Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Offenbach von 1834 bis 1859 : 2. Fortsetzung: Die Realschule bis 1884
Entstehung
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worden warz), ſah ſich der Director zu der pflichtmäßigen Erwägung aufgefordert, ob es nicht im wohlverſtandenen Intereſſe der Realſchule und ihrer weiteren ſegensreichen Entwickelung liege, daß für die Stadtſchule und die höhere Töchterſchule eine anderweitige Fürſorge getroffen und er dadurch in den Stand geſetzt werde, ſeine Zeit und Kraft der Leitung der Realſchule und dem daſelbſt von ihm ertheilten Unterricht ungeſchmälert zu weihen. Die ſpecielle Beaufſichtigung des geſammten Unterrichtes in 29 Claſſen, die Leitung der Disciplin in drei ſo ſtark beſuchten Anſtalten, die wahrhaft zahlloſen Verhandlungen mit Eltern, Lehrern und Schülern, die ordentlichen und außerordentlichen Conferenzen und Sitzungen, die Schulverſäumniſſe, die Wochen lang andauernden öffentlichen Prüfungen, die Schüler⸗Aufnahmen, die Cenſuren und die ganze Menge der übrigen zeitraubenden und kraftzer⸗ ſplitternden Anforderungen, welche die gewiſſenhafte und verantwortliche Führung drei ſo ausgedehnter Schulen mit ſich bringt und welche ſie durchaus nicht von ſich weiſen darf: dieß Alles mußte den Director der Realſchule in der von Jahr zu Jahr zunehmenden Ueberzeugung beſtärken, daß unter den gegenwärtigen Schulverhältniſſen die Führung ſämmtlicher öffentlichen Schulen hieſiger Stadt die Kräfte eines einzigen Mannes, der ſich überdieß noch bei dem Unterricht in der Realſchule in erheblicher Weiſe betheiligt, bei weitem überſteige und er es mithin der Realſchule, für welche er doch berufen worden, ſchuldig ſei, alle dieſe Umſtände zur Kenntniß ſeiner vorgeſetzten Behörde zu bringen. Von Großherzoglichem Miniſterium des Innern wurde hierauf durch höchſte Entſchließung vom 28. Oct. 1858 der Director der Realſchule aus den von ihm dargelegten Gründen, ſernem Wunſche gemäß, von der Leitung der Stadtſchule und der höheren Töchterſchule, die mit dem Beginne des Jahres 1859 einem beſonderen Schulinſpector übertragen werden ſolle, entlaſtet. Am 3. Januar 1859 ging daher die ſpecielle Beaufſichtigung und Führung der Stadtſchule und der höheren Töchterſchule auf den mit der Inſpection dieſer Anſtalten und mit der erſten Lehrerſtelle an der höheren Töchterſchule beauf⸗ tragten bisherigen Reallehrer Dr. F. W. Sommerlad über ²), während der dermalige Realſchuldirector ſeine Stellung als vorſitzendes Mitglied des Schulvorſtandes und als ordentliches Mitglied der Groß⸗ herzoglichen Kreisſchulcommiſſion beibehielt.

Der zweite Punkt, deſſen ſachgemäße Erledigung im Intereſſe der Realſchule lag, war die Errichtung einer neuen, höheren Claſſe, und auch in dieſer Beziehung ſind die eingeleiteten Verhand⸗ lungen zu einem erfreulichen Schluſſe gediehen, indem Großh. Miniſterium des Innern durch Entſchließung vom 5. Jan. d. J. verfügt hat, daß die mit der Realſchule bisher verbundenen 3 Elementarclaſſen vom Be⸗ ginne des nächſten Schuljahres an als eine beſondere, jedoch dem Director der Realſchule untergebene Vor⸗ bereitungsanſtalt von der eigentlichen Realſchule getrennt den 4 Claſſen der letzteren aber noch eine neue höhere Claſſe hinzugefügt werden ſolle. Dieſe neue oberſte Claſſe, welche denjenigen Zög⸗ lingen der Realſchule, die ſich der kaufmänniſchen Laufbahn oder einem techniſchen Fach widmen wollen, noch eine beſondere, höhere Vorbereitung für ihren Beruf zu gewähren beſtimmt iſt, wird in 2 Ab⸗ theilungen eine kaufmänniſche und eine techniſche zerfallen, welche in den allgemein bildenden Gegenſtänden gemeinſchaftlichen, in den ſpeciell für ihr Fach erforderlichen Lehrzweigen getrennten Unterricht empfangen werden. Die Lehrgegenſtände der kaufmänniſchen Section ſind folgende: 1. Religion. 2. Deutſche Sprache und Literatur. 3. Franzöſiſche Sprache.

1) Vergleichung der Schulen zu Offenbach in den Jahren 1841(beim Dienſtantritt des dermaligen Directors und 1858.

Anzahl 1841. 1858. Mehr im Jahr 1858. der Schulen. 2. 3. 1. Claſſen. 15. 29. 14. Lehrer und Lehrerinnen. 25. 47. 22. Schulgebäude. 1. 4. 3. Schüler und Schülerinnen. 1173. 1995. 822.

2) Wir können allerdings nicht in Abrede ſtellen, daß es uns ſchwer geworden iſt, die oben entwickelten Verhältniſſe zur Kenntniß der höheren Behörden zu bringen. Denn das Scheiden von Anſtalten, zu deren Entſtehen oder dermaligen Einrichtung uns in ſo großem Maße mitzuwirken vergönnt war, deren geachtete Leiſtungen uns ſo lange Jahre ein Quell der aufrichtigſten Freude geweſen ſind, und das Scheiden von Lehrern, deren dankbare Anhänglichkeit ſich bei vielen Gelegenheiten und zuletzt noch bei der Trennung ſo herzlich ausſprach, konnte nur mit Wehmuth geſchehen, allein die Unmöglichkeit, uns unter den geſchilderten, ſo ſehr veränderten Verhältniſſen unſerem Hauptwerke ſo, wie wir ſelbſt es wünſchten, widmen zu können, machte uns die freimüthige Darſtellung der bereits ſeit dem Jahre 1845 gänzlich veränderten Sachlage zur Pflicht. Das Heil der übrigen Anſtalten wird uns jedoch auch ferner theuer bleiben, und wir werden gerne nach Kräften mitwirken, wenn es ſich darum handelt, das Wohlergehen der Lehrer und das Beſte der beiden Schulen zu befördern, denen wir durch unſer Verbleiben in den dem Voltsſchulweſen in hieſiger Stadt und im Kreiſe Offenbach zunächſt vorgeſetzten Behörden immer noch nahe ſtehen. E. S.