Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 1. Teil
Entstehung
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ſtetes Streben ſei aber zugleich darauf gerichtet, den Sinn fuͤr die Natur bei der Jugend zu wecken und zu naͤhren, ihr Gemuͤth zur Liebe fuͤr Natur und Naturwiſſen⸗ ſchaft zu erwaͤrmen, ihren Beobachtungs⸗ und Forſchungsgeiſt zu uͤben und zu ſchaͤrfen, ihr ſo den Weg zur ſelbſtſtaͤndigen Erweiterung ihrer Naturkenntniſſe zu bahnen, und ſie empfaͤnglich und faͤhig fuͤr einen hoͤheren, wiſſenſchaftlichen Un⸗ terricht zu machen. So wird der naturwiſſenſchaftliche Unterricht auch in mate⸗ rieller Hinſicht das Gebiet der niederen Gelehrtenſchule als einer allgemeinen Bil⸗ dungsanſtalt nicht uͤberſchreiten, und auch in dieſer Ruͤckſicht zur Erreichung ihres Zieles nicht weniger, als ihre uͤbrigen Lehrfaͤcher, beitragen.

Ueber den Zweck des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts auf der Gelehrten⸗ ſchule herrſchen indeſſen vielfaͤltig ſolche Anſichten, welche, weit entfernt, den Schuͤ⸗ ler zu dem Ziele einer allgemeinen Bildungsanſtalt hinzufuͤhren, vielmehr ihn da⸗ von abzulenken geeignet ſind. Manche Schulmaͤnner wollen die Natur nicht ana⸗ lyſirt und durchforſcht und an der Beſchaͤftigung mit derſelben keineswegs die Geiſteskraͤfte der Schuͤler geuͤbt haben; ebenſowenig ſoll es Zweck des Gym⸗ naſiums ſein, zu einem hoͤheren naturwiſſenſchaftlichen Unterrichte vorzubereiten oder dazu vorzugsweiſe Anregung zu geben. Nur die Reſultate der Forſchung auf dem Gebiete der Naturwiſſenſchaft ſoll das Gymnaſium ſeinen Zoͤglingen mittheilen, und dafuͤr ſorgen, daß ihnen die ſie umgebende Natur nicht als eine todte Maſſe erſcheine. Dieſe Anſicht ſteht ſowohl mit dem Zwecke des Gymna⸗ ſiums, als mit der Eigenthuͤmlichkeit des jugendlichen Geiſtes und mit dem We⸗ ſen der Naturwiſſenſchaft in dem directeſten Widerſpruche. Denn wie moͤchte es moͤglich ſein, eine deutliche Einſicht in die Reſultate der Forſchungen auf dem Gebiete der Naturwiſſenſchaft und in das Leben der Natur zu gewinnen, wenn nicht vorher die Natur in ihren einzelnen Erzeugniſſen und Er⸗ ſcheinungen, in den individuellen Aeußerungen ihres Lebens durchforſcht und erkannt worden iſt? Auch iſt die Neigung und Thaͤtigkeit des jugendlichen Geiſtes keineswegs auf das Auffaſſen der allgemeinen Reſultate wiſſenſchaft⸗ licher Forſchungen gerichtet, ſondern auf die Erkenntniß des Einzelnen und Individuellen und auf die Herleitung allgemeiner Begriffe, Wahrheiten und Ge⸗ ſetze aus dem ſo erworbenen Wiſſen. Allſeeitige hoͤhere Geiſtesbildung iſt und bleibt der Hauptzweck des Gymnaſialunterrichts auf allen ſeinen Stufen und in allen ſeinen Theilen, und kein Gegenſtand kann mit Recht ein Zweig desſelben ſein, welcher nicht zur Verwirklichung dieſes Zweckes das Seinige beizutragen faͤ⸗ hig iſt. Der ſegensreiche Einfluß des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts auf hoͤhere Bildung des Geiſtes wird erſt dann ſich recht deutlich offenbaren, wenn er auf der Gelehrtenſchule ſich nicht abſchließt, ſondern auf der Hochſchule fortgeſetzt und hier eigentlich wiſſenſchaftlich betrieben wird. Aber ein gruͤndliches Verſtaͤnd⸗ niß eines wiſſenſchaftlichen Unterrichts uͤber die Natur iſt nicht moͤglich, und ein ſegensreicher Erfolg laͤßt ſich davon nicht erwarten, wenn nicht ein auf Analy⸗ ſirung und Erforſchung der Natur in ihren einzelnen Erzeugniſſen und Erſchei⸗