Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 1. Teil
Entstehung
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ten, ſo waͤhle er aus dem weiten Gebiete der Naturwiſſenſchaft diejenigen Theile heraus, welche ſich als die faßlichſten, anziehendſten, wiſſenswertheſten und bildend⸗ ſten am meiſten zu Lehrgegenſtaͤnden unſerer Paͤdagogien eignen, und, weil die dem Gebildeten jedes Standes und Faches unentbehrlichſten Naturkenntniſſe ihren Inhalt ausmachen, als nothwendige Ünterrichtszweige einer allgemeinen Bildungs⸗ anſtalt erſcheinen. Denn, wenn auch ſaͤmmtliche Zweige der Naturwiſſenſchaft rein menſchliche Wiſſenſchaften(Humaniora) und als ſolche der Kenntniß eines jeden Gebildeten wuͤrdig ſind, ſo eignen ſie ſich doch keineswegs alle zu beſondern Unterrichtsgegenſtaͤnden der niederen Gelehrtenſchule. Einige wuͤrden einen zu großen Zeitaufwand und zu viele weitlaͤuftige und zuſammengeſetzte Apparate und Ver⸗ ſuche erfordern; andere verlangen, um klares Verſtaͤndniß und gruͤndliches Wiſſen zu erzielen, eine ſolche Geuͤbtheit und Reife des Anſchauungs- und Denkver⸗ moͤgens, und mathematiſche Kenntniſſe von ſolchem Umfang und ſolcher Tiefe, als bei einem Schuͤler der niedern Gelehrtenſchule nicht vorausgeſetzt werden koͤnnen. Drei Theile der Naturwiſſenſchaft aber erfuͤllen alle Bedingungen, welche man einem jeden Unterrichtszweige ſolcher Anſtalten, wie unſre Paͤdagogien ſind, zu ſtellen hat, die Naturbeſchreibung(Naturgeſchichte), die Naturlehre (Phyſik) und die phyſiſche Anthropologie in Verbindung mit Diaͤtetik, von welchen die erſte die Naturerzeugniſſe beſchreibt, die zweite die Naturerſchei⸗ nungen erklaͤrt, die dritte den menſchlichen Koͤrper nebſt den zu ſeiner Erhaltung dienenden Lebensregeln kennen lehrt. Dieſen drei Zweigen der Naturwiſſenſchaft hat daher die Schulordnung fuͤr unſre Paͤdagogien beſondere Unterrichtsſtunden zugetheilt. Was von den uͤbrigen, namentlich der Aſtronomie, Anatomie, Phyſiologie, Chemie, Geologie, dem Schuͤler auf der Bildungsſtufe unſrer Paͤdagogien faßlich gemacht werden kann, und ihm zu wiſſen intereſſant und nothwendig iſt, laͤßt ſich, ſofern es die Zeit erlaubt, leicht gelegentlich an jene drei Unterrichtsfaͤcher anknuͤpfen. Auch auf die Technologie muß der naturgeſchichtliche Unterricht, ſofern ihre Lehren mit Verſtaͤndlichkeit und bilden⸗ der Kraft allgemeines Intereſſe verbinden, beſtaͤndige Ruͤckſicht nehmen. Doch halte der Lehrer bei einer Abſchweifung in das Gebiet jener naturwiſſenſchaftlichen Faͤcher auf das ſorgfaͤltigſte Maß, damit nicht durch zu weite Excurſionen dem naturbeſchreibenden und phyſikaliſchen Unterrichte zu viel Zeit entzogen, und nicht ausfuͤhrliche Vortraͤge uͤber Dinge gehalten werden, welche ohne veranſchaulichende Apparate und Verſuche und ohne bedeutende mathematiſche Kenntniſſe klar und ſicher aufzufaſſen unmoͤglich iſt.

In materieller Hinſicht ſei alſo der Zweck des naturwiſſenſchaftlichen Un⸗ terrichts hauptſaͤchlich auf eine klare und ſichere Kenntniß der wichtigſten Natur⸗ producte und Naturerſcheinungen gerichtet. Beſonders ſorge er dafuͤr, daß der Schuͤler hierdurch, wenn auch auf dieſer Bildungsſtufe noch nicht zur deutlichen Erkenntniß, doch zur Ahndung der geſetzmaͤßigen Ordnung der Natur und des alle ihre Erzeugniſſe und Erſcheinungen durchdringenden Lebens gelange. Sein