Ueber
den naturwiſſenſchaftlichen Unterricht
in den untern Klaſſen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnaſien.
U.. den wiſſenſchaftlichen Lehrgegenſtaͤnden der Gymnaſien und Paͤda⸗ gogien hat in der neueſten Zeit keiner ſo vielfache und ſo heftige Angriffe zu be⸗ ſtehen gehabt, als die Naturwiſſenſchaft. Mit Geringſchaͤtzung und Verachtung blicken viele Schulmaͤnner, ſelbſt ſolche, welche den Ruhm ausgezeichneter Lehrer und Schriftſteller genießen, auf dieſen Unterrichtszweig herab, ſuchen ihn moͤglichſt zu beſchraͤnken, oder wohl ganz aus dem Bereiche der Gelehrtenſchule zu ver⸗ bannen, und in abgeſonderte Realſchulen zu verweiſen. Seine meiſten und erbit⸗ tertſten Gegner zaͤhlt der naturwiſſenſchaftliche Unterricht unter den Paͤdagogen von der Partei der ſtrengen Humaniſten, welche die klaſſiſche Sprache des Grie⸗ chiſchen und Roͤmiſchen Alterthums als die einzigen wahren Bildungsmittel der zu einem wiſſenſchaftlichen Berufe beſtimmten Jugend und als die einzigen dem Zwecke der Gelehrtenſchule entſprechenden Unterrichtsgegenſtaͤnde anerkennen. Der Unterricht in der Naturwiſſenſchaft, ſagen jene Paͤdagogen, bewirkt eine ſehr ge⸗ ringe oder hoͤchſtens ſehr einſeitige Geiſtesbildung, und hat nirgends die von ihm erwarteten Fruͤchte getragen; durch ihn wird das Gebiet des Gymnaſial⸗Unter⸗ richts auf eine maßloße Weiſe erweitert; er ſteht im Widerſpruche mit dem idealen Principe der Gymnaſien, indem er den Geiſt niederbeugt von der hoͤ⸗ heren Richtung nach dem Idealen; er befoͤrdert den Hang der Jugend zur Zerſtreuung und zu bloß unterhaltenden Beſchaͤftigungen, und lenkt ſie ab von ernſter Geiſtesthaͤtigkeit; ſelbſt auf das Leben der Gebildeten iſt er von un⸗ bedeutendem Einfluſſe; er raubt ſogar dem Menſchen den wahren Naturgenuß,
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