——qO ſ Doch über ein Jahr lang ſollte ſich die Eröffnung der neuen ſ Anſtalt noch hinausziehen. Wurde zwar einerſeits durch einen perſönlichen Beſuch, den der damalige Geh. Oberſchulrat Greim bei dem Vorſitzenden des Schulvorſtandes, Dekan Pullmann, im Februar 1876 hier machte, ſehr raſch über die Ziele und die Organiſation der zu gründenden Anſtalt Klarheit geſchaffen, ſo zog der Gemeinderat auf der anderen Seite die Verhandlungen dadurch in die Länge, daß er für ſich das Recht der Anſtellung der beiden erforderlichen Lehrer in Anſpruch nahm. Unter dieſen Umſtänden aber konnte die Schule nur privaten Charakter erhalten und das zu berufende Lehrperſonal nicht einmal die Rechte eines Volksſchullehrers oder Ausſicht auf Penſionsberechti⸗ gung erlangen. Nachdem der Gemeinderat dann am 6. April 1876 auf das Anſtellungsrecht verzichtet hatte, wurde dem Schulvor⸗ ſtand am 24. April durch die Kreisſchulkommiſſion Gießen, der auch die erweiterten Schulen unterſtellt waren, mitgeteilt, daß Großh. Miniſterium die Eröffnung der Schule erlaube.
Obwohl nun die beiden Stellen ſofort zuerſt in heſſiſchen Zeitungen und dann auf Wunſch der Stadt auch im Pädago⸗ giſchen Zentralanzeiger ausgeſchrieben wurden, war es doch ſchon Juni, als die erſten Meldungen einliefen, darunter infolge des damaligen Lehrermangels keine einzige von ſeiten eines ſtudierten Lehrers aus Heſſen. Am 28. September 1876 konnte die Kreisſchulkommiſſion endlich mitteilen, daß durch allerhöchſte Dekrete vom 16. September der Konrektor Schorkopf aus Stadt⸗ hagen für die erſte und Lehrer Hamburger aus Lich für die zweite Stelle definitiv zu Lehrern an der Schule ernannt worden ſind. Da Schorkopf indeſſen durch Vertrag bis Weihnachten an ſeine ſeitherige Stelle gebunden war, fand erſt Anfang Januar 1877 die Eröffnung der Schule mit 42 Kindern ſtatt; ein feierlicher Aktus war nicht damit verbunden.
Außer dieſen beiden ordentlichen Lehrern übernahm Pfarrer Koch noch 4 Stunden Unterricht in Religion, ferner ſtellte er die beiden ſeitherigen Inſtitutsräume unter gleichzeitiger Ueber⸗ nahme der Heizung und Reinigung gegen eine jährliche Geſamt⸗ vergütung von 200 Mark zur Verfügung und trat die ſämtlichen vorhandenen Lehrmittel und Gerätſchaften gegen die Summe von 99 Mark an die Stadt ab.
Die Schule beſtand aus zwei Klaſſen von je zwei kombi⸗ nierten Abteilungen, mit Schülern von 10 bis 14 Jahren.
Das Lehrziel der 2.(unterſten) Klaſſe war im allgemeinen dem der entſprechenden Volksſchulklaſſen gleich unter Hinzu⸗ fügung des obligatoriſchen franzöſiſchen Unterrichts; in der oberen Klaſſe galt der Realſchullehrplan; alte Sprachen wurden fakultativ unterrichtet.
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