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In den folgenden 4 Jahren traten kleine Veränderungen ein, von denen die weſentlichſten die ſind, daß 1861 der Unterricht im Franzöſiſchen für die II. Vorbereitungsklaſſe wegfiel, und daß 1862 die beiden Abteilungen der I. Realklaſſe wieder vereinigt wurden. Im allgemeinen ſcheinen dieſe Jahre eine für die angeregte Reorganiſation der Schule ungünſtige Zeit zu bedeuten, denn wie ſich aus den wenigen noch vorhandenen Aktenſtücken aus jener Zeit ergiebt, wurden verſchiedene Verſuche des Direktors, die überfüllten Vorbereitungsklaſſen zu trennen, abſchlägig beſchieden.
Das Schuljahr 1863/64 brachte eine wichtige Veränderung unter dem Lehrerperſonal, indem durch Se. Königl. Hoheit den Großherzog der ſeitherige Direktor Dr. Ernſt Schaumann in den Ruhe⸗ ſtand verſetzt wurde und derſelbe mit dem Schluſſe des Sommerſemeſters die Schule verließ,„an welcher er“, wie ſein Nachfolger in der Chronik der Realſchule vom Jahre 1864 ſagt,„22 Jahre unter vielfachen Schwierigkeiten, aber auch unter großer Anerkennung gewirkt hatte. Möge ihm die wohlverdiente Ruhe noch lange zu genießen vergönnt ſein!“*)
Die ſeitherige Realſchule hatte— wie dies bei allen neuen Einrichtungen der Fall iſt— Verſuche nach allen Richtungen anſtellen müſſen, um den örtlichen Verhältniſſen Rechnung zu tragen; ſie hatte nicht bloß verſucht, den techniſchen und kaufmänniſchen Anforderungen in einer über die zugemeſſene Zeit hinausgehenden Weiſe zu genügen, ſondern auch noch die Aufgabe der heutigen Kunſt⸗ induſtrie⸗ und Gewerbeſchule teilweiſe zu löſen getrachtet.
Dem Nachfolger des Direktor Schaumann, dem jetzigen Geh. Oberſchulrat Greim, war die Löſung der Aufgabe vorbehalten, die Schule als vollſtändige Realſchule II. Ordnung auszubilden und ihr damit eine feſte Geſtalt zu geben, die ſich der Hauptſache nach wohl für lange Zeit als den Anforderungen des bürgerlichen Lebens, des Kaufmanns⸗ und Gewerbeſtandes vollſtändig genügend erweiſen dürfte, ohne damit die Ziele zu weit zu ſtecken und ſie zur Fachſchule für beſtimmte Erwerbs⸗ zweige zu machen. In ſeiner Antrittsrede, die er bei der Einführung am 5. Dezbr. 1863 gehalten, ſagt er über das Weſen und die Aufgabe der Realſchule das folgende:„Um etwas Gewordenes recht zu verſtehen, müſſen wir ſein Werden prüfenden Blickes verfolgen; an der Hand der geſchicht⸗ lichen Entwicklung können wir darum auch in das Weſen. wie in die Aufgabe der Realſchule klare Einſicht gewinnen. Im vorigen und noch zu Anfang dieſes Jahrhunderts kannte man nur zwei Arten von Schulen: die Volksſchule und die ſogenannte gelehrte Schule, das Gymnaſium. Bei der Einfachheit der gewerblichen Produktion, bei der Beſchränktheit des geſchäftlichen Verkehrs, war die Bildung, welche die erſte mitgeben konnte, meiſt hinreichend, um eine ſelbſtſtändige Stellung im Leben einnehmen zu können und die wenigen, welche durch beſondere örtliche oder perſönliche Verhältniſſe beſtimmt waren, eine weitergehende Bildung zu ſuchen, waren auf die gelehrte Schule angewieſen, auch wenn ſie nie mit der Abſicht ſich getragen hatten, einem der ſogenannten gelehrten Stände, ſondern vielmehr entſchloſſen waren, dem Gewerbſtande ſich zu widmen. Wir wollen durchaus nicht verkennen, daß gerade die Bekanntſchaft mit dem klaſſiſchen Altertum, auf deren Pflege in den Gymnaſien der höchſte Wert gelegt wird, als Bildungsmittel von höchſter Bedeutung iſt, wir verkennen nicht, daß jene An⸗ ſtalten ſtets und noch fortwährend Männer bilden, die ihnen zur Ehre und jeder Stellung im Leben, auch jedem gewerblichen Geſchäftszweige zur Zierde gereichen— aber, was ſie leiſten, entſpricht nicht mehr den Bedürfniſſen, welche in einer großen Klaſſe des Volks, dem eigentlichen Bürgerſtande, ge⸗ weckt worden ſind. Und während die Volksſchule, ihrer ganzen Aufgabe und Organiſation nach nicht alles bieten kann, was der Gewerbetreibende, der Techniker, der Kaufmann bedarf, legte und legt das Gymnaſium den meiſten Nachdruck auf ſolche Gegenſtände, die ihm nicht unbedingt notwendig, ja entbehrlich ſind, und ſtellt andere zurück, deren genauere Kenntnis er ohne empfindlichen Nachteil nicht miſſen kann. Um den in dieſer Beziehung erhobenen Anſprüchen zu genügen, rief man neue Schulen ins Leben oder geſtaltete bereits beſtehende um, damit durch ſie dem lautgewordenen Bedürfnis abge⸗ holfen, den genannten Ständen die Möglichkeit einer Bildung geſichert ſei, die auf geradem Wege ſie befähige, an dem geſchäftlichen Leben der Gegenwart mit Erfolg ſich zu beteiligen. Dieſem Beſtreben hatte es auch die in unſerer Stadt bereits ſeit 1691 als lateiniſche Schule oder Progymnaſium be⸗ ſtehende Unterrichtsanſtalt zu verdanken, daß ſie im Jahre 1834 in eine Realſchule umgewandelt wurde, und, wie das bei jungen Anſtalten nicht anders möglich iſt, es wurde an ihr noch mehrmals organiſiert, um ſie immer zweckmäßiger und den örtlichen Verhältniſſen entſprechender zu geſtalten.
*) Direktor Schaumann lebt heute noch zu Frankfurt a. M. und erfreut ſich als 82 jähriger Greis einer vor⸗ trefflichen Geſundheit.


