Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 1. Teil
Entstehung
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Wiesbaden befoͤrdert. So blieben von den ordentlichen Lehrern nur zwei, naͤm⸗ lich der Rector Prof. Juſtus Heinr. Dresler und der erſte Conrector Adolph Ludw. Schenck, an der hieſigen Anſtalt. An die Stelle der abgegangenen traten der Prorector Joſeph Braun von dem Paͤdagogium zu Hadamar in gleicher Eigenſchaft, und der Candidat der Philologie und Paͤdagogik Auguſt Spieß. Dieſer wurde zum Collaborator ernannt; die Stelle eines zweiten Conrectors aber blieb unbeſetzt.

Aug. Spieß ward den 8. Maͤrz 1815 zu Okriftel im Amte Hoͤchſt gebo⸗ ren, erhielt ſeine erſte wiſſenſchaftliche Bildung durch Privatunterricht, beſuchte von 1829 1832 das Gymnaſium in Wetzlar und von da bis Oſtern 1834 das Landes⸗Gymnaſium in Weilburg. Darauf widmete er ſich bis zum Jahre 1837 dem Studium der Philologie und Paͤdagogik auf der Landesuniverſitaͤt Goͤt⸗ tingen, wo K. O. Muͤller, Dahlmann, Jakob und Wilhelm Grimm, Herbart und A.. ſeine Lehrer waren. Nachdem er in den folgenden Jahren zu Braubach und ſpaͤter zu Ruͤdesheim die Stelle eines Privatlehrers bekleidet hatte, ging er im Sommer 1839 nach Weilburg, um an dem daſigen Gymnaſium den paͤdagogiſchen Uebungs⸗Curſus abzuhalten. Im Anfange Novembers des letztge⸗ nannten Jahres uͤbernahm er ſein neues Amt an unſerer Anſtalt.

Da, wie bereits erinnert, die Stelle eines Hauptlehrers nicht beſetzt war, ſo wurde den uͤbrigen ordentlichen Lehrern, mit Ausnahme des Rectors, eine groͤßere Zahl von Unterrichtsſtunden zugetheilt; der arithmetiſche Unterricht in den zwei untern Klaſſen aber wurde dem hieſigen Elementarlehrer und Geſang⸗ lehrer am Paͤdagog, Gottfr. Anthes, von der H. Landesregierung interimiſtiſch uͤbertragen.

So ſollte nun ein freudiges Leben und Wirken zum Wohle der uns anver⸗ trauten Jugend von Neuem beginnen; doch anders fügte es des Himmels uner⸗ forſchlicher Rathſchluß. Der Rector, Prof. Dresler, ſchon leidend ſeit laͤngerer Zeit, mußte vom Anfange Nov. an den Unterricht gaͤnzlich ausſetzen und ging den 15. Dec. hinuͤber in ein beſſeres Leben. Das Frankfurter Converſa⸗ tions⸗Blatt gibt im Jahrg. 1839, Num. 355, einige biographiſche Notizen uͤber dieſen gruͤndlichen und vielſeitigen Gelehrten und tuͤchtigen Schulmann, deſſen mannichfaltige gelehrte Arbeiten, die ſich in Manuſcripten vorfinden, wenigſtens theilweiſe, dem groͤßeren Publicum nicht vorenthalten bleiben duͤrfen.

Die Paͤdagogiums-Bibliothek wurde, mit Einſchluß der didaktiſchen Abtheilung, durch neue Werke im Betrage von 133 Gulden 20 Kr. vermehrt; dem phyſikaliſchen und Zeichnen⸗Apparate wurden namhafte Bereiche⸗ rungen zu Theil. Auch hat Hr. Hofrath Meinhard von hier ſeit einigen Jah⸗ ren ein Herbarium geſammelt und dieſe ſchoͤne und reiche Sammlung dem Paͤda⸗ Hogium zum Geſchenke gemacht. Unſern verbindlichſten Dank dem freundlichen Geber!