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das Gedaͤchtniß zu bereichern, und ſie nicht auch dazu gebrauchen, die ſeinem Unterrichte anvertrauten Zoͤg⸗ linge bald mit Abſcheu und Haß gegen Ungerechtigkeit und Unterdruͤckung zu erfuͤllen, bald die Flamme der BVaterlandsliebe in ihnen auflodern zu laſſen, bald den Entſchluß zu kuͤnftigen großen Aufopferungen in ihnen zu wecken, und ſie fuͤr alles Gute, Wahre und Schoͤne zu gewinnen? Wie veraͤchtlich und ohne Wuͤrde waͤre in der That derjenige Lehrer, welcher von den vielen Gelegenheiten, das ſittlich⸗religioͤſe Gefuͤhl bei ſeinen Kindern zu entwickeln und in Wirkſamkeit zu ſetzen, keinen Gebrauch machte! Ja, der oͤffentliche Lehrer, wenn er nur iſt, was er ſeyn ſollte, befoͤrdert die Liebe zum Guten und Heiligen mehr, als man glaubt, und verknuͤpft auf dieſe Weiſe Unterricht und Erzie⸗ hung in ein unzertrennliches Band. Wenn man nur immer gerecht waͤre, und oͤffentliche Schulen nicht nach einzelnen Ausnahmen oder nach dem Gerede lieb⸗ loſer Tadler beurtheilte! Wenn man nur wuͤßte, oder genau nachſehen wollte, wie in Schulen, zumal in ſolchen, in welchen ein guter ſittlicher Ton herrſchend geworden iſt, oft das wieder gut gemacht wird, was bei Knaben und Maͤdchen aus hoͤheren wie aus nie⸗ deren Staͤnden die haͤusliche Verziehung verdarb, wie fie zur Ordnung, zum Gehorſam, zur Reinlichkeit, zur genauen Pflichterfuͤltung gewoͤhnt, und allmaͤhlig


