Aufsatz 
Über die Mitwirkung der Aeltern zur sittlich-religiösen Bildung ihrer den öffentlichen Schulen anvertrauten Kinder
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

der Religion und Sittlichkeit zu wenig angeregt, oder ihm voͤllig fremd ſind? Oder was fuͤr Ausſichten, was fuͤr Freuden wollen ſich Aeltern von ihren Kindern ver⸗ ſprechen, wenn ſie dieſe unreligioͤs und unſittlich, und mit einem Worte verdorben der Welt uͤberge⸗ ben? Wozu werden ſie in dieſem der allgemeinen Men⸗ ſchenbildung ſo unguͤnſtigen Zeitalter dringender auf⸗ gefordert, als ſie des hohen, ewigerquickenden Be⸗ wußtſeyns eigner Rechtſchaffenheit faͤhig zu machen und ihnen einen alles uͤberwiegenden, unveraͤußerlichen Werth anzubilden, der ſie bei dieſem Wanken und Sinken ſo vieler menſchlichen Tugenden, bei der Menge der gegenwaͤrtigen Thorheiten ohne Gefahr und ſtand⸗ haft durch das Leben wandeln laͤßt? Wahrlich, ver⸗ ehrte Vaͤter und Muͤtter, es ſcheinen ſich Zeiten zu naͤhern, da unſre Soͤhne und Toͤchter, wenn nicht Religioſitaͤt, Sittlichkeit und Rechtſchaffenheit von nun an mehr als jemals die Mitgabe der Aeltern wird, vielleicht ihr Daſeyn beſeufzen, und zu vergehen wuͤnſchen werden! Vereinigt alſo, wenn einſt die Lieb⸗ linge eures Herzens ſich freuen und dafuͤr euch im Grabe noch ſegnen ſollen, eure Sorgfalt und Wach⸗ ſamkeit mit den Bemuͤhungen der Lehrer, die zunaͤchſt nach euch auf ihre ſittlich⸗religioͤſe Bildung zu wirken Gelegenheit haben, um ihnen von fruͤher Jugend an, einen vorherrſchenden Sinn fuͤr Tugend und Recht.