Aufsatz 
Der Geschichtsunterricht in Mädchenschulen / von C. O. Schäfer
Entstehung
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unterricht und nicht vielmehr in den geographiſchen gehöre*), ſo unterliegt es wohl für die Mädchen⸗ ſchulen keinem Zweifel, daß der Geſchichtsunterricht für ſie ein weſentliches Element entbehren würde, wollten wir das Kulturgeſchichtliche davon ausſchließen. Soll das Leben der handelnden Perſonen, der Zuſtand ihrer Zeit, unter deren Einfluß ſie ſtanden oder über die ſie ſich erhoben, deutlich werden, ſo gehört die Kenntniß des Wichtigſten aus der Kulturgeſchichte freilich hinzu. Nur darf letzteres nicht als Hauptſache, muß durchaus mehr gleichſam als Rahmen zu den Bildern der geſchichtlichen Thatſachen behandelt werden. Man darf es auch nur verſuchen, den Mädchen an paſſender Stelle von den Lebensverhältniſſen einer Zeit, deren Thaten ſie eben gehört, von den häuslichen Einrichtungen und Bauten, von den Sitten und Trachten, von den Geräthſchaften und Verkehrsmitteln, von den Beſchäftigungen und Feſten, von den Künſten und Viſſenſchaften und dergl. zu erzählen: und die Erfahrung wird es beſtätigen, daß dieſelben nicht nur das größte Intereſſe dafür an den Tag legen, ſondern daß ſolche Schilderungen auch ſehr zur Klarheit und Förderung des allgemeinen Verſtändniſſes beitragen. Es iſt auch möglich, bei Mädchen einige Zeit darauf zu verwenden, da, wie oben ausge⸗ führt wurde, Verfaſſungs⸗ und Kriegsgeſchichten weit kürzer behandelt werden und ſo einige Zeit gewonnen wird. Dabei kann man auch ſehr wohl Gelegenheit nehmen zu Bemerkungen und Be⸗ lehrungen über Dinge, worüber zu reden ſich ſonſt keine Veranlaſſung bietet und deren Verſtändniß doch mit zu einer allgemeinen Bildung gehört, indem man z. B. in der mittelalterlichen Geſchichte bei Gelegenheit der Erzählung von den Dombauten das Nothwendigſte über die verſchiedenen Bauſtile, oder wenn von der Malerei die Rede iſt, die wichtigſten Erklärungen über Oelgemälde, Fresko⸗, Paſtell⸗ und Aquarellmalerei, über Kupfer⸗ und Stahlſtich, Steindruck, Holzſchnitt u. ſ. f., auch über die Abkürzungen auf Bildern und Bildhauerwerken giebt.

Hierbei möchten wir uns noch die Bemerkung erlauben, daß die in den meiſten Lehrbüchern (ſo auch in dem unſrigen) am Schluſſe der einzelnen Zeiträume oder ganz am Ende angehängten kulturgeſchichtlichen Ueberſichten, wenn ſie an der Stelle, wo ſie ſtehen, durchgenommen werden, leicht zu dem oben erwähnten Fehler allzugroßer Weitläufigkeit verleiten können, ohne doch einen rechten Nutzen für das Verſtändniß des Ganzen abzuwerfen. Beſſer dürfte es ſein, die betreffenden kultur⸗ geſchichtlichen Mittheilungen bei der Erzählung von den Hauptperſonen mit einfließen zu laſſen, z. B. mit der in Caſſian's Lehrbuche II. Theil§ 29 entworfenen Schilderung des Ritterweſens nicht zu warten, bis im§ 25 die Geſchichte derKreuzzüge,§ 26 die derHohenſtaufen,§ 27 ,Frankreich und England und§ 28das Mönchthum und die römiſche Kirche durchgenommen ſind, während ſich oft ſchon früher die Gelegenheit dazu geradezu aufdrängt.

Aehnlich verhält es ſich mit der Geſchichte der Frauen, die in Mädchenſchulen naturgemäß eine beſondere Berückſichtigung verdient; auch dieſe wird nicht in getrennten Anhängen, ſondern möglichſt im Zuſammenhange, gleichſam ſynchroniſtiſch mit der Geſchichte der Männer, zu behandeln ſein, indem man die betreffenden Lebensbilder an Ort und Stelle mit einreiht.

Doch wir gerathen hiermit ſchon in das Gebiet der eigentlichen Methodik hinein, zu dem wir nun erſt übergehen müſſen.

*) Für letzteres z. B. J. F. C. Campe inGeſchichte und Unterricht in der Geſchichte, Lpzg. 1859 p. 53 ff., wo ausgeführt wird, daß man die ſogenannte Kulturgeſchichte nie dem Unterrichte in der Geſchichte hätte zuweiſen dürfen; und p. 63:Die Kultur hat ihren Inhalt im Reiche des Zuſtändlichen, die Geſchichte hat ihr Element in der freien That.