Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 1. Teil
Entstehung
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den Werth des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts auf den nie⸗ dern Stufen der Gelehrtenſchule, auf Progymnaſien und Paͤ⸗ dagogien, mit Ruͤckſicht auf die Anſichten und Beſtrebungen be⸗ waͤhrter Paͤdagogen und Schriftſteller zum Gegenſtand einer Abhand⸗ lung des Paͤdagogial-Programmes zu waͤhlen.

. So wie Zweck und Methode eines jeden Unterrichtszweiges nach der ver⸗ ſchiedenen Beſtimmung der Lehranſtalten bedeutender Modificationen beduͤrfen, ſo muß auch der naturwiſſenſchaftliche Unterricht ſich ſtets ein dem Zwecke der Schule, auf welcher er ertheilt werden ſoll, entſpre⸗ chendes Ziel ſetzen, und eine zu dieſem Ziele hinführende Me⸗ thode ſich waͤhlen. Nun ſind unſere Paͤdagogien allgemeine Bildungsanſtal ten, welche die allgemeine Menſchenbildung, zu der die Elementarſchulen den er ſten Grund gelegt baben, weiter fortſetzen ſollen. Ihre Beſtimmung iſt nicht al lein, die zu einem wiſſenſchaftlichen Berufe beſtimmte Jugend fuͤr eine hoͤhere Lehranſtalt, das Gymnaſium, vorzubereiten; ſondern ſie ſollen auch denen, welche ſich zwar nicht einem der ſogenannten theoretiſchen Berufszweige widmen wollen, ſich aber doch mit dem in den Volksſchulen ertheilten Unterricht nicht begnuͤgen koͤnnen, Gelegenheit zu hoͤherer Geiſtesentwicklung geben. Dieſem Doppelzwecke der Paͤdagogien gemaͤß haben die Gruͤnder unſres Schulplanes mit weiſer Ein⸗ ſicht in das Beduͤrfniß der bier zu unterrichtenden Jugend die Lehrgegenſtaͤnde unſrer Paͤdagogien ausgewaͤhlt, und auch die Naturkunde mit einer dem Zwecke der Schule entſprechenden Stundenzahl in den Kreis derſelben durch alle Lehr ſtufen hbindurch aufgenommen. Soll dieſer Unterrichtszweig aber als ein wuͤrdi⸗ ges Glied ſich an die uͤbrigen Lehrfaͤcher anſchließen, ſo darf er die Beſtimmung der Lehranſtalt nie aus den Augen verlieren, ſo muß er auf jeder Lehrſtufe zur Verwirklichung des allgemeinen Schulzweckes das Seinige beitragen, und im Vereine mit den uͤbrigen Lehrgegenſtaͤnden die Jugend dem letzten und hoͤchſten Ziele alles Unterrichts zufuͤhren. Nun ſoll die Gelehrtenſchule, deren unterer Abtheilung unſre Paͤdagogien parallel ſtehen, als allgemeine hoͤhere Bildungsan⸗ ſtalt betrachtet, wie Niemeier in ſeiner Paͤdagogik ſagt, vorzuͤglich den Geiſt ed⸗ ler Menſchheit(Humanitaͤt) durch rein menſchliche Wiſſenſchaften und Empfin dungen(Humaniora) in der Jugend entwickeln; zugleich iſt aber auch ihre Be⸗ ſtimmung, die Elemente aller, fuͤr einen Jeden, welcher in Wahrheit den Namen eines Gebildeten tragen will, ohne Ruͤckſicht auf Stand und Beruf nothwendigen Kenntniſſe und Fertigkeiten mitzutheilen; und da ſie, zumal in ihrer hoͤheren Abtheilung, die allgemeine Bildungsanſtalt der theoretiſchen Staͤnde, die Vorberei⸗ tungsanſtalt zur Univerſitaͤt iſt, ſo ſoll ſie in ihren Zoͤglingen den wiſſenſchaft lichen Sinn anregen und entwickeln, und ſie fuͤr einen hoͤheren, wiſſenſchaftlichen Unterricht befaͤhigen.

Das Hauptziel des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts