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Charakter wahrer Anſchaulichkeit. Wo es nur irgend thunlich iſt, werde daher in dem naturbeſchreibenden Unterrichte der zu beſchreibende Naturköoͤrper ſelbſt, wo moͤglich in mehreren Exemplaren herumgegeben, oder, man laſſe, wo es angeht, wie in der Botanik, Entomologie und Mineralogie, die Schuͤler die Gegenſtaͤnde, uͤber welche der Unterricht in einer Lehrſtunde ſich verbreiten ſoll, jedesmal ſelbſt in der Umgegend ſammeln, und einem jeden ein Exemplar von allen mit in die Unterrichtsſtunde bringen, damit der Lehrer ſeinen ganzen Un⸗ terricht an die Betrachtung und Unterſuchung derſelben anknuͤpfen koͤnne. Nur da, wo die unmittelbare Anſchauung der Naturkoͤrper unmoͤg⸗ lich oder ſchwierig iſt, wie bei ſehr kleinen Objecten und bei ſol⸗ chen, welche weder in der Umgegend der Anſtalt ſich vorfinden, noch ſich zur Aufnahme in eine Sammlung eignen, moͤgen bild⸗ liche Darſtellungen an die Stelle der Naturkoöoͤrper treten. Aber auch hier ſind ſie nur als Nothbehelfe zu betrachten, und muͤſſen, wenn nicht eine durch Anſchauung aͤhnlicher Naturkoͤrper geuͤbte Einbildungskraft erleichternd zu Huͤlfe kommt, nothwendig zu vielen falſchen Vorſtellungen und Mißverſtaͤnd⸗ niſſen fuͤhren. Denn viele der weſentlichſten Merkmale laſſen ſich entweder nur undeutlich, oder auch gar nicht durch Abbildung verſinnlichen, und leicht vergißt das Kind über dem Bilde die dargeſtellte Sache.„Ne substituez jamais le signe à la chose, que quand il vous est impossible de la montrer; car le signe ab- sorbe Tattention de lenfant, et lui fait oublier la chose, réprésentée.“ Roussean.
Wo aber Abbildungen den Unterricht veranſchaulichen ſollen, muͤſſen es Darſtellungen von hinreichender Groͤße ſein mit Analyſe und beſonderer, wo es noͤthig iſt, vergroͤßernder Abbildung derjenigen Theile, welche ſich in der Abbil⸗ dung des ganzen Naturkoͤrpers nicht mit hinlaͤnglicher Deutlichkeit darſtellen laſſen, und doch zur Unterſcheidung des Gegenſtandes charakteriſtiſch ſind, und ſie muͤſ⸗ ſen mit naturgetreuer Darſtellung in Geſtalt und Faͤrbung aͤſthetiſchen Werth verbinden, damit durch die Betrachtung derſelben der Geſchmack der Jugend nicht verdorben, ſondern dadurch zugleich ein Mittel zur Veredelung desſelben dargebo⸗ ten werde..
Es gibt indeſſen Faͤlle, wo gute bildliche Darſtellungen neben den wirkſa⸗ men Naturobjecten nicht wohl zu entbehren ſind. So beduͤrfen ſolche Naturge⸗ gegenſtaͤnde oder einzelne Organe und Theile, welche wegen ihrer Kleinheit und wegen ihres feinen Baues dem unbewaffneten Auge eine nur ſehr unvollkom⸗ mene Anſchauung gewaͤhren, oder ſich derſelben gaͤnzlich entziehen, zu ihrer deut⸗ lichen Erkenntniß guter vergroͤßernder Abbildungen. Zuweilen ſollte man der Jugend wenigſtens einen Blick in das Reich der Wunder geſtatten, welches der Gebrauch des Mikroſcops dem Auge des Menſchen enthuͤllt. Denn„in dem Kleineſten der Schöpfung zeiget ſich des Schoͤpfers Macht und Huld am groͤß⸗ ten.“ Herder. Fehlt Zeit und Gelegenheit, die Schuͤler ſolche Objecte zuweilen


