14
laͤßlichſte Bedingung, welche der Lehrer der Naturkunde, um jener dreifachen An⸗ forderung Genuͤge zu leiſten, erfuͤllen uuuß, iſt die: Er unterrichte anſchau⸗ lich. Wo nur immer moͤglich, gruͤnde er ſeinen Unterricht auf die Anſchauung der Natur ſelbſt, indem er die Naturgegenſtaͤnde und Naturerſcheinungen ſelbſt den Schuͤlern zur Anſchauung und Beobachtung vorführe, und daran ſeinen ganzen Unterricht anknuͤpfe; nur im Falle der Unmoͤglichkeit moͤgen gute Abbil⸗ dungen und Experimente ihre Stelle vertreten. Nie aber laſſe man den Schuͤler bloß Namen und Beſchreibungen aus einem Lehrbuche oder gar aus Dictaten erlernen, ohne ihm vorher durch die Anſchauung ein klares und vollſtaͤndiges Bild von der Sache gegeben zu haben; nie beſchaftige man ihn mit allgemeinen Begriffen und Erklaͤrungen, ohne ihm dieſelben durch concrete Faͤlle zu veranſchaulichen; nie belehre man ihn, ſtatt aus dem großen Lehrbuche der lebendigen Natur aus einem gedruckten Lehrbuche. Eines ſolchen bediene ſich der Schuͤler nur als eines Wegweiſers auf ſeinen naturgeſchichtlichen Excurſionen und zur Unterſtuͤtzung ſeines Gedaͤcht⸗ niſſes bei Wiederholungen. Die naturwiſſeenſchaftliche Unterrichtsſtunde mit Vor⸗ leſen oder Vorleſenlaſſen aus einem Hand⸗ oder Lehrbuche, oder mit Dictiren auszufuͤllen, hoͤchſtens uͤber das Vorgeleſene oder Vordictirte zu eraminiren und das dem Gedaͤchtniſſe durch Auswendiglernen Eingepraͤgte abzufragen oder abzu⸗ hoͤren, iſt eine des Lehrers einer Menſchenbildungsanſtalt durchaus unwuͤrdige Methode, und in der Regel die Folge von Unkunde, ſeltner von Bequemlichkeit oder falſchen Unterrichtsprincipien. Auch die Schulordnung fuͤr unſere Paͤdagogien verlangt ausdruͤcklich Veranſchaulichung des natur⸗ wiſſenſchaftlichen Unterrichts, und will nur ſolches in den Kreis des Unterrichts gezogen wiſſen, was einer Veranſchau⸗ lichung faͤhig iſt.
Das Princip der Anſchaulichkeit muß zwar jeden Unterricht beherrſchen, ſein Lehrſtoff ſei, welcher er wolle; aber fuͤr den Unterricht in der Naturkunde iſt dieſe Forderung in dem Weſen des Lehrobjects ſelbſt begruͤndet. Denn die Gegenſtaͤnde der Naturwiſſenſchaft ſind nur ſinnlich wahrnehmbare Objecte, und die erſte Quelle aller unſerer Kenntniſſe von der Natur iſt die Erfahrung; entweder durch Beobachtung, oder durch Verſuche ſind ſie alle urſpruͤnglich erworben. Obne Anſchauung iſt daher der naturwiſſenſchaftliche Unterricht ebenſo ein Unding, wie der geographiſche ohne den Gebrauch der Landkarte, und bloß aus Buͤchern iſt weder das Lehren, noch das Erlernen irgend eines Theiles der Naturwiſſenſchaft moͤglich.
Es iſt ein allgemeines und hoͤchſt wichtiges Geſetz der Methodik, daß der Lehrer uͤberall den Gang der Natur in der Entwicklung der Seelenvermoͤgen genau beachte, und auf einer jeden Bildungeſtufe vorzuͤglich die Seelenkraͤfte in Thaͤtigkeit ſetze, fuͤr welche ſich dieſelbe am beſten eignet.„Ma méthode est fondic sur la mesure des facultés de Thomme à ses différents ges et sur le-


