Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 1. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

und macht ihn unfaͤhig der wahren Naturbetrachtung; ja er bringt der Sittlich⸗ keit und Religioſitaͤt der Jugend Gefahr.

Ganz im Widerſpruche mit dieſer ſo ſchweren gegen den Unterricht in der Naturkunde erhobenen Anklagen ſind andere, als Lehrer, Schriftſteller und Sprach⸗ forſcher nicht minder ausgezeichnete Maͤnner aͤlterer und neuerer Zeit als Freunde und Vertheidiger der Naturwiſſenſchaft und des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts aufgetreten, und erkennen in der Naturkunde ein fuͤr jeden Stand und jedes Alter intereſſantes und nuͤtzliches Ziel des menſchlichen Forſchens und Wiſſens, eines der vortrefflichſten Mittel allſeitiger Geiſtesbildung, ein nothwendiges Ele⸗ ment aͤcht menſchlicher Bildung und ein unentbehrliches Glied ſowohl des niederen, als des hoͤheren Gymnaſialunterrichts.

Forſchen wir nach den Urſachen, woraus jene harten, uͤber die Naturwiſ ſenſchaft und ihren Unterricht gefaͤllten Urtheile hervorgegangen ſind, ſo finden wir ſie zwar hauptſaͤchlich in einſeitiger Bildung, in einſeitigen paͤdagogiſchen Anſichten, in Unkenntniß der Natur und Naturwiſſenſchaft, in Unbekanntſchaft mit der Lehrmethode dieſes Faches und Mangel an Erfahrung in ſeinem Ünter richt, in dem ſcheinbar geringen Zuſammenhange, worin dieſes Fach mit den ſtreng philologiſchen Unterrichtsfaͤchern ſteht, und in einſeitigen Erfahrungen uͤber den Erfolg dieſes Unterrichts an einzelnen Lehranſtalten. Einen Theil der Schuld aber traͤgt auch die verkehrte Anſicht, welche ſelbſt Freunde und Lehrer der Na⸗ turkunde uͤber den Zweck dieſes Unterrichts auf Gelehrtenſchulen hegen, und die unzweckmaͤßige Lehrmethode, nach welcher derſelbe in fruͤherer Zeit faſt uͤberall ertheilt wurde, und noch jetzt ſo haͤufig ertheilt wird. Selbſt Thierſch, welcher ſich in ſeinem Werkeuͤber gelehrte Schulen als einer der entſchiedenſten Geg⸗ ner des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts uͤber denſelben ausgeſprochen hat, ge⸗ ſteht in ſeinem neueſten Werkeuͤber den gegenwaͤrtigen Zuſtand des oͤffentlichen Unterrichts in den weſtlichen Staaten Deutſchlands III. Bd. S. 157, daß ſeine in jenem Werke uͤber den Unterricht in der Naturkunde gefaͤllten Urtheile haupt⸗ ſaͤchlich durch die bisherige verkehrte Lehrweiſe dieſes Faches veranlaßt worden ſeien, wenn er an jener Stelle ſagt:Ich habe ſchon in meinem Werke uͤber die gelehrten Schulen erklaͤrt, daß ich nicht dem Unterrichte uͤber die Kunde der Natur und ihrer Erzeugniſſe in den Gelehrtenſchulen entgegen waͤre, ſondern, und zwar ganz entſchieden, der Art, nach welcher er bis jetzt in ihnen ſei gegeben worden. Zugleich ſprach ich die Hoffnung aus, es ſei vielleicht dem juͤngeren Geſchlechte vorbehalten, bei dem großen Umſchwunge der Naturſtudien und der Verjuͤngung aller ſeiner Beſtrebungen eine Methode zu finden, nach welcher der ſelbe als ein Mittel, Nachdenken und innere Theilnahme in der Jugend zu er⸗ wecken, und als eine Ergaͤnzung ihres auf die Gymnaſtik des Geiſtes gerichteten Beſtrebens betrachtet und in den Kreis ihrer bewaͤhrten Lehren aufgenommen zu werden, wuͤrdig erſcheine.

Es moͤchte alſo nicht unpaſſend ſein, den Zweck der Lehrmethode und