Aufsatz 
Höhere Bürgerschule zu Grünberg in Hessen. Festschrift zur Einweihung des neuen Schulgebäudes am 23., 24. und 25. September 1911 / zusammengestellt von Angelberger
Entstehung
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l. Die erweiterte Volks⸗ und Höhere Bürgerſchule.

Als Gaß jedoch 1875 von der oberſten Schulbehörde wegen Lehrermangels aus ſeiner Privattätigkeit von hier abberufen wurde und für ihn nicht leicht ein paſſender Erſatz gefunden werden konnte, hielt man es im Schulvorſtand*) für ratſam, mit der Schulbehörde Verhandlungen einzuleiten wegen Grün dung einer erweiterten Volksſchule. Nach Artikel 18 des Volks⸗ ſchulgeſetzes vom Jahre 1874 ſollte eine derartige Schule den Zweck haben,weitergehende Bildungsbedürfniſſe zu befriedigen, ohne die Ziele der höheren Lehranſtalten zu erreichen. In ſeiner Sitzung vom 19. November 1875 führte der Gemeinderat denn auch folgenden Beſchluß aus:Nachdem wir zu der überzeugung gekommen ſind, daß die gegenwärtig hier beſtehenden Stadt⸗ ſchulen für die jetzigen Anforderungen nicht ausreichen, beauf⸗ tragen wir Großh. Bürgermeiſter Pracht bei den betr. Behörden die betr. Schritte einzuleiten, daß die ſtädtiſchen Schulen in der Weiſe erweitert werden, daß noch für Schüler beider Geſchlechter von 9 bis 15 Jahren verſchiedene von den gegenwärtigen Schulen getrennte Klaſſen errichtet werden, welche außer den im Schul⸗ geſetz bezeichneten Lehrgegenſtänden den Unterricht in alten und neuen Sprachen, ſowie die Realfächer umfaſſen, ſodaß den Schülern Gelegenheit geboten iſt, ſich bis zu ihrer Entlaſſung die Kennt⸗ niſſe anzueignen, um in einem Gymnaſium oder einer Real⸗ ſchule in die oberen Klaſſen eintreten zu können. Zwei Lehrer ſollen zur Erreichung dieſes Zweckes angeſtellt werden, von wel⸗ chen der erſtere vorzugsweiſe in den genannten Sprachen, der zweite in den anderen Fächern Unterricht erteilt. Zu den Be⸗ ſoldungen, welche aus der Stadtkaſſe bezahlt werden, werden einſchließlich der Wohnungsvergütung für erſtere Stelle 2500 Mk. und für die zweite 1714 Mk. in Ausſicht geſtellt. Es wird ge⸗ wünſcht, daß die Schule bis 1. April 1876 ins Leben treten kann.

Die Regierung war gegen den Plan der Stadt um ſo weniger abgeneigt, als nach Aufhebung des Inſtitutes ohne die Gründung einer erweiterten Schule für die Volksſchule ein ſtär⸗ kerer Beſuch und damit die Schaffung der fünften Lehrerſtelle gewiß war.

*) Dem Schulvorſtand gehörten damals an: Bürgermeiſter Pracht,

K. Haberkorn, K. H. Jöckel, K. Ritter III., Lehrer Magel.

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