Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 1. Teil
Entstehung
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nungen gerichteter Schulunterricht dazu vorbereitet, dazu faͤhig und empfaͤnglich gemacht hat. Allein auch ſchon aus dem Weſen der Gelehrtenſchule, als der Vorberei⸗ tungsanſtalt zur Univerſitaͤt, ergibt ſich fuͤr den naturwiſſenſchaftlichen Schulun⸗ terricht die Nothwendigkeit, auch auf das Verſtaͤndniß akademiſcher Vorleſungen uͤber Naturkunde vorzubereiten, da ſolche Vorleſungen fuͤr die Studierenden aller Facultaͤten theils zu einem gruͤndlichen Studium ihres Faches, theils zu einer wirkſamen Ausuͤbung ihrer kuͤnftigen Berufsthaͤtigkeit nuͤtzlich, ja fuͤr mehrere Berufszweige nothwendiges Beduͤrfniß ſind.

Auf allgemeine Ueberſichten, wie nicht ſelten von Schulmaͤnnern vorge⸗ ſchlagen wird, den naturwiſſenſchaftlichen Schulunterricht beſchraͤnken wollen, heißt ganz und gar den Entwickelungsgang der menſchlichen Bildung, die Nei⸗ gungen und Eigenthuͤmlichkeiten des jugendlichen Geiſtes und den hoͤchſten Zweck der Gelehrtenſchule verkennen. Von dem Einzelnen, dem Concreten, dem An⸗ ſchaulichen muß aller Unterricht ausgehen, und allmaͤhlig zum Allgemeinen, Ab⸗ ſtracten, Begriffsmaͤßigen fortſchreiten, wenn er ein hoͤheres Ziel erreichen ſoll, als paſſives Hinnehmen, mechaniſches Auffaſſen, gedankenloſes Auswendiglernen, wenn das durch ihn erzeugte Wiſſen mehr, als eine todte Maſſe zu kuͤnftigem Vergeſſen ſein ſoll. Zum klaren Verſtaͤndniſſe allgemeiner Ueberſichten gehoͤrt eine Uebung und Reife des Denkvermoͤgens, welche auf der Bildungsſtufe der niede⸗ ren Gelehrtenſchule und in einem Alter, wo die Thaͤtigkeit der Sinne und der niederen Erkenntnißkraͤfte vorherrſcht, der Verſtand aber erſt mit ihrer Huͤlfe ſich entwickeln ſoll, nicht vorausgeſetzt werden kann. Erſt dann, wenn den Schuͤler die gruͤndliche Kenntniß des Einzelnen und Speciellen befaͤhigt hat, ſich ſelbſt allgemeine Ueberſichten zu entwerfen, ſind dieſe an ihrer Stelle und von großem Nutzen. Denn ſie ſind, gleich Tabellen, wie Vierthaler in ſeinen Elementen der Methodik und Paͤdagogik ſagt, zur Wiederholung des Gelernten Gold, zum Ein⸗ gange des Unterrichts Blei.

Evbenſo wenig kann eine wiſſenſchaftliche Erkenntniß der Natur auf der niederen Gelehrtenſchule in dem Zwecke des Unterrichts liegen. Eine Wiſſenſchaft als organiſches Ganze aufzufaſſen, vermag hier der Verſtand des Knaben noch nicht. Die Wiſſenſchaften ſind uͤberhaupt auf der Gelehrtenſchule noch nicht Zweck an ſich, ſondern nur Mittel zur Weckung des wiſſenſchaftlichen Sinnes und zu allgemeiner geiſtiger Ausbildung ſollen ſie hier ſein.Die Wiſſenſchaft ſoll der Schulmann zwar kennen, damit er ſie ahnen laſſen kann, aber nicht lehren; nur die Empfaͤnglichkeit fuͤr Wiſſenſchaftlichkeit ſoll die Schule wecken und naͤhren. Fuͤr das Gymnaſium gehoͤrt Naturkunde, der Univerſitaͤt verbleibt Naturwiſſenſchaft. Der wiſſenſchaftliche Schulunterricht als ein Ganzes von Fr. Kapp.Die Wiſſenſchaften haben auf Gymnaſien nur die Stellung von Momenten eines Organismus. Sie gelten hier nicht als Wiſſenſchaften, ſondern nur als wiſſenſchaftliche Bildungsmittel. Deinhardt, der Gymnaſialun⸗ terricht nach den wiſſenſchaftlichen Anforderungen der jetzigen Zeit. In dieſem

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