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der Jugend mit Sinn, Verſtand und Gemuͤth erfaßt, und iſt ſie auch mit ſeinem Aufenthalte, ſeiner Nahrung, ſeiner Lebensweiſe, ſeinen Inſtincten bekannt ge⸗ macht worden: ſo theile man ihr in zweckmaͤßiger Kuͤrze die Beziehungen mit, in welchen er zum Menſchen und zur uͤbrigen Natur ſteht. Sie lerne kennen, welche Wichtigkeit er fuͤr den Menſchen und andere Geſchoͤpfe unmittelbar oder mittelbar durch Nutzen oder Schaden hat, zu was fuͤr Kunſtprodukten der Menſch ihn verarbeitet, wie er ſich gegen ihn ſchuͤtzt, wie er ihn zu bezwingen und in ſeine Gewalt zu bringen ſucht. Ebenſo werde im phpyſikaliſchen Unterrichte, wenn hier eine Naturerſcheinung beſchrieben und erklaͤrt worden iſt, gezeigt, welchen Ge⸗ brauch davon der Menſch in ſeinem Leben macht. Nicht unbekannt darf es der Jugend bleiben, wie wohlthaͤtig die Fortſchritte und der Aufſchwung der Natur⸗ wiſſenſchaft nicht allein auf das materielle Wohl der Voͤlker und Staaten, ſon⸗ dern auch auf Civiliſation und Cultur der Menſchheit gewirkt haben, und noch fortwaͤhrend wirken. Sie ſoll einſehen, wie die Natur den Menſchen zur Thaͤtig⸗ keit anſpornt, ſein Nachdenken weckt, ſeine Kraͤfte uͤbt; wie der Menſch die Kraͤfte und Geſetze der Natur zu ſeinen Zwecken benutzt,„wie er ſich durch klugen Ge⸗ brauch derſelben zum Herrn der Erde und Elemente macht; wie er die roheſten Stoffe zu den herrlichſten Formen umgeſtaltet, und Alles, was die Natur ihm darbietet, als Mittel wichtiger Zwecke benutzt. Der Lehrer der Naturkunde wird auch dieſem Theile ſeines Unterrichts ein hoͤheres Intereſſe, als das blos materielle zu geben wiſſen; er wird auch dieſe Belehrungen nicht zu einem bloßen Gedaͤcht⸗ nißwerke ohne Geiſt und Leben herabwuͤrdigen, und ſie nicht auf ein trockenes Verzeichniß von Nutzanwendungen und Schaͤdlichkeiten und eine Anweiſung zur technologiſchen Verwendung und Verarbeitung der Naturproducte beſchraͤnken; ſon⸗ dern er wird auch durch dieſe Betrachtungen hoͤhere Gefuͤhle und Gedanken in dem Schuͤler zu erwecken, ſeinen Geiſt zu bilden, ſein Gemuͤth zu veredeln, auf ſeine Geſinnungs⸗ und Handlungsweiſe wohlthaͤtig einzuwirken ſuchen.
(Die Fortſetzung folgt in einem der naͤchſten Programme.)
I. Geſchichte.
So wie bei den uͤbrigen Gelehrten⸗Schulen des Landes im verfloſſenen Herbſte viele und mannichfaltige Veraͤnderungen in dem Lehrer⸗Perſonale vorkamen, ſo auch bei der hieſigen. Der Prorector Joh. Bapt. Fiſcher trat in den Penſionsſtand; der zweite Conrector Joh. Bellinger ward zum erſten und der Collaborator Hermann Haͤnle zum zweiten Conrector an dem Paͤdagogium in


