Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Offenbach von 1834 bis 1859 : 2. Fortsetzung: Die Realschule bis 1884
Entstehung
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und eine Folge dieſer Claſſenvermehrung war die Anſtellung eines neuen Lehrers, des Reallehramts⸗ candidaten F. Becker(geb. 15. Dec. 1815) ¹).

Von da an gingen zehn Jahre ohne eine beſonders wichtige Veränderung in Bezug auf die Claſſenzahl und die ſonſtige Einrichtung der Realſchule vorüber ²). Ihre vier oberen und zwei Ele⸗ mentarclaſſen reichten aus; als aber im Jahr 1854 die Schülerzahl, namentlich in den unteren Claſſen, wieder beträchtlich geſtiegen war, ſo konnte eine weitere Claſſenvermehrung nicht länger auf⸗ geſchoben werden. Dieſelbe wurde in der von dem Director unter dem 7. Juli 1854 beantragten Weiſe durch Entſchließung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 17. März 1855 genehmigt und mit dem Beginne des neuen Schuljahres am 9. Juli 1855 die neue Claſſe unter gleichzeitiger Einführung des Reallehramtscandidaten Chr. Kuhl(geb. 21. Auguſt 1828) als neuen Lehrerss) eröffnet. Nicht lange darauf(1. Oct. 1855) wurde der Unterricht im Modelliren, hauptſächlich im Intereſſe ſolcher Schüler, die ſich ſpäter im Graviren, Ciſeliren, der Bildſchnitzerei, der Fabrication feinerer Eiſenguß⸗ oder galvanoplaſtiſcher Arbeiten u. dgl. widmen oder wenigſtens ſolche Arbeiten beurtheilen und beauf⸗ ſichtigen lernen wollen, an der Realſchule eingeführt und K. Bode(geb. 15. Januar 1833) zum Lehrer des Modellirens ernannt. Der Unterricht iſt nicht für alle verbindlich. Um dieſelbe Zeit wurde auch der ſchon lange durch dauerndes Unwohlſein verhinderte und deßhalb in den Ruheſtand getretene Reallehrer Gottmann(vgl. S. 5) nach kurzem Vicariate des Sprachlehrers A. Chaillet durch den am 8. October 1855 proviſoriſch zu ſeinem Nachfolger ernannten Dr. L. Matthes (geb. 8. Mai 1818) erſetzt und dieſem der Unterricht in der franzöſiſchen Sprache übertragen).

Durch die im Jahre 1855 ſtattgefundene Erhöhung der Claſſenzahl auf ſieben war zwar dem dringendſten Bedürfniſſe abgeholfen worden, es blieben aber doch beſonders noch zwei wichtige Deſiderien übrig, deren Beſeitigung zwar ſchwierig war, aber zur vollſtändigen Entwickelung der Anſtalt unumgänglich nothwendig erſchien. Das erſte war die Entlaſtung des Directors von der bisher gleichzeitig durch ihn beſorgten Leitung der Stadtſchule und der höheren Töchter⸗ ſchule. So lange ſich die öffentlichen Unterrichtsanſtalten der Stadt Offenbach in Einem Gebäude vereinigt fanden, was bis zum Jahr 1845 der Fall war, konnte ſich der Director der Real⸗ ſchule ohne beſondere Beeinträchtigung ſeiner Wirkſamkeit an dieſer Anſtalt, auch der Führung der übrigen Schulen unterziehen. Als aber im November 1845 die Realſchule eine größere Aus⸗ dehnung gewonnen und ein eigenes Haus bezogen hatte, als im Jahre 1851, in Folge der bedeutend geſtiegenen Frequenz und der dadurch veranlaßten Claſſenvermehrung der Stadtſchule, ein zweites Stadtſchulgebäude errichtet und endlich im Jahre 1853 die höhere Töchterſchule mit ihren ſechs Claſſen in einem vierten, von den übrigen Schulhäuſern ziemlich entfernt gelegenen Gebäude eröffnet

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1) Im Frühjahr 1852 ſchied er von der Anſtalt und trat als ordentlicher Lehrer an die Muſterſchule in Frank⸗ furt a. M. Ihm folgte hier Dr. W. Kopp(geb. 13. Auguſt 1821), welcher 1852 eine proviſoriſche und am 13. October 1853 ſeine definitive Anſtellung an der Realſchule erhielt.

2) Aus dem Lehrperſonal ſchied in dieſem Zeitraum(1851) der Reallehrer Reich. Sein Nachfolger wurde Dr. Ch. W. Stromberger(geb. 28. Jan. 1826), der dieſe Stelle vom 23. Sept. 1851 bis 14. Mai 1857 verſah, wo er die evangeliſche Pfarrei Wenings übernahm. Ihm folgte, nach kurzem Vicariat des Candidaten C. Grein vom 23. Mai bis 31. Dec. 1857, am 1. Jan. 1858 Dr. F. W. Sommerlad(geb. 27 Febr. 1825). Eine Er⸗ wähnung verdient es auch, daß in dieſe Jahre die gänzliche Aufhebung der durch die Lehrer der Stadtſchule zu leiſten⸗ den Aushülfe an der Realſchule(vgl. S. 5 Anm. 2) fällt. Dieſe Einrichtung war für beide Schulen nicht vortheilhaft. Ihrer Verpflichtung gemäß hatten nämlich bisher die Stadtſchullehrer die Zeit, welche ſie der Realſchule widmeten, ihren Stadtſchulclaſſen entziehen müſſen, was dieſen zum offenbaren Nachtheil gereichte; aber auch der Realſchule konnte eine ſolche Zerſplitterung mancher Unterrichtsgegenſtände keinen Nutzen bringen, indem man einzelne Stadtſchullehrer nicht allzuſehr belaſten durfte und mit den aushelfenden Lehrern häufig zu wechſeln genöthigt war, um nicht immer denſelben Stadtſchulelaſſen zu nahe zu treten. Es war daher ſchon durch die Anſtellung des Reallehrers Stroh(vgl. S 5) auf die allmähliche Abſtellung dieſer Einrichtung hingearbeitet worden; ganz wurde ſie 1851 erzielt, in welchem Jahre dem Lehrer Dr. Seeger der Geſangunterricht und den Lehrern Kühn und Stellwagen der Schreibunterricht an der Realſchule gegen eine entſprechende Remuneration übertragen wurde.

3) Die anfänglich nur proviſoriſche Wirkſamkeit dieſes Lehrers ging durch Allerhöchſtes Decret vom 26. Aug. 1857 in eine definitive über. Seit dem Beginne des Jahres 1858 hat ſich derſelbe dem Unterricht der darſtellenden Geometrie unterzogen und dadurch die Aufnahme dieſes Gegenſtandes unter die Lehrobjecte der erſten Claſſe möglich gemacht.

4) Tenucch Rutach Anſtellung erfolgte am 22. März 1856. Er übernahm im Jahr 1858 neben dem Unterricht der oberen Claſſen in der franzöſiſchen Sprache daſelbſt auch das Engliſche.