Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Offenbach von 1834 bis 1859 : 2. Fortsetzung: Die Realschule bis 1884
Entstehung
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für das Zeichnen. Ueberdieß waren die Lehrer der Stadtſchule zur Aushülfe an der Realſchule aus⸗ drücklich verpflichtet¹), und es wurden von ihnen anfänglich die Lehrer Blind(engliſche Sprache), Krimmer(Geſang), Matthes(Kalligraphie), Schulz(Leſen), Stroh(Rechnen) hauptſächlich in den Elementarclaſſen verwendet.

Daß eine ſolche Anſtalt den Bedürfniſſen einer Fabrik⸗ und Handelsſtadt in weit höherem Maße entſprach, als es der früheren lateiniſchen Schule möglich war, zeigte ſich bald durch ihre ſteigende Frequenz, die ſchon nach wenigen Jahren eine Erweiterung der eigentlichen Realſchule nöthig machte. Ihren bisherigen beiden Claſſen wurde eine dritte hinzugefügt, nachdem(1836) aus der Staatskaſſe ein jährlicher Zuſchuß von 1500 fl. zugeſichert worden war, durch welchen es möglich wurde, nicht allein den Candidaten G. Walter(geb. 9. Nov. 1804) im Frühjahr 1836 proviſoriſch, am 13. März 1838 aber definitiv als dritten ordentlichen Lehrer anzuſtellen, ſondern auch den Vorbe⸗ reitungsclaſſen durch einen eigenen Elementarlehrer, den bisherigen Stadtſchullehrer J. Stroh⸗ (geb. 18. Dec. 1806), eine Verbeſſerung zu Theil werden zu laſſen, indem dadurch der Zerſplitterung des Unterrichtes in jenen Claſſen im Weſentlichen abgeholfen wurde.

In dieſer Weiſe(mit 3 Real⸗ und 2 Elementarclaſſen) dauerte die Anſtalt bis zum Jahre 1845 fort, aus der Zwiſchenzeit ſind jedoch hauptſächlich einige Veränderungen im Lehrperſonal zu berichten. Der bisherige Director Dr. Curtman wurde im Frühjahr 1841 in gleicher Eigenſchaft an das evan⸗ geliſche Schullehrer⸗Seminar in Friedberg verſetzt und an die dadurch erledigte Stelle der dermalige Realſchuldirector Dr. E. Schaumann(geb. 1. Jan. 1802, vom 27. Februar 1822 bis 30. April 1841 ordentlicher Lehrer am Landesgymnaſium in Büdingen) berufen. Daß auch zu Anfang des Jahres 1843 ein neuer Lehrer der franzöſiſchen Sprache eintrat, findet ſich unten Anm. 1 mitgetheilt. Außer⸗ dem verdient es jedoch einer Erwähnung, daß in demſelben Jahre 1843 ein neuer, wichtiger Unter⸗ richtsgegenſtand in den Lehrplan aufgenommen wurde. Um nänlich dem ſchon ſeit einiger Zeit empfundenen Bedürfniſſe, der geiſtigen Anſtrengung der Schüler durch geregelte und unter Aufſicht der Schule ſtehende körperliche Uebungen ein heilſames Gegengewicht zu bieten, gründlich abzuhelfen, wurde das Turnen unter die Zahl derjenigen Unterrichtsgegenſtände aufgenommen, an welchen jeder geſunde Schüler Theil zu nehmen verpflichtet iſt. Zum Inſtructor wurde der Zeichenlehrer Bode ernannt und gleich von Anfang, unter Vermeidung aller vermeſſenen Wageſtücke, ſowie aller über⸗ mäßigen Anſtrengung und Erſchöpfung, neben den Uebungen an den Geräthen auch die wichtigſten Freiübungen vorgenommen und deßhalb nicht bloß ein freier Raum dazu hergerichtet, ſondern auch, bis zur Vollendung des neuen Turnſaales im Jahre 1851, eine geräumige Turnhalle im alten ⸗Schloſſe gemiethet.

Schon im Jahre 1844 hatte die Frequenz der Realſchule wieder dergeſtalt zugenommen, daß die vorhandenen fünf Claſſen nicht mehr ausreichten, denn wenn ſich auch in Elementarſchulen bei ihrer weit einfacheren Aufgabe eine große Anzahl Schüler von gleichem Alter und ähnlichen Kennt⸗ niſſen noch zweckmäßig unterrichten und beſchäftigen läßt, ſo kann doch bei den größeren Leiſtungen und den ungleich mannigfaltigeren Lehrgegenſtänden einer höheren Unterrichtsanſtalt die Anhäufung vieler Schüler in einer und derſelben Abtheilung dem Fortſchreiten der Zöglinge nur äußerſt hinderlich ſein. Deßhalb hielt der Director, wenn die Realſchule nicht durch Ueberfüllung ihrer Claſſen die zum Theil von mehr als 60 Schülern beſucht wurden, leiden ſollte, eine angemeſſene Erweiterung der Anſtalt im wohlverſtandenen Intereſſe der Jugend und der Stadt für durchaus nothwendig, und ob⸗ gleich derſelbe wohl einſah, daß die Verwirklichung dieſes Wunſches wegen der damit verknüpften durchgreifenden Vergrößerung des Locals und Anſtellung eines neuen Lehrers bedeutende Geldopfer fordern würde, ſo war er doch von der bereitwilligen Unterſtützung ſämmlticher bei dieſer Angelegenheit betheiligten Behörden zu lebhaft überzeugt, als daß er an der Ausführbarkeit der Sache, die eine Lebensfrage für die Realſchule war, auch nur einen Augenblick hätte zweifeln können. Der Erfolg beſtätigte dieſe Erwartung vollkommen, und nach glücklicher Beendigung aller Vorarbeiten konnte die Realſchule am 17. November 1845 bei ihrer Ueberſiedelung in das mit einem Koſtenaufwand von 8900 fl. anſtändig hergerichtete und erweiterte Realſchulgebäude ²) ein wahres Freudenfeſt begehen. Mit höchſter Genehmigung trat gleichzeitig die beabſichtigte Vermehrung der Claſſen auf 6 in's Leben,

1) Die Inſtruction für die ſämmtlichen Lehrer der Schulen zu Offenbach beſtimmt darüber Folgendes:§. 5.Jeder Hauptlehrer an der Volksſchule iſt verpflichtet, wöchentlich 28 Lehrſtunden an den Claſſen der Volks⸗ oder Real⸗ ſchule, welche ihm von ſeinen Vorgeſetzten bezeichnet werden, zu halten.

2) Das ehemalige lateiniſche Schulhaus. Vgl. S. 1 Anm. 5.