Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 1. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

derblichen Folgen des Muͤßigganges und ſo vieler zeittoͤdtenden Vergnuͤgungen, welche Langeweile die Jugend auszuſinnen noͤthigt, und zur Verhuͤtung und Unter⸗ druͤckung jener ſchrecklichen Verirrungen ſinnlicher Luͤſte. Wer ſich in der Jugend durch zweckmaͤßig geleitete naturhiſtoriſche Excurſionen mit den Schaͤtzen der Natur vertraut gemacht, ſie beobachten, durchforſchen, lieben und genießen gelernt hat, dem wird ſie auch fuͤr die uͤbrige Zeit ſeines Lebens eine nie verſiegende Quelle der Erholung, der Freude und des Troſtes ſein, und ihn vor vielen eitelen und gefaͤhrlichen Genuͤſſen und Zerſtreuungen bewahren.Fuͤr den Freund und Keaner der Natur hat jeder Spaziergang einen doppelten Reiz; er iſt nie und nirgends allein; denn uͤberall trifft er in der lebloſen, wie in der belebten Natur liebe Freunde und Bekannte, deren Zahl ſich taͤglich mehrt, und ſein Intereſſe dadurch immer rege erhaͤlt. Klumpp(die Gelehrtenſchulen nach den Grundſaͤtzen des wahren Humanismus und den Anforderungen der Zeit.) Niemeier ſagt in ſeiner Deportationsreiſe nach Frankreich:Da(im botaniſchen Garten zu Paris, bei dem liebreichen Entgegenkommen des Aufſehers) erwachte recht auf's Neue in mir die alte Liebe zu botaniſchen Studien. Geweckt war ſie ſchon in meinen Schul⸗ und Univerſitaͤtsjahren durch den Beſitz eines kleinen Gartens und einige Kenntniſſe in der Pflanzenkunde, da der Unterricht darin von jeher eine Nebenlection in dem Puͤdagogium, das ich beſuchte, ausgemacht hatte. Viele meiner ſchoͤnſten Stunden, vielleicht auch die Bewahrung vor zerſtreuendem Um⸗ gang und zeittoͤdtenden Vergnuͤgungen verdanke ich dieſen harm⸗ loſen Beſchaͤftigungen.

Auf Wieſen und Anen, in Gaͤrten und Feldern, bluͤhet der Menſchen Geſundheit, Nahrung und Gluͤck; da erholet, da er⸗ quickt ſich die Seele. Herder.

So ſind alſo naturhiſtoriſche Excurſionen und das Anlegen naturgeſchicht⸗ licher Sammlungen keineswegs als eine unnuͤtze und zerſtreuende, ernſten Studien die Zeit raubende Beſchaͤftigung zu verwerfen. Aber freilich muͤſſen auch hier Uebertreibungen vermieden, und die Excurſionen ſo eingerichtet und auf eine ſolche Zeit verlegt werden, daß dadurch die uͤbrigen Unterrichtsfaͤcher keinen Nachtheil leiden. Dadurch, daß der Lehrer das Anlegen naturgeſchichtlicher Sammlungen in zweckmaͤßige Verbindung mit dem Unterrichte ſetzt, leite er dieſe Lieblingsnei⸗ gung der Jugend auf das Ziel nuͤtzlicher Belehrung hin, verwandele das Sam⸗ meln aus bloßer kindiſcher Spielerei in eine bildende Beſchaͤftigung, und verhuͤte die ſo haͤufigen Ausartungen desſelben in Zerſtoͤrungsſucht, Thierquaͤlerei, Leiden⸗ ſchaft und Habſucht. Allein je mehr die Jugend mit der Natur vertraut und befreundet wird, je mehr ihr jeder Naturgegenſtand als ein Theil des großen Ganzen, als eine Offenbarung der Allmacht, Weisheit und Guͤte des Schoͤpfers erſcheint, deſto weniger Grund zu Beſorgniß vor dergleichen Ausartungen iſt vor⸗ handen. Wegen ſolcher Entartungen verwerfen viele Paͤdagogen die Anlegung von Inſektenſammlungen. Die Inſektenjagd, ſagen ſie, werde leicht, wie jede