⸗ bildung des ſittlich-religioͤſen Charakters der Kinder erwarten, man wuͤrde gegen ihn eine offenbare Unge⸗ rechtigkeit begehen, wenn man ihn fuͤr die ſittlichen Fehler und Verirrungen derſelben außer den Lehrſtun⸗ den verantwortlich machen wollte. Erzieher iſt er doch eigentlich nicht: die wahren und zugleich die beſten Erzieher ſind die Aeltern ſeiner Schuͤler und Schuͤlerinnen. Von jenen, aus deren Haͤnden er dieſe erhaͤlt, wird die Erziehung angefangen, von jenen wird ſie bis zu Ende der Schuljahre fortgeſetzt. Wie vieles kann alſo waͤhrend dieſer Jahre in dem vaͤter⸗ lichen Hauſe geſchehen, was das Herz gaͤnzlich ver⸗ ſtimmt, was den Charakter verſchlimmert und alle Bemuͤhungen des Lehrers fruchtlos macht oder doch unendlich erſchwert! Wie vieles kann ſchon vorher ge⸗ ſchehen und dem jugendlichen Herzen eingedruͤckt ſeyn, was keine paͤdagogiſche Hand, auch die geuͤbteſte und geſchickteſte nicht, wieder hinweg zu tilgen vermag!