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Zur Geſchichte der Realſchule in Offenbach a. M.
Dm 5. April d. Is. wird unſere Realſchule, die am 20. April 1834 eröffnet wurde, ihr 50 jähriges Jubiläum feiern. Nach 25jährigem Beſtande, im Jahre 1859, veröffentlichte der damalige Direktor der Anſtalt, Herr Dr. E. Schaumann, im Schulprogramme eine„Geſchichte der Realſchule zu Offenbach von 1834 bis 1859“. Obwohl der Unterzeichnete erſt im Laufe des Schuljahres das Direktorium der Schule übernahm und ihm die Zeit zum Studium der Geſchichte derſelben nur ſehr mäßig zugeteilt war, ſo lag für ihn doch der Gedanke nahe, die durch Direktor Schaumann begonnene kurze Geſchichte, ſoweit thunlich, fortzuſetzen und mit dem diesjährigen Programm zu veröffentlichen. Mit Genehmigung des verehrten Vorgängers, Herrn Dr. Schaumann, bringen wir zugleich die Geſchichte der erſten 25 Jahre zum Abdruck und laſſen dieſelbe zunächſt folgen:
I. Geſchichte dor Rralſchule zu Pffenbach von 1834 bis 1859.
Von Dr. E. Fchaumann.
„Die Stadt Offenbach am Main deren Einwohnerzahl zu Anfang unſeres Jahrhunderts nur etwa ein Drittheil ihrer jetzigen Bevölkerung betrugi), und deren induſtrieller Zuſtand damals die gegenwärtige Größe ihrer gewerblichen Thätigkeit kaum ahnen ließ²), hat ſeit etwa 40 Jahren an Umfang, ſowie an Bedeutung als Fabrik⸗ und Handelsplatz) in wahrhaft überraſchender Weiſe zugenommen. Gleichzeitig mit dieſem großartigen Aufſchwung der Induſtrie entwickelte ſich natürlich das Bedürfniß tüchtiger Unterrichtsanſtalten. Die vorhandenen Schulen, welche, außer mehreren Privat⸗ anſtalten für Knaben und Mädchen, aus vier höchſt mangelhaften confeſſionellen Volksſchulen¹) und einer lateiniſchen Schule(nachmals Progymnaſium)?) beſtanden, konnten den erhöheten Anforderungen nicht mehr genügen. Nach langen Verhandlungen wurden daher mit dem Beginne des Jahres 1830 die confeſſionellen Volksſchulen in eine Communalſchule verwandelt, welche im Jahre 1851 eine bedeu⸗ tende Erweiterung und neue Einrichtung erhielt, und außerdem kam auch die Umgeſtaltung der lateiniſchen Schule ernſtlich zur Sprache. Es entſtand vor Allem die Frage, ob dieſe Anſtalt in ihrer bisherigen, hauptſächlich auf der Erlernung der alten Sprachen beruhenden, mithin auf die Vorbe⸗ reitung für die Univerſität berechneten Einrichtung fortbeſtehen und nur etwa durch Erhöhung ihrer Mittel und durch die davon abhängige Vermehrung der Lehrerzahl ein regeres Leben erhalten ſolle,
1) Im Jahre 1800 hatte Offenbach 5500 Einwohner; 1830 war die Zahl derſelben auf 7500, 1843 ſchon auf 10000, jetzt(1859) iſt ſie auf 15000 geſtiegen.
2) Zwar ſtammen einige unſerer bedeutendſten Fabriken aus dem vorigen Jahrhundert, die große Mehrzahl aber, namentlich auch die vielen Portefeuillesfabriken, welche allein Tauſende von Arbeitern beſchäftigen, ſind erſt in dieſem Jahrhundert entſtanden und gewinnen von Jahr zu Jahr eine größere Ausdehnung.
3) Auf den Weltausſtellungen zu London und Paris, auf der Ausſtellung in München ꝛc. hatten ſich bekanntlich die Offenbacher Fabricate einer beſonderen, wohlverdienten und ehrenvollen Auszeichnung zu erfreuen.
4) Wie wenig dieſe Schulen zu leiſten im Stande waren, geht wohl ſchon daraus hervor, daß die 300 reformirten Schulkinder nur 2, die 350 Kinder der lutheriſchen Gemeinde aber ſogar nur 1 Lehrer hatten.
5) Die lateiniſche Schule, welche den Bemühungen des damaligen Hofpredigers Brößke ihre Entſtehung verdankte, wurde unter der Regierung des Grafen Johann Philipp von Iſenburg(1655— 1718) im Jahr 1691 eröffnet und 1708 für ſie das lateiniſche Schulhaus(das jetzige Realſchulgebäude) erworben.


