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oder ob ihre vollſtändige Umwandlung in eine Realſchule vortheilhafter und zweckmäßiger ſei. Da von ihren bisherigen Schülern kaum 6 ein höheres Landesgymnaſium bezogen, alle übrigen aber einen ihren Berufsarten ganz unangemeſſenen Unterricht erhielten, ſo konnte es nicht wohl anders geſchehen, als daß an entſcheidender Stelle das Letztere vorgezogen wurde!), denn einer Bevölkerung, die ſich mit ſolcher Vorliebe dem induſtriellen und mercantiliſchen Felde zuwendet, konnte nur mit einer Anſtalt gedient ſein, die neben der allgemeinen geiſtigen Bildung auch die nothwendige Vorbe⸗ reitung ſowohl für gewerbliche und techniſche Beſchäftigungen, als für den Handel gewährt. Und gerade dieß iſt die Aufgabe der Realſchule. Hervorgerufen durch die höhere Stellung, welche unſere Zeit dem Bürgerſtande angewieſen hat, und durch die außerordentlichen Fortſchritte der Induſtrie, ſtrebt ſie nach dem ſchönen Ziele, ihre Zöglinge(die Söhne des höheren Bürgerſtandes) zu einſichtsvollen, gewandten, ehrenhaften, gottesfürchtigen Männern zu erziehen und ihnen zugleich die nöthige wiſſen⸗ ſchaftliche Grundlage für ihren Geſchäftsberuf oder für eine weitere techniſche Ausbildung darzubieten, damit ſie ſpäter im gewerbthätigen und ſtaatsbürgerlichen Leben, als die Träger der Induſtrie und des Handels, als die Beförderer des allgemeinen Wohlſtandes, eine über das Gewöhnliche hinaus⸗ gehende Stellung einzunehmen fähig und würdig werden.
Die Realſchule wurde, nach Aufhebung ſämmtlicher Privat⸗Knabenſchulen und des Pro⸗ gymnaſiums, am 20. April 1834 eröffnet und ihr die vier freundlichen und geräumigen oberen Lehr⸗ ſäle des in den Jahren 1832 und 1833 neu erbauten großen ſtädtiſchen Schulhauſes angewieſen. Sie beſtand aus 4 Claſſen, deren beide untere etwa 30 Knaben vom ſechſten bis zum zehnten Lebens⸗ jahre enthielten, mithin nur als Vorbereikungsanſtalt) gelten ſollten, die beiden oberen dagegen(mit 40 Schülern von 10 bis 15 Jahren) den Keim der eigentlichen Realſchule bildeten. Die Lehr⸗ gegenſtände dieſer beiden Realclaſſen waren: Religion; deutſche, franzöſiſche, engliſche und lateiniſche Sprache³); Geometrie, Arithmetik, Naturgeſchichte, Phyſik, Geſchichte, Geographie; Geſang, Kalli⸗ graphie, Zeichnen. Das Lehrperſonal beſtand bei der Eröffnung der Anſtalt aus dem Director Dr. W. J. G. Curtman(geb. 3. März 1802), den beiden ordentlichen Lehrern: Pfarrer Ph. Heber (geb. 2. April 1800)¹) und Dr. J. G. Helmsdörfer(geb. 11. Februar 1803)), und zwei außer⸗ ordentlichen Lehrern: J. Lendroy(geb. 13. März 1769, am 5. Oct. 1842 in den Ruheſtand verſetzt ⁰), ſt. 1. Jan. 1844) für die franzöſiſche Sprache und G. W. Bode(geb. 15. Mai 1801)
1) In dem Vertrage, welcher die Einrichtung des ganzen Schulweſens der Stadt Offenbach beſtimmt und am 5. April 1834 die Genehmigung der großherzoglichen Staatsregierung erhielt, wurde ausdrücklich die alsbaldige Eröffnung der Realſchule feſtgeſetzt.
2) Durch die 2 Vorbereitungsclaſſen wurde damals dem Verlangen vieler Eltern entſprochen, welche für ihre Kinder einen anderen Elementarunterricht wünſchten, als ihn die überfüllten unteren Claſſen der Communalſchule gewähren konnten. Was aber damals als ein Zugeſtändniß erſchien, hat ſich inzwiſchen als eine ſehr nützliche und der eigentlichen Realſchule äußerſt förderliche Einrichtung bewährt. Die Erfahrung hat gelehrt, daß unſere tüchtigſten Schüler in der Regel diejenigen ſind, die in unſeren eigenen, mit der Realſchule in organiſchem Zuſammenhange ſtehenden Elementarclaſſen eine für unſere Zwecke berechnete Vorbildung empfangen haben. Schülern, welche erſt einige Jahre hindurch andere Elementarſchulen beſuchen und dann in die Realſchule ein⸗ treten, fehlt es gewöhnlich an den nöthigen Vorkenntniſſen in manchen wichtigen Gegenſtänden, und ſie können daher unmöglich in die Claſſen gewieſen werden, auf welche ſie wohl nach ihrem Alter Anſpruch machen dürften. Dieß hat den großen Nachtheil, daß es entmuthigend auf ſie einwirkt, und daß ſie nur ſelten die oberſte Stufe des Unterrichts erreichen.
3) Die Fortſetzung des Unterrichts in der lateiniſchen Sprache war zu Gunſten ſolcher Schüler, welche ſpäter ein Landesgymnaſium beſuchen wollten, bei der Umwandlung der lateiniſchen Schule in eine Realſchule zur aus⸗ drücklichen Bedingung gemacht worden. Doch iſt kein Schüler zum Beſuche dieſes unterrichts, der eigentlich der Realſchule fremd iſt, verpflichtet, vielmehr ſteht es jedem, der dieſer Sprache für ſeinen künftigen Beruf entbehren zu können denkt, vollkommen frei, auf dieſe Lehrſtunden zu verzichten. Einige Zeit lang wurden ſogar auch mehrere Stunden wöchentlich auf die griechiſche Sprache verwendet, aber bald davon abgeſehen.
4) Seine ſchwankende Geſundheit bewog ihn ſchon im erſten Jahre ſeiner Thätigkeit an der Realſchule, ſein Lehramt aufzugeben. Sein Nachfolger wurde 1835 G. Reich(geb. 3. Nov. 1813), welcher 1851 als Pfarrer nach
Nieichelsheim verſetzt wurde.
5) Er wurde ber Anſtalt nach 22jähriger Wirkſamkeit durch den Tod entriſſen. Er ſtarb nach längerem Leiden am 15. April 1856, nachdem ihm am 28. Dec. 1853 Seine Königl. Hoheit der Großherzog den Charakter als Hofrath verliehen hatte. Schon während ſeiner Krankheit verſah Dr. O. Buchner ſeine Stelle; als aber derſelbe im Juli 1856 nach Gießen verſetzt worden war, wurde Dr. E. Glaſer(geb. 27. April 1828) am 21. desſelben Monats als proviſoriſcher Lehrer eingeführt.
6) Mit Anfang des Jahres 1843 wurde ſeine Stelle dem Lehrer der franzöſiſchen Sprache P. J. Gottmann (geb. 14. Nov. 1804) übertragen, welcher bis 1840 eine Lehrſtelle am kaiſerlichen Lyceum in Zarskoje⸗Selo bekleidet hatte. Seine in hohem Grade angegriffene Geſundheit nöthigte ihn, am 8. März 1855 ſeine Stelle niederzulegen und in den Ruheſtand zu treten.


