Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 1. Teil
Entstehung
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ſinnlichen Betrachtungsweiſe der Natur verſaͤume er die hoͤhere und ideelle, die aͤſthetiſche, teleologiſche und religioͤſe nicht. Er richte daher die Aufmerkſamkeit der Jugend ſtets auf das Schoͤne und Erhabene in der Natur, laſſe ſie die Regelmaͤßigkeit und Wohlgefaͤlligkeit der Formen, die Har⸗ monie im Verhaͤltniſſe der Theile unter einander und zum Ganzen erkennen, die Pracht der Farben und die Lieblichkeit der Toͤne empfinden. Er fuͤhre ſie zur Einſicht in die innere Ordnung und Geſetzmaͤßigkeit, welche in jedem Erzeugniſſe und jeder Erſcheinung der Natur herrſcht, zur Erkenntniß der bewundernswer⸗ then Uebereinſtimmung zwiſchen der ganzen Einrichtung der Thiere und ihrer Le⸗ bensweiſe, ihres Aufenthalts und allen ihren Beduͤrfniſſen, zur Ahndung des durch die ganze irdiſche Schoͤpfung mit Entwicklungsſtufen herrſchenden Bildungsgeſetzes, und des die ganze Natur durchdringenden Lebens. Daher macht in der Zoolo⸗ gie die Darſtellung der Lebensweiſe und Entwicklung der Thiere z. B. der Me⸗ tamorphoſe der Inſekten, ihrer Inſtincte und der Werke ihrer Kunſttriebe einen beſonders wichtigen Gegenſtand des Unterrichts aus. Dem Schuͤler darf es nicht unbekannt bleiben, welche wunderbar weiſe Mittel der Schoͤpfer zur Erhaltung der Arten in die Natur gelegt, welche Mittel er den Thieren zu ihrem Schutze und ihrer Vertheidigung gegeben hat, wie alle Erzeugniſſe und Erſcheinungen der Natur in einander greifen, wie ſie alle zur Erhaltung des großen Ganzen bei⸗ tragen, alle als Glieder Eines Organismus erſcheinen. Daher muß ſich der Un⸗ terricht auch auf den Nutzen, welchen die beſchriebenen Gegenſtaͤnde und erklaͤr⸗ ten Erſcheinungen im großen Haushalte der Natur haben, und insbeſondere auch auf die Beziehungen erſtrecken, in welchen ſie durch Nutzen oder Schaden zum Menſchengeſchlechte ſtehen.

Allein bei ſolchen Belehrungen ſei die Methode des Unterrichts der Art, daß ſie nicht blos zur Befriedigung der jugendlichen Neugierde, und zur angenehmen Unterhaltung der niederen Seelenkraͤfte dienen, oder einzig dem Gedaͤchtniſſe eine todte Maſſe zum Auswendiglernen uͤberliefern, ſondern ein wahres, lebendiges Wiſ⸗ ſen bei dem Schuͤler erzeugen und einen bildenden Einfluß auf ſeine intellectuel⸗ len und gemuͤthlichen Seelenkraͤfte ausuͤben. Daher knuͤpfe man auch ſolche Be⸗ trachtungen, wo es nur immer moͤglich iſt, an die Anſchauung und Beobachtung der Natur ſelbſt, errege den Schuͤler zum Nachdenken daruͤber, und laſſe ihn ſo auch zu dieſen Kenntniſſen durch ſelbſtthaͤtige Kraft ſeines Geiſtes gelangen. Der Lehrer braucht hier nur Winke zu geben, und durch geeignete Fragen die Auf⸗ merkſamkeit der Schuͤler auf ein ſeinem Zwecke entſprechendes Ziel zu lenken; dann wird auch der aͤſthetiſche und religioͤſe Naturunterricht als Reſultat einer klaren, gruͤndlichen und vielſeitigen Naturkenntniß von ſelbſt hervortreten*).

*) Was heißt denn wohl die Natur ergruͤnden? Gott eben ſo innen als außen finden. Goͤthe⸗