Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Offenbach von 1834 bis 1859 : 2. Fortsetzung: Die Realschule bis 1884
Entstehung
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Haben auch die Realſchulen ihrer Entſtehung zufolge eine mehr dem praktiſchen Leben zuge⸗ wandte Richtung erhalten, ſo müſſen wir doch mit allem Ernſte den Vorwurf zurückweiſen, als ob ſie bloße Nützlichkeitsanſtalten ſeien, denen über dem Streben nach dem praktiſch Anwendbaren das allge⸗ mein Bildende verloren gehe, oder als ob ſie über der Aufgabe, tüchtige Geſchäftsleute zu erziehen, die Erziehung zu tüchtigen Menſchen verſäumten. Aber haben die gelehrten Schulen, aus deren Reihen jener Vorwurf namentlich erhoben wurde, nicht auch auf das praktiſche Leben gerichtete Ten⸗ denzen? Dann würden ſie ſich ja das Urteil ſelber ſprechen. Oder liegt nicht auch in der Mathe⸗ matik, liegen nicht auch in den verſchiedenen Zweigen der Naturwiſſenſchaft oder in den neueren Sprachen bildende Kräfte, die, in richtiger Weiſe benutzt, nicht bloß die materiale, wie man annimmt, ſondern auch die formale Bildung unſerer Zöglinge in reichem Maße zu fördern geeignet ſind? Nur ein Thor könnte das leugnen wollen.

Die Aufgabe und Beſtimmung unſerer Realſchulen iſt vielmehr, denjenigen, welche einſt höhere techniſche oder induſtrielle Berufsarten zu ergreifen gedenken, die erforderliche wiſſenſchaftliche Vor⸗ bildung und gewünſchte Geiſtestüchtigkeit zu gewähren, welche zu einem erfolgreichen Beſuch der poly⸗ techniſchen oder Fachſchulen befähigen; ſie ſoll auch denjenigen zahlreichen Klaſſen von Gewerbtreiben⸗ den, welche unmittelbar aus ihr heraus in das Leben des Berufs übertreten und einer über das Gebiet der Volksſchule hinausreichenden Bildung bedürfen, ſie ſoll allen denen alſo, welche Gewerbe oder Geſchäfte betreiben wollen, zu deren vollſtändigerem Betrieb naturwiſſenſchaftliche oder ſprachliche Kenntniſſe erforderlich ſind, eine Bildungsſchule ſein, die ſie befähigt, als Menſchen, als Bürger des Staats und der Gemeinde, als Leiter eines Geſchäfts oder Meiſter eines Handwerks ihre Stelle mit Ehren auszufüllen.

Dank der außerordentlichen Energie, mit der Direktor Greim die längere Zeit unterbrochenen Reorganiſationsverhandlungen im Januar 1864 wieder aufnahm, dank dem Intereſſe, das die Bürger⸗ ſchaft Offenbachs an der Sache nahm, wurde das geſteckte Ziel aber allerdings erſt in einigen Jahren erreicht.

Um die nötigen Geldmittel zu erlangen, beantragte Direktor Greim am 1. März 1864 bei der Großherzoglichen Bürgermeiſterei Offenbach eine Erhöhung des jährlichen Schulgeldes von 24 auf 36 Gulden. Nachſtehende Ueberſicht zeigt die ſeitherige Einnahme der Schule, ſowie die Mehreinnahme nach der vorgeſchlagenen Erhöhung des Schulgeldes.

Neue Einnahme nach Er⸗

Seitherige Einnahme: höhung des Schulgeldes. 1. Kapitalzinſen aus 12780 fl.. 545 fl. 59 kr. 545 fl. 59 kr. 2. Entſchädigungsrente aus Großherz. arpiſttskaſe 574 B1 7 574 31 ½ 3. Schulgeld..... 5200 8928 4. Beitrag des Staats....... 1500 1500 5. Beitrag der Stadt Offenbach... 1875 1875

Zuſammen 9695 fl. 30 ½ kr. 13423 fl. 30 ½

Auf dieſen Antrag, ſowie auf ein denſelben unterſtützendes Geſuch hieſiger Bürger verlangte der Gemeinderat die Zuſammenſetzung einer Realſchulkommiſſion, welche beſtehen ſollte aus: 1. dem Realſchuldirektor, 2. einem theoretiſch und praktiſch gebildeten Schulmann, 3. dem Bürgermeiſter und 4. zwei durch den Gemeinderat zu wählenden Gemeinderatsmitgliedern, damit dem Gemeinderat jedenfalls ein weſentlicher Einfluß auf die Realſchule eingeräumt werde; ferner forderte er die Realſchuldirektion auf, einen Reorganiſationsplan vorzulegen. Das hierauf von der Direktion am 16. April 1864 eingereichtePromemoria, betr. die Reorganiſation der Realſchule zu Offenbach enthält:

1. Die Begründung der Notwendigkeit einer Reorganiſation(Zu den hauptſächlichſten und am meiſten gefühlten Mängeln gehört aber jedenfalls die gegenwärtige Einrichtung der Vorbereitungs⸗ klaſſen, die eine unverhältnismäßige Zunahme der Schülerzahl in dieſen beiden, wie in der unterſten Realklaſſe zur Folge hat, ſowie das Fehlen einer höheren Klaſſe, welche die jungen Leute, die aus ihr die Schule verlaſſen, befähigen müßte, unmittelbar in eine polnytechniſche Schule oder mit viel mehr gediegener Bildung in das gewerbliche Leben überzugehen.)

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