Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 1. Teil
Entstehung
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Denn jedes Geſchoͤpf traͤgt den Stempel ſeines Schoͤpfers, und erinnert nothwendig an den Schoͤpfer, wenn man es in ſei⸗ ner Lebendigkeit, Zweckmäßigkeit und ſeiner Vollendung be⸗ trachtet. Deinhardt.Die Dinge des Himmels und der Erde erkennen, heißt nichts Anderes, als die Siegel, die Gott ihnen bei der Schoͤpfung aufge⸗ praͤgt hat, deuten und in Worte faſſen. Die Erkenntniß der Dinge iſt die Erin⸗ nerung an ihren goͤttlichen Urſprung. Derſelbe. Was Deinhardt uͤber den reli⸗ joͤſen Geiſt des Gymnaſialunterrichts uͤberhaupt ſagt, findet auf den naturwiſ⸗ Fenſchaftlichen eine beſondere Anwendung.Wie die Seele den ganzen Organis⸗ mus des Leibes durchdringt und in allen ſeinen Gliedern gegenwaͤrtig iſt, ſo muß der Geiſt des chriſtlichen Glaubens das ganze Gymnaſium und alle ſeine Einrichtun⸗ gen und Mittel durchdringen und beleben. Das iſt der letzte und hoͤchſte Zweck des Gymnaſiums. Naturlich iſt das nicht ſo zu verſtehen, als ſollte alle Tritte und Schritte von nichts, als von Gott die Rede ſein. Es gibt eine Art von Reli⸗ gioſitaͤt, die Gott immerfort im Munde fuͤhrt und doch keine reine und kraͤftige Religioſitaͤt iſt. Man hat Naturgeſchichten und Ge⸗ ſchichten, in denen von Zeit zu Zeit das Andenken an Gott wie mit einem Stoß⸗ ſeufzer geweckt werden ſoll, indem auf ſeine Weisheit, Allmacht und Guͤte, die ſich in der Natur und Geſchichte offenbart, aufmerkſam gemacht wird. Dieſe Art von Religioſitaͤt iſt eine aͤußerliche Religion, eine Wortreligion. In aͤußer⸗ lichen Worten und Handlungen liegt es nicht. Der eine kann ein ganzes Buch ſchreiben, ohne den Ramen Gottes auch nur einmal zu nennen, oder anzurufen wenigſtens aͤußerlich nicht und kann doch einen lauteren und durch und durch wahrhaften Gottesdienſt verrichten, waͤhrend ein anderer Gott nicht dienen kann, obſchon er viele Worte ſpricht, die ſich auf ihn beziehen. Und nicht Un⸗ recht hat Blaſche, wenn er ſagt:Wer gegen ſeine Zoͤglinge den Gefuͤhlvollen ſpielt, bei jeder Gelegenheit in ſchoͤnen Phraſen und glaͤnzenden Declamationen uͤber die Schoͤnheiten der Natur ſich verbreiten wollte, wuͤrde ſie wohl zu Schwaͤtzern, nicht aber zu Freunden und Verehrern der Natur bilden.

Wenn aber die vorherrſchend utiliſtiſche Seite der Naturbetrachtung als nachtheilig fuͤr wahre Naturbildung und als widerſprechend dem Zwecke der Ge⸗ lehrtenſchule dargeſtellt wurde; ſo ſoll damit keineswegs geſagt werden, daß dieſe Seite der Naturbetrachtung gaͤnzlich unbeachtet gelaſſen werden muͤſſe. Die Frage nach dem Einfluſſe der Naturgegenſtaͤnde und Naturerſcheinungen auf das Wohl und Wehe der Menſchheit liegt zu nahe und iſt zu natuͤrlich, als daß ſie zuruͤckgewieſen werden koͤnnte; auch gehoͤrt es mit zu einer gruͤndlichen Natur⸗ kenntniß, daß keine moͤgliche Seite der Betrachtung uͤbergangen werde; durch ſolche Betrachtungen wird zugleich das Intereſſe der Jugend fuͤr die Kenntniß der Natur geſteigert und der wohlthaͤtige Einfluß eines Lehrgegenſtandes auf das Leben ſollte, wenn er auch nicht in den Vordergrund treten darf, nirgends ganz unberuͤckſichtigt bleiben. Iſt alſo ein Gegenſtand vollſtaͤndig beſchrieben, von